(Beitragsbild: © Adobe Stock | Md (KI gen.)
Beginn: 12 Uhr, Gronau | Bahnhof
Wenige Tage vor dem Jahrestag der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki rufen mehrere Anti-Atomkraft-Organisationen für Sonntag, 2. August, zu einer Demonstration in Gronau an der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage auf. Start ist um 12 Uhr mit einer Fahrraddemo vom Bahnhof in Gronau. Um 13 Uhr beginnt dann eine Kundgebung vor der Urananreicherungsanlage an der Röntgenstraße.
Anlass der Demonstration ist die offensichtliche Zustimmung der Bundesregierung zu Plänen der britischen Regierung, den deutsch-britisch-niederländischen Urananreicherer Urenco an militärischen Atomprojekten zu beteiligen. Die Anti-Atomkraft-Organisationen sehen dies als klaren Bruch des Vertrags von Almelo, in dem festgelegt wurde, dass die Urananreicherung von Urenco nur rein zivilen Zwecken dienen solle. Dieser radikale Kurswechsel hin zu einer militärischen Nutzung der Urananreicherung betrifft auch die deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON, denen gemeinsam das deutsche Anteils-Drittel an Urenco gehört.
„Wenn es um die Urananreicherung geht, ist die Frage einer militärischen Nutzbarkeit leider nie sehr weit. Die zugrunde liegende Zentrifugentechnologie gilt als der einfachste Weg, um atomwaffenfähiges Uran zu gewinnen. Aber auch als Zulieferer für das britische Militär, z. B. für den Betrieb von Atom-U-Booten, würde Urenco in eine militärische Spirale hineingezogen werden, deren Ende nicht absehbar ist. Wir fordern deshalb von der Bundesregierung ein Veto gegen diese britischen Pläne und die Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau“, erklärte Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau.
Dazu ergänzte Dr. Angelika Claussen von der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, die auch bereits den Friedensnobelpreis erhalten hat: „Die zivile Nutzung der Atomenergie befindet sich weltweit im Niedergang, wie die jährlichen Berichte des World Nuclear Industry Status Report zeigen. Die aktuellen Bestrebungen nach Modernisierung und nuklearer Aufrüstung durch die Atomwaffenstaaten sind der eigentliche Treiber für die Aufweichung der Grenzen zwischen ziviler und militärischer Urananreicherung. Deutschland, Niederlande und Großbritannien bereiten mit dem nuklearen Technologiekonzern URENCO die waffenfähige Urananreicherung Großbritanniens vor. Nicht anders lässt sich die verklausulierte Antwort aus dem Bundesumweltministerium verstehen. Zum Hiroshima-Tag ist unsere friedenspolitische Botschaft klar: Wir brauchen dringend atomare Abrüstung im Sinne des Atomwaffenverbotsvertrags statt europäischer Atomwaffen. Wer die nuklearen Drohgebärden Russlands eindämmen will, muss den politischen Willen zu Rüstungskontrolle und nuklearer Abrüstung zeigen.“
Mit der Demonstration in Gronau wollen die Atomkraftgegner:innen zugleich auch gegen den erst vor wenigen Tagen genehmigten Einstieg des Kreml-Atomkonzerns Rosatom in die Brennelementefertigung im benachbarten Lingen/Emsland protestieren – sowie gegen Pläne der niederländischen Regierung, an der Emsmündung bei Eemshaven womöglich zwei neue AKW-Blöcke zu errichten.
„Im Iran-Krieg rund um den Persischen Golf sowie in der Ukraine werden Atomanlagen inzwischen zu Zielen für militärische Angriffe. Das beunruhigt uns sehr, zumal Urenco sowohl das vom russischen Militär besetzte ukrainische AKW Saporischschja beliefert hat so wie aktuell auch den Reaktorkomplex Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit angereichertem Uran beliefert. Für uns ist klar, dass weder diese unverantwortlichen Uranlieferungen in Kriegsgebiete noch der direkt am Ukraine-Krieg beteiligte russische Atomkonzern Rosatom oder der Neubau von Atomkraftwerken zu einer friedlicheren Welt beitragen können. Atomkraft löst keine Energieprobleme, sondern schafft geopolitische Abhängigkeiten und ist viel zu teuer – wir fordern deshalb ganz klar die Stilllegung der Uranfabriken in Gronau und Lingen sowie den Verzicht auf neue Atomreaktoren im Nachbarland“, so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.
Bereits am Montagabend demonstrierten in Lingen vor der Brennelementfabrik rund 100 Atomkraftgegner:innen mit einer Mahnwache gegen den Einstieg von Rosatom in die hiesige Brennelementeproduktion.
