Ausbau der Brennelemente-Fabrik Lingen

Atomkraftgegner*innen fordern Abbruch des Genehmigungsverfahrens

  • Ausgelegte Unterlagen verschweigen brisante Rolle Russlands
  • Bundesregierung hält Prüfergebnisse unter Verschluss
  • Zugriff des Kreml auf nukleare Infrastruktur verhindern

Anti-Atomkraft-Organisationen fordern einen Abbruch des Genehmigungsverfahrens für den Ausbau der Brennelementefabrik Lingen. Der Atomkonzern Framatome will in Lingen in Lizenz und unter Mitwirkung des russischen Staatskonzerns Rosatom künftig auch Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart produzieren. Framatome hat dazu mit der Rosatom-Tochter TVEL ein Joint Venture in Frankreich gegründet. Die seit Anfang Januar vom niedersächsischen Umweltministerium ausgelegten Antragsunterlagen verschweigen allerdings die brisante Rolle des russischen Staatskonzerns bei dem Vorhaben.

Rosatom ist direkt dem Kreml unterstellt und unter anderem im besetzten AKW Saporischschja aktiv am russischen Krieg gegen die Ukraine beteiligt. Zu den gravierenden Sicherheitsproblemen, die aus dem Einstieg Russlands in Lingen resultieren, verlieren die ausgelegten Unterlagen kein Wort. Nicht berücksichtigt werden auch Erkenntnisse der Bundesregierung, die in der Zusammenarbeit mit Rosatom eine Gefährdung der Sicherheitsinteressen Deutschlands sieht. Schon 2022 hatte die Bundesregierung die Genehmigung eines in Deutschland geplanten Gemeinschafts­unternehmens mit Rosatom verweigert, hält die Gründe dafür aber bis heute geheim. Für ein sachgerechtes Verfahren müssen die Ergebnisse der 2022 durchgeführten Investitionsprüfung offengelegt und zwingend in das atomrechtliche Genehmigungsverfahren einbezogen werden.

Hierzu erklärt Alexander Vent vom Bündnis AgiEL – Atomkraftgegner*innen im Emsland: „Ein Einstieg Russlands in die Brennelemente-Produktion in Lingen ist absolut inakzeptabel. Mitar­beiter*innen von Rosatom sollen sogar in Lingen selbst tätig werden. Es droht Spionage und Sabotage, und das in einer Atomfabrik. In den ausgelegten Unterlagen fehlt jede Information, um diese Gefahren für die Öffentlichkeit und die Sicherheit Deutschlands zu bewerten. Unter diesen Bedingungen muss das Genehmigungsverfahren abgebrochen werden. Auch deshalb veranstalten wir an diesem Samstag, 20. Januar, eine Kundgebung vor der Brennelementefabrik in Lingen.“

Julian Bothe von der bundesweiten Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt ergänzt: „Der russische Staatskonzern Rosatom ist der Elefant im Raum, über den keiner spricht. Nur wenn alle sicherheits­relevanten Informationen für alle zugänglich auf dem Tisch liegen, ist eine ernsthafte Diskussion dieses Vorhabens möglich. Die Bundesregierung selbst hat bereits festgestellt, dass eine Beteiligung Russlands an der Brennelemente-Fertigung in Lingen die Sicherheitsinteressen Deutschlands und seiner Verbündeten gefährdet. Sie darf diese Erkenntnisse nicht länger unter Verschluss halten.“

„Rosatom ist die rechte Hand des Kreml und versucht mit jeder Handlung, den Einfluss Putins zu vergrößern. Die Bundesregierung darf nicht zulassen, dass ein solcher Konzern Zugang zu einer Atomfabrik bekommt. Sie muss vielmehr alles dafür tun, dass jegliche Zusammenarbeit mit Rosatom unverzüglich unterbunden wird.“

Vladimir Slivyak, Ko-Vorsitzender der russischen Umweltorganisation Ecodefense! und Träger des Alternativen Nobelpreises 2021

Für Samstag, 20. Januar, rufen die Organisationen gemeinsam zu einer Kundgebung um 13 Uhr vor der Brennelementefabrik Lingen auf.

(Gemeinsame Pressemitteilung: Bündnis AgiEL – Atomkraftgegner*innen im Emsland, .ausgestrahlt, Ecodefense!, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)

Weitere Informationen:

Demo gegen Castor-Transporte Jülich-Ahaus

(Beitragsbild: © iStock.com/Younes Kraske)

„152 Castor-Transporte mit Atommüll aus Jülich nach Ahaus? Nicht mit uns!“

Das ist die Kernforderung einer Demonstration, die am Sonntag, 14. Januar, in Ahaus stattfinden wird. Dazu rufen außer der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ etliche andere Initiativen und Umweltverbände wie der BBU und der BUND auf. Die Auftaktkundgebung beginnt um 14 Uhr am Ahauser Rathaus. Ein Trecker-Korso von Landwirten startet am TOBIT-Kreisel und führt zur Auftaktkundgebung. Vom Rathaus ziehen dann Trecker und Fußgänger gemeinsam zur Kreuzung Schumacherring/Schöppinger Straße, wo es eine Abschlusskundgebung gibt.

Anlass der Demonstration sind die Pläne des Forschungszentrums Jülich, rund 300.000 abgebrannte Kugel-Brennelemente aus dem stillgelegten Versuchsreaktor AVR nach Ahaus zu verschieben. Dies soll in 152 Straßentransporten quer durch NRW mit 130 Tonnen schweren Transportfahrzeugen geschehen. Bürgerinitiativen und Umweltverbände fordern, dass der Müll in Jülich bleibt und dort ein neues Lager errichtet wird, das aktuellen Sicherheitsanforderungen entspricht. Dies ist auch erklärter Wille der NRW-Landesregierung. Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) ignoriert dies aber beharrlich und treibt nur die Option des Ahaus-Transports voran.

Die Demonstration in Ahaus erfährt Unterstützung aus vielen Teilen der Bevölkerung: Landwirte führen die Demo mit einem Trecker-Korso an, Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirche, der BUND NRW sowie die Ahauser Bürgermeisterin haben Redebeiträge zugesagt. Auch die Jülicher Initiative „Stop Westcastor“ unterstützt die Forderungen der Demonstranten und wird ein Grußwort sprechen.

Demo gegen Castortransporte: 14. Januar, Ahaus 

Das Atommüll-Dilemma bleibt auch 2024:

„Keine Castor-Transporte Jülich-Ahaus“

Für den jetzigen Sonntag, 14. Januar, rufen Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände um 14 Uhr zu einer neuen Demo gegen die für dieses Jahr geplanten Castortransporte von Jülich nach Ahaus auf. Die Auftaktkundgebung beginnt um 14 Uhr am Ahauser Rathaus. Ein Trecker-Korso der Landwirte startet am TOBIT-Kreisel und führt zur Auftaktkundgebung. Vom Rathaus geht es dann gemeinsam zur Kreuzung Schumacherring/Schöppinger Straße, wo es eine Abschlusskundgebung gibt.

„Das Dilemma mit den 152 Castoren in Jülich lässt sich weder durch jahrelanges Aussitzen noch durch undurchdachte und extrem gefährliche `Hau-Ruck-Castortransporte‘ über die Autobahnen von Jülich mitten durch NRW via Düsseldorf, Duisburg und Oberhausen nach Ahaus lösen. Wir sehen, dass entgegen allen anderen Beteuerungen nur an der Ahaus-Option gearbeitet wird und die sicherere Jülich-Option mit dem Neubau eines Zwischenlagers nicht weiter verfolgt wird. Deswegen werden wir unseren Protest intensivieren, ehe die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen und die Aufsichtsbehörden Fakten schaffen“, erklärt Felix Ruwe von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“.

Die Demonstration in Ahaus erfährt Unterstützung aus vielen Teilen der Bevölkerung: Landwirte führen die Demo mit einem Trecker-Korso an, Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirche, der BUND NRW sowie die Ahauser Bürgermeisterin haben Redebeiträge zugesagt und der Ahauser Salip Tarakci begleitet die Demo mit musikalischen Beiträgen.

Alle Parteien des Ahauser Stadtrates haben sich gegen die heftig umstrittenen Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus ausgesprochen. Gegen die bereits bestehende Einlagerungsgenehmigung klagen die Stadt und ein Ahauser Bürger seit Jahren vor dem OVG Münster. Die Transportgenehmigung für die Autobahn-Route quer durch NRW steht noch aus und schwebt nun wie ein Damokles-Schwert über der Stadt Ahaus.

„Wir befürchten, dass das laufende Gerichtsverfahren vor dem OVG Münster sowie neue positive Erdbebenerkenntnisse zum Jülicher Zwischenlager keine Rolle mehr spielen, ebenso wenig die immensen Kosten. Bereits ohne die Polizei-Kosten sind circa 100 Millionen Euro für die Transporte veranschlagt, die intensiven Polizeieinsätze können diese Kosten locker verdoppeln. Für das Geld ließe sich besser ein modernes Zwischenlager in Jülich bauen“, erklärt Marita Boslar vom Jülicher Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.

„Es kann aber auch grundsätzlich nicht sein, dass der Schutz der Bevölkerung einem Kostenargument gegenüber als nachrangig angesehen wird. Leider ist diese Art von verantwortungslosem Handeln der Entscheider*innen zu den Jülich-Castoren als symbolisch für den Umgang mit der Atommüll-Zwischenlagerung in ganz Deutschland anzusehen. Es gibt keine sinnvolle Planung, wie bis zu einer `Endlagerung‘ mit den strahlenden Hinterlassenschaften möglichst sicher umzugehen ist. Die aktuelle Flickschusterei rund um die bestehenden Lager darf nicht das Konzept für die noch nötige Zwischenlagerzeit bis ins nächste Jahrhundert darstellen! Auch dafür demonstrieren wir am 14. Januar in Ahaus“, ergänzt Helge Bauer von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt.

Weitere Infos: www.sofa-ms.de

Aufruf zur Demo: 14. Januar in Ahaus

152 Castor-Transporte mit Atommüll aus Jülich nach Ahaus?

Nicht mit uns!

Aufruf zur Demonstration am 14. Januar 2024

Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) und seine nukleare Entsorgungsgesellschaft (JEN) wollen ihren Atommüll nach Ahaus abschieben. Es geht um circa 300 000 abgebrannte Kugelbrennelemente (Kugel-BE) aus dem stillgelegten Versuchsreaktor AVR. Diese befinden sich in 152 Castor-Behältern in einem veralteten Zwischenlager auf dem AVR-Gelände. Seit 2013 ist dieses Lager ohne Genehmigung, seitdem haben die Verantwortlichen aber keine ernsthaften Schritte für einen Zwischenlager-Neubau am Ort unternommen.

Ab 2024 sollen deshalb 152 Straßen-Transporte von Jülich nach Ahaus erfolgen. Drei Testfahrten ohne Atommüll  haben bereits im November 2023 stattgefunden: mit einem 130 Tonnen schweren Transportfahrzeug quer durch NRW, durch Duisburger Stadtgebiet und mit Problemen zum Beispiel im Autobahnkreuz Kaiserberg, das alles begleitet von riesigen Polizeiaufgeboten.Nun erwarten FZJ und JEN die Transportgenehmigung und wollen dann schnellstmöglich mit dem Abtransport ihres Atommülls nach Ahaus beginnen,

obwohl

  • zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar ist, ob die Kugel-BE aus Jülich endlagerfähig sind, sondern ziemlich sichervorher abgereichert und konditioniert werden müssen,
  • das Verfahren dafür erst noch entwickelt werden muss, wofür JEN und FZJ allein verantwortlich sind,
  • weder Entwicklung noch Durchführung dieses Verfahrens in Ahaus möglich sind, aus technischen wie auch rechtlichen Gründen,
  • demzufolge irgendwann erneut 152 Transporte zurück nach Jülich oder an einen anderen Ort nötig wären,
  • die NRW-Landesregierung laut Koalitionsvertrag gegen den Transport nach Ahaus und für einen Lagerneubau in Jülich ist,
  • die Landesregierung für den Erwerb eines Grundstücks in Jülich die finanziellen Mittel im Landeshaushalt 2023 zur Verfügung gestellt hat,
  • Jülich auch bei einem Abtransport der Kugel-BE keinesfalls „atommüllfrei“, sondern weiterhin mit anderem Atommüllaus dem stillgelegten AVR  belastet sein würde,
  • die Stadt Ahaus laut einstimmigen Ratsbeschluss gegen die Verbringung des Jülicher Atommülls nach Ahaus ist,
  • Klagen der Stadt Ahaus und eines Bürgers gegen die Einlagerung des Jülicher Atommülls in Ahaus eingereicht und  noch nicht entschieden sind,
  • sogar der Bürgermeister von Jülich dafür ist, dass in Jülich ein neues Zwischenlager gebaut wird!

Atommüll-Verschiebung löst keine Probleme!

Wir stellen uns quer

  • Keine Castor-Transporte durch NRW!
  • Neubau einer Lagerhalle in Jülich, die aktuellen Sicherheitsanforderungen entspricht!

Wir rufen auf zur Demonstration am Sonntag, den 14. Januar 2024, in Ahaus:

  • 14 Uhr: Auftaktkundgebung am Rathaus mit Redebeiträgen und Musik
  • Zeitgleich: Trecker-Demo der Landwirte vom TOBIT-Kreisel zum Rathaus
  • Anschließend Demonstrationszug hinter den Treckern vom Rathaus zur Kreuzung Schorlemerstr./Schumacherring,
  • dort Abschlusskundgebung, wieder mit Redebeiträgen und Musik

Zur Teilnahme rufen auf:

Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG), Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Landeskonferenz (LaKo) der NRW-Anti-Atom-Initiativen, AtomkraftgegnerInnen im Emsland(AgiEL), Ationsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), BUND- Landesverband NRW

Würgassen-Entscheidung als Vorbild

(Beitragsbild: pixabay.com)

Nun auch bei Westcastoren endlich die Reißlinie ziehen!

Castortransporte Jülich-Ahaus kosten 100 Millionen Euro

Weitere Probleme und Kosten in Ahaus absehbar

Nächste Demo am 14. Januar 2024 in Ahaus

Die Anti-Atomkraft-Initiativen von Ahaus bis Jülich begrüßen die Entscheidung der Bundesumweltministerin Steffi Lemke, die Planungen für das Bereitstellungslager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll in Würgassen aufzugeben.

Kerstin Ciesla vom BUND NRW erklärt dazu: „Es ist ein großer Erfolg, dass die Fehlplanung endlich beendet wird und viele potentielle Atommülltransporte an einen ungeeigneten Standort entfallen. Nun sollte Steffi Lemke auch endlich bei den unsinnigen Castortransporten von Jülich nach Ahaus und beim ungeeigneten Schacht Konrad die Reißleine ziehen!“

Auch wenn in der Begründung der Bundesumweltministerin in Würgassen die Kosten im Vordergrund standen, wurde deutlich, dass auch Fragen bezüglich Sicherheit, Recht und Verkehr und somit die kritischen Einwände und Hinweise der örtlichen und regionalen Anti-Atomkraft-Initiativen eine Rolle gespielt haben.

„Hier sind deutliche Parallelen zu den anvisierten Castortransporten von Jülich nach Ahaus zu sehen. Die Castortransporte nach Ahaus sind keine langfristige Lösung! Bereits 2032 haben die ersten Castorbehälter die genehmigten 40 Jahre Lagerdauer erreicht und 2036 läuft die Genehmigung des Ahauser Zwischenlagers aus. Damit gehen langwierige Planungen von vorne los. Auch die Sicherheit des Ahauser Zwischenlagers ist zweifelhaft, dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht die 1990 fertig gestellte Halle nach Ansicht nicht mehr“,  kritisiert Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

100 Millionen Euro von Jülich nach Ahaus – und in einigen Jahren das Ganze nochmal?

Bis 2025 rechnet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) mit Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro für die Ahaus-Option, allein die reinen Transportkosten für die 152 Castorbehälter belaufen sich auf 40 Millionen Euro. Die Kosten für die Sicherung durch die Polizeieinsätze sind darin laut BMUV noch nicht enthalten. Allein die circa 120 Tonnen schwere Panzerung der LKW zeigt das Gefahrenpotenzial der Transporte.

„In Ahaus gibt es keine Möglichkeiten, die Castoren zu reparieren, die Genehmigung des Lagers läuft in etwa 10 Jahren aus und vor einer Endlagerung muss der Jülicher Atommüll höchstwahrscheinlich nochmal konditioniert werden. Die Expertise dafür ist nach wie vor im Forschungszentrum Jülich angesiedelt ‒ wir rechnen mit Rücktransporten und damit noch einmal mit Kosten in der Größenordnung von 100 Millionen Euro“, so Marita Boslar vom Jülicher Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.

Die Anti-Atomkraft-Initiativen sind sich bewusst, dass ein neues Zwischenlager in Jülich vermutlich mehr kosten würde als die Castortransporte nach Ahaus ohne Rücktransporte, aber das Geld wäre langfristiger und sicherheitstechnisch besser angelegt. „Wir fordern von Mona Neubaur als NRW-Atomaufsicht und Steffi Lemke als Bundesumweltministerin die Planungen für die Castortransporte sofort zu stoppen. Dies würde auch den Krisenhaushalt 2024 entlasten, da die Planungen für ein neues Zwischenlager mit dem ohnehin vorhandenen Personal der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) durchgeführt werden könnten. Erst dann kämen tatsächliche Baukosten auf Land und Bund zu. Mit der kurzsichtigen Ahaus-Option darf jetzt kein weiteres Geld verschwendet werden – wir brauchen eine langfristig sichere und finanziell solide Lösung“, so Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Um diese Forderungen zu untermauern, laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste Demonstration am 14. Januar in Ahaus.

Probe-Castor: Enormer Polizeieinsatz für sinnlose Atommüllverschiebung

Über 150 Demonstrierende in Ahaus & Jülich

Allein der Transport des leeren Probe-Castors von Jülich nach Ahaus hat einen massiven Polizeieinsatz erfordert. Bei über 100 Tonnen Panzerung des Spezial-LKW, zahlreichen Einsatzfahrzeugen und Hubschraubereinsatz der Polizei wird deutlich, dass ein enormer Sicherheitsaufwand besteht, um die Castor-Behälter von Jülich nach Ahaus zu bringen – dabei trägt die Atommüllverschiebung kein Stück zur Problemlösung im Hinblick auf eine Endlagerung bei, kritisieren die Anti-Atomkraft-Initiativen.

In Ahaus demonstrierten am Abend rund 150 Menschen gegen die Castortransporte und zogen mit einer Demo und einem Trecker-Korso auf die entscheidende Kreuzung an der Schorlemer Straße/ Schöppinger Straße, die das circa 30 Meter lange Spezialgefährt passieren musste. Auch in Jülich wurde bei der Abfahrt demonstriert. An beiden Orten gab es ein großes Polizeiaufgebot und der Konvoi zog sich teilweise auf eine Länge von etwa 2 Kilometern. Bereits circa 4 Stunden vor der Ankunft in Ahaus gab es vor dem Zwischenlager eine Kontrolle und Platzverweise für ein Auto mit Atomkraftgegner*innen, die noch nicht die gesperrte Straße befuhren. Auch an Autobahnbrücken im Ruhrgebiet kam es zu Kontrollen, dabei waren auch offenbar auch Zivilfahnder im Einsatz. Eine spontane Mahnwache auf einer Autobahnbrücke wurde von der Polizei verhindert.

„Das Forschungszentrum Jülich als Verursacher des Atommülls wälzt sein radioaktives Problem auf die Ahauser Bevölkerung ab – und die grün geführte NRW-Atomaufsicht und das Bundesumweltministerium schauen dabei zu und delegieren die Durchsetzung an die Polizei“, kritisiert Marita Boslar vom Jülicher Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.

Nach Ansicht von Kerstin Ciesla vom BUND NRW ist die sogenannte Ahaus-Option gescheitert: „Selbst der Transport des leeren Probe-Castor ist offenbar nur mit massivem Polizei-Einsatz möglich. Dabei hat die Polizei in Zeiten von antisemitischen und rassistischen Straftaten und einer anstehenden Fußball-EM Wichtigeres zu tun, als dem Forschungsstandort Jülich den Atommüll vom Hals zu schaffen.“

Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland weist darauf hin, dass Castoren bereits etwa 30 Jahre alt sind. „Die Castor-Behälter sind ursprünglich für 40 Jahre ausgelegt, bereits ab 2030 haben sie diese Lebensdauer erreicht. Was dann passiert ist völlig unklar. In Ahaus ist keine Konditionierung oder Neuverpackung des Atommülls möglich. Das hat die NRW-Atomaufsicht bei allen formalen Schritten, die sie beaufsichtigt, offenbar gar nicht im Blick“, erklärt er. „Deswegen kritisieren wir jeden einzelnen der geplanten 152 Castor-Transporte und werden diese mit Protesten begleiten.“ Der ganze Aufwand und die Kosten wären nach Ansicht der Anti-Atomkraft-Initiativen in einem neuen, möglichst sicheren Zwischenlager in Jülich deutlich besser investiert.

Die Castor-Route führte wie beim vorherigen Probe-Transport von der A44 und A46 über die A57 bei Neuss und dann durch heikle Passagen wie den Düsseldorfer Flughafen-Tunnel (A44) und die Großbaustelle am Autobahnkreuz Kaiserberg (A3). Ab dem Autobahnkreuz Kaiserberg führte die Probefahrt dann kreuz und quer über die Duisburger Stadtautobahnen (A40, A59, A42) durch dicht besiedeltes Gebiet um letztendlich wieder auf die A3 zu gelangen. Von dort aus ging es über die A31 nach Ahaus.

Heute Proteste gegen Probe-Castor

Demo & Trecker-Korso 18 Uhr in Ahaus

Mahnwache 20 Uhr in Jülich

‒ Castor-Abfahrt Jülich (21.11.) ca. 22 Uhr

‒ Ankunft Ahaus   (22.11.) ca. 2 Uhr

In der heutigen Nacht soll eine weitere und letzte Castor-Probefahrt zwischen Jülich und Ahaus stattfinden. In Ahaus und Jülich rufen Anti-Atomkraft-Initiativen zu Protesten auf, um ihrer Forderung nach einem möglichst sicheren Zwischenlager-Neubau in Jülich Nachdruck zu verleihen und auf den Irrsinn der Castortransporte aufmerksam zu machen: 152 Castor-Behälter müssten vermutlich einzeln von Jülich nach Ahaus gebracht werden – und das obwohl die Genehmigung des Ahauser Zwischenlagers 2036 ausläuft und der Jülicher Atommüll vor einer in weiter Entfernung liegenden Endlagerung noch einmal bearbeitet und umverpackt werden muss. Beides ist in Ahaus nicht möglich, sodass die Castoren dann erneut transportiert werden müssen.

Auch dieses Mal erwarten die Anti-Atomkraft-Initiativen wieder einen massiven Polizeieinsatz zwischen Jülich und Ahaus – sowohl für Hin- als auch Rückfahrt. „Das Atommüllproblem auf die Polizei abgewälzt, aber garantiert nicht gelöst!“, erklärt Felix Ruwe von der BI Ahaus. „Wenn die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen weiterhin an den Castortransporten festhält und die NRW-Atomaufsicht wie auch die letzten 15 Jahre wegschaut, wenn eine sichere Lösung vor Ort in Jülich torpediert wird, werden wir bei vermutlich insgesamt 304 Hin- und Rückfahrten deutlich machen, was wir von dieser Atommüllverschiebung halten!“, bekräftigen Felix Ruwe und Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ aus Jülich gemeinsam.

Proteste in Ahaus nehmen Fahrt auf

Für Ahaus rufen die Anti-Atomkraft-Initiativen heute um 18 Uhr zu einer Demo am TOBIT-Kreisel (Legdener Straße, Parallelstraße, Schumacherring) auf, die Ahauser Landwirte haben einen Trecker-Korso mit 20 Fahrzeugen angekündigt. Der Demozug führt zur Kreuzung Schuhmacherring / Schöppinger Straße, während die Trecker einen Abstecher durch die Innenstadt fahren, um dann wieder mit den Demonstranten zusammenzukommen. Auch Live-Musik ist angekündigt.

Mahnwache in Jülich

In Jülich ist am Dienstag ab 20 Uhr eine Mahnwache vor dem Haupttor des Forschungszentrums geplant. Für Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ ist schleierhaft, warum es in den letzten 15 Jahren nicht ein einziges Mal ein Spitzengespräch mit allen Beteiligten gab. Dazu zählen die  Bundesministerien Umwelt, Finanzen und Forschung, das Forschungszentrum Jülich, aber auch die Städte Jülich und Ahaus. „Mona Neubaur muss als Erstes die 2014 erteilte Räumungsanordnung für das Jülicher Zwischenlager aufheben und dann alle Beteiligten zu einem Runden Tisch ins Ministerium einladen. Jetzt ist die Zeit für eine Kehrtwende und einen Neuanfang!“, so Marita Boslar.

Dieses Mal will die nordrhein-westfälische Atomaufsicht dabei alle Arbeitsschritte kontrollieren. Die Testfahrt mit einem leeren Castor soll rund 170 Kilometer von Jülich über die Autobahn nach Ahaus führen. Beim vorherigen Probe-Transport Anfang des Monats führte die Route auch durch heikle Passagen wie den Düsseldorfer Flughafen-Tunnel (A44) und die Großbaustelle am Autobahnkreuz Kaiserberg (A3). Ab dem Autobahnkreuz Kaiserberg führte die Probefahrt dann kreuz und quer über die Duisburger Stadtautobahnen (A40, A59, A42) durch dicht besiedeltes Gebiet um letztendlich wieder auf die A3 zu gelangen. Kerstin Ciesla vom BUND NRW dazu: „Allein die risikoreiche Transportroute

durch dicht-besiedeltes Gebiet zeigt den Irrsinn der dieser angeblichen Lösungs-Option.“