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Karfreitag: Ostermärsche in Gronau und Jülich

„Urananreicherung und Zentrifugenforschung beenden“

Urananreicherung öffnet Weg zu Atomwaffen

Bundesregierung muss friedenspolitisch vorangehen

Gronau/Jülich, 30.03.2021. Am Karfreitag, 2. April, finden in Gronau und Jülich auch in diesem Jahr Ostermärsche zur Urananreicherungsanlage Gronau des Urananreicherers Urenco sowie zur dazugehörigen Uranzentrifugenfirma ETC am Forschungszentrum in Jülich statt. Anti-Atomkraft- und Friedensinitiativen fordern gemeinsam mit dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und der Ärzteorganisation IPPNW von der Bundesregierung die Beendigung der Urananreicherung und der Zentrifugenforschung. Diesen Forderungen soll „mit Abstand und Maske“ Nachdruck verliehen werden.

Schon vor genau 40 Jahren fand in Gronau die erste Ostermarschaktion gegen die damals geplante Urananreicherungsanlage statt. Wie auch schon in früheren Jahren findet der Gronauer Ostermarsch als Auftakt des diesjährigen Ostermarsches Rhein–Ruhr statt.

„Die Urananreicherung auf Basis der Zentrifugentechnologie öffnet den Weg zur Herstellung von Atomwaffen. Die Bundesregierung muss zusammen mit der NRW-Landesregierung friedenspolitisch vorangehen und die beiden Atomanlagen in Gronau und Jülich stilllegen. Das wäre international ein starkes Zeichen für den Ausstieg aus der atomaren Rüstungsspirale, denn solange Urananreicherungsanlagen weltweit laufen, werden sie auch den Wunsch nach Atomwaffen wecken“, erklärte Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau und Vorstandsmitglied im BBU.

– In Gronau beginnt der Ostermarsch in diesem Jahr um 13 Uhr als Fahrraddemo am Bahnhof. Um 14 Uhr startet dann eine Kundgebung vor dem Haupttor der Urananreicherungsanlage Gronau (Röntgenstraße 4).

– Eine weitere Raddemo zur Urananreicherungsanlage ist aus Ochtrup geplant.

In Jülich beginnt der Ostermarsch um 12 Uhr vor dem Haupttor des Forschungszentrums Jülich. Danach geht es zur ETC (Enrichment Technology Company), wo eine Mahnwache stattfindet.

– Aufgrund der Corona-Pandemie gilt für beide Versammlungen eine durchgängige Masken- und Abstandspflicht.

„In Jülich schlägt das technologische Herz der westeuropäischen Urananreicherung. Die ETC beliefert als Joint Venture von Urenco und der französischen Orano die beiden großen Atomkonzerne mit der zivil wie militärisch äußerst brisanten Zentrifugentechnologie. Wer aus der Atomenergie aussteigen will und sich nicht an militärisch nutzbaren Atomprojekten beteiligen möchte, muss auch die ETC in Jülich schließen“,  forderte Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ in Jülich.

„Wir beobachten mit großer Sorge, dass Urenco und ETC mit Zustimmung der Bundesregierung vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien, Kanada und den Niederlanden in immer neue Atomprojekte einsteigen wollen. Dabei geht es um neue, militärisch nutzbare Reaktortypen sowie um höher angereichertes Uran 235. Die Bundesregierung hat hier ihre atom- und friedenspolitische Zurückhaltung längst aufgegeben. Hiermit im Zusammenhang steht, die Bundesregierung einen Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotstrag strikt ablehnt und stattdessen neue atomare Kampfbomber anschaffen will. Dagegen werden wir auch im kommenden Bundestagswahlkampf neue Proteste organisieren“, ergänzte Dr. Angelika Claussen, Europavorsitzende der IPPNW.

Gemeinsame Pressemitteilung:

  • Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
  • Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
  • Aktionsbündnis „Stop Westcastor“, Jülich
  • SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
  • Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“
  • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
  • IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung

Weitere Infos:

www.ostermarsch-gronau.de, www.sofa-ms.de, www.ippnw.de, www.bbu-online.de,www.urantransport.de, www.ostermarsch-ruhr.de

Gronauer Urananreicherung erneut im NRW-Landtag

(Beitragsbild: pixabay.com)

– Sachverständige üben scharfe Kritik

– „Ministerpräsident Laschet muss Versprechen einhalten“

– Schulze-Vorstoß eröffnet neue Stilllegungs-Option

Am morgigen Mittwoch, 17. März 2021, beschäftigt sich der Wirtschaftsausschuss im NRW-Landtag auf Antrag der Grünen erneut mit der Urananreicherungsanlage Gronau. Dazu liegen dem Ausschuss Stellungnahmen von Sachverständigen vor. Diese üben zum Teil scharfe Kritik an der Urananreicherung in Gronau, unter anderem an den rechtswidrigen Exporten nach Russland sowie am geplanten Neubau von Atomreaktoren durch die Betreiberfirma Urenco.

Anti-Atomkraft-Initiativen, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und die Ärzteorganisation IPPNW fordern nun von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), dass er sein Wahlversprechen einhält und die Uranexporte an gefährliche Alt-Reaktoren in den Nachbarländern unterbindet. Als neuer CDU-Bundesvorsitzender kann er die CDU-Minister in der Bundesregierung anhalten, noch vor der Bundestagswahl die nötigen Schritte mit dem Bundesumweltministerium einzuleiten.

In diesem Zusammenhang fordern die Initiativen und Verbände, dass die NRW-Landesregierung konstruktiv auf den aktuellen Stilllegungsvorschlag von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) für die Urananreicherungsanlage Gronau eingeht. Bei einer Debatte vor drei Wochen im NRW-Umweltausschuss hatte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) noch auf die Zuständigkeit der Bundesebene verwiesen. Nun stehen in Berlin aber die Türen offen und die NRW-Landesregierung kann und muss endlich aktiv werden, um den Atomausstieg in NRW und Deutschland zu vollenden.

„Urenco beliefert aus Gronau Uran an Atomanlagen weltweit. Damit unterläuft die Firma den Atomausstieg in Deutschland. Mit den Russland-Exporten verstößt sie auch gegen EU-Sanktionen, in den USA droht eine Militarisierung der Urananreicherung, in den Niederlanden und Großbritannien sollen neue Reaktoren gebaut werden – der NRW-Landtag kann vor dieser massiven Atomoffensive nicht die Augen verschließen und muss in Zusammenspiel mit der Bundesregierung die Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau einleiten“, so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau und Vorstandsmitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Für Karfreitag, 2. April, rufen die Initiativen und Verbände in Gronau und am Standort der Urenco-Zentrifugentochter ETC in Jülich zu Ostermärschen auf, um für die Stilllegung der beiden Atomanlagen sowie für ein Ende des nuklearen Wettrüstens zu demonstrieren.

Links zu den Stellungnahmen für die Landtags-Anhörung:

Ausschuss-Sitzung: https://www.landtag.nrw.de/home/parlament-wahlen/tagesordnungen/WP17/1700/E17-1740.html

Prof. Wegener: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-3648.pdf

SOFA Münster: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-3624.pdf

Urenco: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-3625.pdf

Antrag der Grünen: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-11616.pdf

NRW-Landtag: Anhörung zu Gronauer Urananreicherung

(Beitragsbild: pixabay.com)

– Sachverständige kritisieren Uranexporte nach Russland

– 10 Jahre nach Fukushima wieder Exporte nach Japan

– Kritik auch an Neubauplänen für Atomreaktoren

„Gronauer Urananreicherungsanlage stilllegen“

Am heutigen Mittwoch, 24. Februar 2021, beginnt im Umweltausschuss des NRW-Landtags die Beratung einer schriftlichen Anhörung zur Zukunft der Urananreicherungsanlage Gronau. Dazu haben mehrere Sachverständige ihre Stellungnahmen eingereicht. Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen, der BBU und die IPPNW fordern den NRW-Landtag auf, für eine Stilllegung der Uranfabrik in Gronau zu stimmen und so zum 10. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima ein klares Zeichen für die Vollendung des Atomausstiegs in Deutschland zu setzen.

Russlandexporte verstoßen gegen EU-Sanktionen

In den Stellungnahmen kritisiert der Erlanger Rechtsprofessor Dr. Bernhard Wegener erneut den Export von abgereichertem Uran von Gronau nach Russland als Verletzung der EU-Sanktionen gegen Russland für Güter, die auch militärisch verwendet werden können. Wegener hatte dazu bereits im Oktober 2020 ein Gutachten vorgelegt.

Die Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster wurde ebenfalls vom Landtag zu einer Stellungnahme eingeladen. SOFA Münster verweist darauf, dass der Urananreicherer Urenco Mitte 2020 erstmals von der Bundesregierung auch Exportgenehmigungen für angereichertes Uran von Gronau nach Russland erhalten hat. Auch angereichertes Uran fällt unter die EU-Sanktionen.

„Erst am Montag kündigten die EU und Bundesaußenminister Heiko Maas an, dass die Sanktionen gegenüber Russland aufgrund der Inhaftierung von Alexej Nawalny und der immer schlechteren Menschenrechtslage noch einmal verschärft werden sollen. Aber welchen Sinn machen neue Sanktionen, wenn schon die existierenden von der Bundesregierung nicht eingehalten werden? Hier erwarten wir endlich Konsequenz“, so Matthias Eickhoff von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.

Urenco exportiert Uran an japanische Brennelementefabrik

Zugleich recherchierten die Anti-Atomkraft-Initiativen, dass Urenco in Gronau mit Datum vom 17. Dezember 2020 eine neue Exportgenehmigung für angereichertes Uran erhalten hat. Das Uran soll in der japanischen Brennelementefabrik Tokaimura in der Präfektur Ibaraki verarbeitet werden, nur 120 Kilometer südlich von Fukushima. Tokaimura war 2011 auch von dem verheerenden Tsunami betroffen, das dortige AKW liegt seither still. Doch die dortige Brennelementefabrik arbeitet offensichtlich weiter, obwohl es erst vor wenigen Tagen zu einem neuen schweren Erdbeben an der Küste gekommen ist. 1999 gab es in Tokaimura einen folgenschweren Atomunfall in einer Uranverarbeitungsfabrik,der auf der hohen INES-Störfall-Stufe 4 der internationalen Atomenergiebehörde IAEO eingestuft wurde. Der Unfall führte zu mehreren Toten und galt bis Fukushima als schwerster Atomunfall in Japan.

„Zum zehnten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist dieser Export das völlig falsche Signal, das Urenco sendet. Bis 2011 belieferte der umstrittene Konzern auch den Fukushima-Betreiber Tepco, nun soll Gronauer Uran ausgerechnet im Erdbebengebiet an der japanischen Ostküste verarbeitet werden – das ist schlicht unverantwortlich“, erklärte Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau und Vorstand im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz. „Die Landesregierung in Düsseldorf muss ihrer Aufgabe als NRW-Atomaufsicht gerecht werden. Sie muss Uranexporte unterbinden und die Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage im Sinne des beschlossenen Atomausstiegs der Bundesregierung anordnen.“

Neue Reaktoren und militärische Nutzung des Urenco-Urans?

Zwei besonders gravierende Aspekte der aktuellen Urenco-Tätigkeiten betreffen zum einen Neubaupläne für sogenannte Mini-Reaktoren sowie die massive Erhöhung des Anreicherungsgrads für Uran 235. Mit diesen Projekten zielt der Urenco-Konzern sowohl auf Fördergelder und AKW-Projekte in den Niederlanden, Großbritannien und Kanada, aber auch auf Aufträge aus dem militärischen Sektor in den USA. Nach US-Medienberichten hat das Pentagon bereits 2018 mögliche Szenarien für eine Kooperation durchgespielt.

„Die Urananreicherung ist immer auch der Schlüssel zum Bau von Atomwaffen. Selbst Urenco gibt dies zu. Deshalb fordern wir vom NRW-Landtag, aber auch von der Bundesregierung, endlich eine klare friedenspolitische Richtungsentscheidung: Deutschland sollte als erstes Land freiwillig auf die Urananreicherung und die am NRW-Standort Jülich erforschte Zentrifugentechnologie verzichten, um so international ein Beispiel für Abrüstung und den Verzicht auf Atomwaffen zu setzen“, forderte Dr. Angelika Claussen, Europa-Vorsitzende der Ärzteorganisation und Friedensnobelpreisträgerin IPPNW.

(Quelle: PM)

Links zu den Stellungnahmen für die Landtags-Anhörung:

Prof. Wegener: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-3648.pdf

SOFA Münster: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-3624.pdf

Urenco: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-3625.pdf

Antrag der Grünen: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-11616.pdf

Exportgenehmigungen für Urenco auf der Website des BMU:

https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Nukleare_Sicherheit/ausfuhrgenehmigungen_brennelemente_bf.pdf

10 Jahre Bündnis „Stop Westcastor“

(Bild: pixabay.com)

152 Jülicher Castoren stehen immer noch „an Ort und Stelle“ – Ein Erfolg für Westcastor?

Vor zehn Jahren – am 15. Januar 2011— hat sich das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ in der damaligen Jülicher Stadthalle gegründet. Rund 50 Teilnehmer aus der Anti-Atomkraft-Bewegung waren bei der Gründungsveranstaltung dabei. Sie stammten aus den Reihen der Linken und der Grünen sowie von Bürgerinitiativen aus dem Städtedreieck Aachen-Köln-Düsseldorf. Unter dem Slogan „Kreuz und quer geht nicht mehr“ wollten die AKW-Gegner Castor-Transporte verhindern – so auch die geplanten Transporte von 152 Castorbehältern mit hochradioaktivem Abfall von Jülich ins münsterländische Ahaus. In ihrem ersten Aufruf zur Protestkundgebung Ende Januar 2011 hieß es: „Es ist nicht vertretbar, den Menschen im Münsterland den Jülicher Atommüll und die damit verbundenen Risiken vor die Füße zu schütten – zumal der hoch verstrahlte Reaktorbehälter ohnehin in Jülich bleiben soll.

Jülicher Atommüll in die USA?

Nach mehreren Protesten wurde 2014 mit Hochdruck an der USA-Variante gearbeitet: Transport in eine 800 Quadratkilometer große Nuklear-Einrichtung „Savannah River Site“ (SRS) im US-Bundesstaat South Carolina. Dort wurde während des „Kalten Krieges“ waffenfähiges Material in fünf Reaktoren hergestellt. Marita Boslar (Aktionsbündnis „Stop Westcastor“): „2013 lief die Betriebsgenehmigung für das Jülicher Zwischenlager aus und im darauffolgenden Jahr hat die NRW-Atomaufsicht sogar angeordnet, das AVR-Castorenlager ‚unverzüglich‘ zu räumen. Es musste also schnell gehen.Aber warum die USA-Option ausgerechnet die schnellste Variante sein sollte, das entzieht sich meinen Kenntnissen. Ein Transport in die USA – über tausende Kilometer – sollte schneller gehen als die Fahrt in das Ahauser Zwischenlager, das etwa 180 Kilometer entfernt ist?“

US-Umweltaktivist im Jülicher Castorenlager

Durch die weltweite gute Vernetzung der Umweltinitiativen kam der erste Kontakt mit dem Direktor der US-amerikanischen atomkritischen Nichtregierungsorganisation „Savannah River Site Watch“ aus South Carolina zustande. Das Transportziel USA rief Tom Clements auf den Plan nach Deutschland zu kommen. Clements, ein entschiedener Gegner des Transports der Jülicher Atomkugeln, war rund 15 Jahre aktiv gegen Atomkraft bei Greenpeace International. Mit deutscher Hilfe organisierten Anti-Atom-Initiativen – unter anderem das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ – die Deutschlandreise. Stationen waren: Das Ahauser Zwischenlager, die bundesweit tätige Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ in Hamburg, das Bonner NRW-Wirtschaftsministerium und der Bundestag in Berlin. Am Ende seiner Reise sah er sich das Jülicher Castorenlager gemeinsam mit der Aktivistin Marita Boslar und dem Diplom Physiker Mank (Forschungszentrum Jülich) an.

Die SRS ist für Clements eine „Blackbox“ – eine Sackgasse. Dort lagert hoch radioaktives Material aus der Atomwaffenproduktion in altersschwachen Fässern. Der Jülicher Atommüll soll dort aufgearbeitet werden. Tom Clements im Interview (2014): „Wir haben Angst, dass unsere Region zu einem Atommüllplatz wird“. „Die Jülicher Castoren stehen immer noch an Ort und Stelle – das kann unser Bündnis als Erfolg sehen. Gäbe es unseren Protest nicht, wären diese  inzwischen in Ahaus oder sogar in den USA“, bekräftigt Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“. „Unser Bündnis plädierte von Anfang an für den Neubau eines möglichst erdbebensicheren Zwischenlagers in Jülich. Inzwischen sind zehn Jahre verstrichen und ein neues Atommülllager könnte bereits  in Jülich stehen — wenn es gewollt wäre.“        

Gratulation von Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“

Liebe Freundinnen und Freunde vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“,

in diesen Tagen besteht Euer Aktionsbündnis 10 Jahre. Zu diesem Anlass gratulieren wir Euch herzlich. Gleichzeitig bedanken wir uns für die zehnjährige  gute Zusammenarbeit mit Euch. Uns eint die Überzeugung, dass die Verschiebung der abgebrannten Brennelemente aus dem Jülicher Versuchsreaktor AVR, die nichts anderes als Atommüll sind, nach Ahaus oder in die USA nicht akzeptabel ist. Vielmehr sind die Betreiber des  Forschungszentrums in Jülich, die diesen Müll produziert haben, verantwortlich für seine möglichst risikolose Lagerung am Ort selbst und vor allem für die Entwicklung einer Methode zu seiner dauerhaften Entsorgung.

Wir wissen die Zusammenarbeit mit Euch in besonderem Maße zu schätzen, weil Ihr damit zeigt, dass Ihr nicht nach dem St. Florians-Prinzip den in Jülich produzierten Müll einfach nur von dort weghaben wollt, sondern Euch für einen verantwortungsvollen Umgang damit einsetzt. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Euch und sind zuversichtlich, dass es uns auch in Zukunft gelingen wird, unsinnige Transporte aus Jülich zu verhindern, wohin auch immer sie gehen sollen.

Gratulation von Tom Clements (Umweltaktivist aus South Carolina / USA)

Savannah River Site Watch is very appreciative of the on-going and important partnership with Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ in opposing transport of AVR spent fuel from Juelich, to either Ahaus or the US Department of Energy’s Savannah River Site in South Carolina. The cooperation, which began 8 years ago, has been important to our work and will continue to be so. We are impressed with the political work you undertake and the tenacity that you show in pushing for better policies in Germany concerning nuclear waste managment. In 2021, I hope that we can together kill plans to export the AVR waste and push JEN to create a new or upgraded on-site storage facility at FZJ.

Tom Clements

Director, Savannah River Site Watch

Columbia, South Carolina  USA

Übersetzung:

Savannah River Site Watch ist sehr dankbar für die fortlaufende und wichtige Partnerschaft mit dem Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ im Widerstand gegen den Transport von AVR-Brennelementen von Jülich nach Ahaus oder zur Savannah River Site des US-Energieministeriums in South Carolina.

Die Zusammenarbeit, die vor 8 Jahren begann, war wichtig für unsere Arbeit und wird es auch weiterhin sein. Wir sind beeindruckt von der politischen Arbeit, die ihr leistet, und von der Hartnäckigkeit, mit der ihr euch für eine bessere Politik in Deutschland in Sachen Atommüllentsorgung einsetzt.

Ich hoffe, dass wir im Jahr 2021 gemeinsam die Pläne für den Export des AVR-Mülls zunichte machen und JEN dazu drängen können, ein neues oder erweitertes Standortlager am FZJ zu schaffen.

RWE und EON vor Wiedereinstieg in AKW-Bau

(Beitragsbild: pixabay.com)

– Beteiligung via Urenco an AKW-Plänen in England

– Pläne für Modulreaktoren in den Niederlanden

Bundesregierung stimmt Urenco-Plänen trotz Atomausstieg zu

RWE und EON planen über ihre Beteiligung am Urananreicherer Urenco einen Wiedereinstieg in den Neubau von Atomkraftwerken. Konkret geht es nach einer Meldung von Urenco vom 28. Oktober um den Einstieg Urencos in ein Konsortium unter der Führung von EDF Energy zum Bau des geplanten Atomkraftwerks Sizewell C an der englischen Nordsee-Küste. In den Niederlanden plant Urenco nach einem Bericht der niederländischen Zeitung Tubantia vom 4. November den Bau eines sogenannten Modulreaktors mit bis zu 300 Megawatt Leistung. Ende September hatte die niederländische Regierung allgemein angekündigt, neue AKW bauen zu wollen. Darauf reagieren jetzt Urenco, RWE und EON. Einer von drei benannten AKW-Standorten ist Eemshaven an der Nordsee, unmittelbar gegenüber von Borkum. Der dortige Bürgermeister kündigte bereits rechtliche Schritte an.

Für alle AKW-Baupläne von Urenco besitzt die Bundesregierung aufgrund internationaler Verträge die Aufsichtspflicht und damit verbunden ein Veto-Recht. RWE und EON besitzen ein Drittel der Anteile am Urananreicherer Urenco, die zwei anderen Drittel gehören dem britischen und dem niederländischen Staat.

Anti-Atomkraft-Initiativen sind von den AKW-Plänen entsetzt und fordern von Urenco, RWE und EON den sofortigen Abbruch dieser Planungen sowie ein Veto der Bundesregierung. Die Anti-Atomkraft-Initiativen kündigen zudem entschlossene Proteste an.

„Noch vor wenigen Tagen sprach das Bundesumweltministerium während des Castor-Transports stolz vom Atomausstieg in Deutschland. Doch nun steigen die beiden Großkonzerne RWE und EON wieder mit Vollgas in die Atomenergie ein und beteiligen sich über ihr Tochter-Unternehmen Urenco an zwei AKW-Neubauprojekten in Großbritannien und in den Niederlanden – und das zum Teil unmittelbar an der Grenze zu Deutschland. Wir sind fassungslos, dass die Auseinandersetzung um die Atomenergie zehn Jahre nach Fukushima von vorne beginnt“, so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

„RWE und EON haben aus Reaktorkatastrophen nichts gelernt“

„Vor Fukushima wollten RWE und EON noch gemeinsam vier Atomkraftwerke in Großbritannien bauen. Diese Pläne wurden nach Fukushima auf Eis gelegt. Doch die Untoten der Atomindustrie stehen nun wieder auf – RWE und EON haben aus der Geschichte und den Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima nichts gelernt. Als Konsequenz sollten die verbliebenen Atomreaktoren in Deutschland sowie die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen umgehend stillgelegt werden, damit der Atomausstieg in Deutschland nicht weiter torpediert wird“, erklärte Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

„Gerade die britische Regierung betreibt ihre Atompläne unter dem Deckmantel der „klimaneutralen Atomkraft“ letztlich auch für das eigene Atomwaffenprogramm. RWE und EON sitzen hier als Urenco-Anteilseigner mit im Boot. Die Bundesregierung muss ihre Aufsichtspflicht und ihr Veto-Recht über Urenco wahrnehmen. Es darf weder direkt noch indirekt eine Unterstützung des britischen Atomwaffenprogramms geben“, fordert Dr. med. Angelika Claußen, Europavorsitzende der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung).

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