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Initiativen und Verbände kritisieren schwarz-grüne Sondierungsgespräche

Atomanlagen vergessen: Anti-Atomkraft-Initiativen und Verbände kritisieren schwarz- grüne Sondierungsgespräche und mahnen „echten“ Atomausstieg auch in NRW an

Wirtschaftsministerium relevant für den Atomausstieg

Anti-Atomkraft-Initiativen aus NRW sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), die IPPNW und die BUND Regionalgruppe Münsterland (Bund für Umwelt und Naturschutz) kritisieren die Ergebnisse der bisherigen Gespräche zwischen CDU und Bündnis 90/Die Grünen nach der NRW-Landtagswahl. Scharfe Kritik wird besonders an dem Sondierungspapier geübt, indem CDU und Grüne überhaupt nichts zu den zahlreichen Atomanlagen in NRW sowie zu den häufigen Atomtransporten zwischen Rhein und Weser fixiert haben.

„Nach fünf Tagen Sondierungsgesprächen gibt es für einen möglichen echten Atomausstieg in NRW in dem Sondierungspapier nur eine Leerstelle. Das ist ein Skandal, gerade für die Glaubwürdigkeit der Grünen“, betont Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. „Wir hoffen, dass die Atomanlagen jetzt bei den Koalitionsverhandlungen Gegenstand intensiver Beratungen werden.“

Die Bürgerinitiativen und Verbände fordern CDU und Bündnis 90/Die Grünen auf, den NRW-Atomausstieg im Koalitionsvertrag zu fixieren und konkrete Handlungsschritte für alle Atomstandorte festzuschreiben. Auch Transit-Atomtransporte durch NRW,zum Beispielvon Hamburg nach Frankreich, sollen unterbunden werden. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, werden die Initiativen und Verbände ihren Protest gegen die Atomanlagen in NRW (und anderswo) konsequent fortsetzen. Und so wird zum Beispiel wie immer am ersten Sonntag im Monat jetzt auch am Pfingstsonntag (5.6.2022) ein Sonntagsspaziergang der Anti-Atomkraft-Initiativen an der Gronauer Uranfabrik stattfinden: 14 Uhr, Röntgenstraße 4.

Sondierungspapier: Alle NRW-Atomstandorte nicht erwähnt

In NRW befinden sich zahlreiche alte und neue Atomanlagen – alle Standorte blieben im Sondierungspapier unerwähnt: Die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage in Gronau, das Atommüll-Zwischenlager in Ahaus, das Zwischenlager mit 152 Atommüll-Castoren auf dem Gelände des Jülicher Forschungszentrums (FZJ) und in unmittelbarer Nähe des FZJ: Die Urenco-Tochter ETC, die Uranzentrifugen entwickelt und teilweise produziert. Weiterhin das geplante bundesweite Atommülllogistikzentrum auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen im Kreis Höxter. Die Initiativen und Verbände befürchten, dass diese und weitere NRW-Atomstandorte in NRW (AKW-Ruine in Hamm, Atomschrottverarbeitung in Krefeld) bei den Koalitionsverhandlungen völlig unter den Tisch fallen.

Folgend einige Detailinformationen zu den Atomstandorten Gronau, Ahaus, Jülich und Würgassen

Mit Uran aus Gronau werden Atomkraftwerke in aller Welt betrieben

Die Urananreicherungsanlage der Firma Urenco in Gronau hat bisher eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Der dort stets anfallende und unter freiem Himmel lagernde Uranmüll verdeutlicht, dass die atomare Problematik und der Umgang mit dem Atommüll immer schwieriger wird, wenn jetzt nicht gehandelt wird. Die Initiativen und Verbände erinnern daran, dass 2005 unter rot-grünen Regierungen in Düsseldorf und Berlin eine Kapazitätserhöhung bei der Gronauer Urananreicherungsanlage sowie eine Halle für 60.000 Tonnen Uranmüll genehmigt wurden. „Diesen historischen Fehler muss die neue Landesregierung endlich korrigieren und die Urananreicherungsanlage unverzüglich schließen“, so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Belieferung von AKW in der Ukraine

Urenco beliefert auch die Ukraine mit angereichertem Uran, das in der Lieferkette von der Firma Westinghouse im schwedischen Västeras zu Brennelementen verarbeitet wird, um von dort an die ukrainischen Atomkraftwerke geliefert zu werden. Diese Zusammenarbeit zwischen Urenco und der Ukraine wurde 2021 noch ausgeweitet. Mit dem russischen Angriffskrieg und den Bombardierungen sind nukleare Katastrophen möglich, das hat der Bombeneinschlag im AKW Saporischchja gezeigt. „Atomkraftwerke werden damit zu einem inakzeptablen und nicht kalkulierbaren Risiko“, so Dr. Angelika Claußen von den Internationalen Ärzt:innen zu Verhütung des Atomkriegs (IPPNW). „Die neue Landesregierung muss daher schnellstmöglich und zusammen mit der Bundesregierung für eine Entflechtung von Urencos Lieferketten in Kriegsgebiete sorgen. Damit steht die Beendigung der Urananreicherung in Gronau erneut auf der Tagesordnung.“

Uranfabrik der Urenco rechtssicher schließen

Gutachten belegen, dass eine rechtssichere Stilllegung der Urananreicherung möglich ist. Und sie ist nicht nur möglich, sondern dringend geboten, um drohenden Schaden abzuwenden und eben den Atomausstieg in NRW komplett zu machen. Gerade die Grünen dürfen nicht zulassen, dass die ganze Welt aus NRW mit Uranbrennstoff beliefert wird. Um einen echten Atomausstieg zu erreichen, sollten die Grünen die Übernahme des NRW-Wirtschaftsministeriums anstreben, betonen die Initiativen und Verbände. Das Wirtschaftsministerium stellt in NRW die Atomaufsicht und hat in der Vergangenheit die Genehmigungen zum (Aus-)Bau und Betrieb der Gronauer Uranfabrik erteilt.

Keine weiteren Atommülltransporte nach Ahaus / Zwischenlagerneubau in Jülich

Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ und das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich haben die Entwicklungen in Ahaus und Jülich fest im Blick. Die geplanten Atommülltransporte von hoch angereichertem Atommüll von München/Garching nach Ahaus müssen verboten werden. Die Reaktorbetreiber des Forschungsreaktor München II (FRM II) betreiben mit Unterstützung der bayerischen Staatsregierung den Reaktor seit Jahren illegal, da wichtige Auflagen der Betriebsgenehmigung nicht eingehalten wurden und werden.

Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“:„In der Vergangenheit hat das Forschungszentrum Jülich keine Verantwortung für ihren Atommüll übernommen. Der jetzige Betreiber – die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen – wartet auf eine Exportgenehmigung in die USA oder eine Transportgenehmigung nach Ahaus und verzögert so mit dem Jülicher Forschungszentrum seit mehr als zehn Jahren den Neubau eines möglichst sicheren Zwischenlagers.“

Das FZJ hat als treibende Kraft der Kugelreaktoren eine Verantwortung zur endlagergerechten Konditionierung aller Kugelbrennelemente. Darum muss sich die Landesregierung endlich kümmern.

Weiter darf die Verlängerung der Laufzeiten um 50 bis 70 Jahren für das Zwischenlager in Ahaus und die Verlängerung der Castor-Genehmigungen nicht unkontrolliert ablaufen. Da muss das NRW-Wirtschaftsministerium aufmerksam prüfen und kompetent mitwirken. Auch hierzu sollten Details im Koalitionsvertrag festgehalten werden.

Das zentrale Atommüll-Bereitstellungslager in Würgassen (NRW) für das Endlager Schacht Konrad (Niedersachsen) stoppen

Dass sich über die Kritik zum in Würgassen geplanten ersten Bereitstellungslager für ein Endlager, welches 90 Prozent aller deutschen Atomabfälle durchlaufen soll, nicht eine Zeile im Sondierungspapier findet, ist für die Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“  ernüchternd. Würde die gigantische Anlage im hochwassergefährdeten Gebiet an der Weser errichtet, würde der abgelegene Ort fern von überregionalen Verkehrsanbindungen NRW zum zentralen Umschlagplatz für nahezu sämtlichen Atommüll Deutschlands machen. Die Standortauswahl erfolgte dabei ohne öffentliche Beteiligung und entgegen vieler sicherheitsrelevanter Kriterien. Kein Wunder, dass sich mit Klaus Töpfer (CDU) und Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) gleich zwei ehemalige Bundesumweltminister aus völlig unterschiedlichen politischen Lagern öffentlich gegen das Vorhaben in NRW aussprechen. Das muss sich jetzt auch im neuen NRW-Koalitionsvertrag widerspiegeln. Zudem sind erst vor wenigen Tagen die Staatssekretäre des Bundesumweltministeriums Stefan Tidow und Christian Kühn vor Ort gewesen, um sich aus erster Hand über die aufgezeigten Mängel zu informieren. Umso verwunderlicher ist, dass die betroffene Landesregierung in Düsseldorf das Vorhaben bis dato unkommentiert hingenommen hat.

  • Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich
  • Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
  • AntiAtomBonn
  • Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
  • Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Regionalgruppe Münsterland
  • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
  • Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“
  • Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“
  • Internationale Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW, Deutsche Sektion)

Protestaktion „UNIque PERformance of Destruction“ vor der Uniper-Zentrale Düsseldorf

(Beitragsgrafik: pixabay.com)

Zur morgigen Jahreshauptversammlung des Uniper-Konzerns am 18. Mai 2022 fordern Umweltgruppen und Menschenrechtsaktivist*innen von Uniper ein Ende des zerstörerischen Geschäftsmodells. Die Protestaktion beginnt um 9 Uhr.

Trotz der fortschreitenden Klimakatastrophe, dem völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine und Menschenrechtsverletzungen beim Kohleabbau in Kolumbien und anderen Ländern hält Uniper an seiner fossilen Strategie fest. 
Die Umweltgruppen fordern einen sofortigen Stopp des Imports von Gas und Kohle aus Russland. Außerdem wird Uniper aufgefordert, russische Kohle nicht einfach durch noch mehr Importe aus Ländern wie Kolumbien oder Südafrika zu ersetzen, da der Kohlebergbau auch dort zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung führt. Zugleich verlangen sie das Aus für das klimapolitisch und juristisch seit Jahren heftig umstrittene Kohlekraftwerk Datteln 4. Sie wenden sich gegen den Neubau von LNG-Terminals, da gefracktes Gas unter anderem eine ähnliche katastrophale Klimabilanz wie Braunkohle hat.

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, rufen sie am Mittwoch, dem 18. Mai 2022 von 9 bis 11 Uhr zu einem kreativen Protest vor der Uniper-Zentrale, Holzstraße 6, 40221 Düsseldorf, auf. 
Mit weißen Anzügen, Bildern, Bannern und Plakaten werden die Auswirkungen des zerstörerischen Geschäftsmodells deutlich gemacht.

Statements von Betroffenen und den unterstützenden Gruppen:

Juan Pablo Gutiérrez/Aktivist aus Kolumbien: 
„Uniper möchte russische Kohle durch Kohle aus Kolumbien ersetzen. Schon seit jeher beruht das Geschäftsmodell des Konzerns in Kolumbien auf der fortgesetzten Kolonialisierung indigener Völker durch die rücksichtslose Förderung des Kohleabbaus, der eine Spur von Blut und Zerstörung hinterlässt. Uniper ist verantwortlich für die Zerstörung von Flüssen, Wüsten und indigenen Völkern, mit anderen Worten für das Leben selbst.“

Europe Beyond Coal: „Unipers fossiles Geschäftsmodell sabotiert die im Licht des russischen Angriffskriegs angestoßene Beschleunigung der Energiewende in Deutschland und Europa. Die einzige Möglichkeit die Klimakrise aufzuhalten, die Energiepreiskrise zu bewältigen und den russischen Angriffskrieg zu stoppen, besteht darin, Investitionen in fossile Infrastruktur einzustellen und massiv in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren.Unipers Klage gegen den niederländischen Kohleausstieg 2030 unter dem Energiecharta-Vertrag zeigt, dass das Unternehmen weiterhin auf sein fossiles Geschäftsmodell setzt anstatt sich glaubhaft zukunftsfähig aufzustellen. Wir fordern die Geschäftsführung von Uniper auf,  die Klage zurückzuziehen und die europäische Energiewende voranzubringen.“

Andy Gheorghiu, Mitbegründer des Klimabündnisses gegen LNG:
„Importe von Flüssigerdgas (LNG) sind keine Lösung angesichts der aktuellen Energie- und Klimakrise. Mögliche Lieferquellen wären a) gefracktes US-Gas, das signifikant zur globalen Erwärmung beiträgt und in den Fördergebieten mit immensen Umweltauswirkungen und Gesundheitsschäden (insbesondere für Frauen und Kinder) einhergeht; b) Katar, das mit einer mehr als dürftigen Menschenrechtsbilanz aufwarten kann und ohnehin gerne LNG-Knebelverträge von mindestens 20 Jahren bevorzugt oder c) – so unglaublich das klingt – Russland, welches zu den Top 3 LNG Exporteuren in die EU gehört. Uniper hat vor kurzem zusätzliche LNG-Kapazitäten am im Ausbau befindlichen Gate Rotterdam LNG Terminal, das verstärkt russisches Gas importiert, gebucht. Hier in Deutschland wird auch durch Uniper suggeriert, dass uns LNG-Terminals unabhängig von Putins Regime machen werden. Diese Irreführung der Öffentlichkeit muss aufhören!“

Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre: 
„Der schnelle Wertverlust der Uniper-Aktie und die massiv gekürzte Dividende zeigen, wie riskant und kurzsichtig das Festhalten an fossilen Energien, vor allem an russischem Erdgas, ist. Nach massiven Verlusten aus dem Russlandgeschäft und dem Desaster um Nord Stream 2 bleibt Uniper bei einem ‚Weiter so‘ – nur mit anderen, nicht weniger riskanten und klimaschädlichen Geschäften mit Kohle und Gas. Statt radikalem Kurswechsel hin zu erneuerbaren Energien bleibt Uniper die fossile Bad Bank ohne zukunftssicheres, geschweige denn klimagerechtes Geschäftsmodell. Uniper riskiert damit nicht nur die eigenen Klimaziele, sondern torpediert die dringend nötige Energiewende.“

Netzwerk „Datteln 4 stoppen wir:
„Das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 soll nun statt mit dreckiger Kriegskohle aus Russland unter anderem mit Blutkohle aus Kolumbien befeuert werden. Damit sind Naturzerstörung und Menschenrechtsverletzungen verbunden. Dies ist umso unerträglicher, da Datteln 4 vom OVG Münster im August letzten Jahres zum Schwarzbau erklärt wurde. Es hätte nicht an diesem Standort gebaut werden dürfen. Weitere Schäden am Klima, an der umgebenden Natur und für die Anwohner*innen sind nicht mehr hinnehmbar. Uniper muss nun endlich dieses Urteil akzeptieren, Datteln 4 sofort abschalten und massiv in Erneuerbare investieren statt Aktionär:innen Dividenden zu zahlen. Wir erwarten, dass die neue Landesregierung schnell das OVG-Urteil umsetzt und die Bezirksregierung anweist, die Betriebsgenehmigung für Datteln 4 zurückzunehmen.“

Links
Aktueller Gegenantrag: https://www.kritischeaktionaere.de/uniper/trotz-ukrainekrieg-weiterhin-geschaefte-mit-russland-unsere-gegenantraege/

Die beteiligten Umweltgruppen und Menschenrechtsaktivist*innen sind:
Netzwerk „Datteln 4 stoppen wir“, urgewald, Fridays for Future Düsseldorf, attac Düsseldorf, Europe Beyond Coal, SOFA Münster, „Stop Westcastor“ Jülich und der Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre.

(Quelle: Pressemitteilung)

„Energiewende und Frieden statt Urananreicherung und Krieg“

Rund 230 Menschen haben heute in Gronau und Jülich am Auftakt der Ostermärsche in NRW teilgenommen. Zum Ausdruck  brachten sie ihre Solidarität mit den Kriegsopfern in der Ukraine, aber auch dem Jemen und anderswo und forderten ein Ende der Kämpfe sowie atomare Abrüstung statt Aufrüstung. Zudem forderten sie einen vollständigen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie, einschließlich der sofortigen Stilllegung der Urananreicherung in Gronau und der Zentrifugenentwicklung in Jülich.

Mit einer Fahrrad-Demonstration zogen 200 Demonstrierende vom Bahnhof Gronau zur dortigen Urananreicherungsanlage. In Jülich nahmen 25 Menschen an einer Mahnwache vor der Enrichment-Technology-Company (ETC) teil, diese entwickelt Uranzentrifugen für den Urenco-Konzern, der unter anderem in Gronau und Almelo (NL) Urananreicherungsanlagen betreibt.

„Wir verurteilen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, er bringt den Menschen unermessliches Leid und Tod. Wir sind alarmiert: Ukrainische Atomanlagen sind auch Ziel von militärischen Angriffen der russischen Truppen. In mehreren dieser Anlagen befindet sich von Urenco angereichertes Uran in den Brennelementen.“

Marita Boslar, Aktionsbündnis „Stop Westcastor“

Urenco beliefert auch die Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf, welche in den Jemen-Konflikt involviert sind, aber auch die belgischen Rissereaktoren Tihange und Doel.

Vladimir Slivyak von der russischen Umweltorganisation Ecodefense ging in seiner Rede bei der  Abschlusskundgebung in Gronau den Möglichkeiten Putins Krieg zu stoppen auf den Grund und forderte auch ein Embargo für Atomtechnologie und Atombrennstoff, da zahlreichen EU-Ländern weiterhin mit Rosatom kooperieren:

„Russian president Vladimir Putin had enough money to go into a war. This money came from selling fossil and nuclear fuel to the EU. And this trade is still going on right now despite the war. This money that Vladimir Putin gets from fuel trade becomes bullets, guns, and missiles.”  (“Der russische Präsident Putin hat genug Geld um in den Krieg zu ziehen. Das Geld stammt aus dem Verkauf fossiler und nuklearer Brennstoffe an die EU. Und dieser Handel geht auch jetzt während des Krieges weiter. Das Geld aus dem Handel mit Brennstoffen wird zu Kanonen, Munition und Raketen“). Gleichzeitig ist die russische Atombehörde Rosatom in Angriffe auf AKW involviert.

Vladimir Slivyak, Ecodefense (Russland)

Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen betonte, dass Urananreicherung der grundlegende Schlüssel sei, um atomwaffenfähiges Material herzustellen.

„Mit dem Betrieb der Urananreicherungsanlage Gronau und der Zentrifugen-Firma ETC in Jülich sichert sich die Bundesrepublik  den Status einer stillen Atommacht ‒ und mit den neuen F35-Bomber für die in der Eifel lagernden US-Atombomben stellt sich Deutschland weiterhin gegen den UN-Atomwaffenverbotsvertrag! Wir fordern ein Ende der Urananreicherung und Unterzeichnung des UN-Atomwaffenverbotsvertrages anstatt sich von Putin zum atomaren Wettrüsten verleiten zu lassen.“

Jens Dütting, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

Auch wurde kritisiert, dass Urenco neue Reaktoren entwickelt unter anderem für das Pentagon, diese sollen mit circa 20-prozentigem Uran betrieben werden.

„Mit der Entwicklung neuer Atomreaktoren torpediert Urenco die Energiewende, denn es ist bekannt, dass Atomkraftwerke für die Kombination mit Erneuerbaren nicht flexibel genug sind.“

Udo Buchholz, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)

Anti-Atomkraft-Initiativen und Friedensorganisationen werden in den nächsten Tagen weiterhin mit zahlreichen Ostermärschen im ganzen Bundesgebiet für Frieden und Abrüstung demonstrieren.

Karfreitag: Ostermärsche in Gronau und Jülich

„Energiewende und Frieden statt Urananreicherung und Krieg“

Für Karfreitag, 15. April 2022, rufen mehrere Initiativen und Verbände zu einem Ostermarsch von Anti-Atom- und Friedensbewegung zur Urananreicherungsanlage Gronau und vor dem Standort der Uranzentrifugen-Firma ETC in Jülich (neben dem Forschungszentrum) auf.

Start ist im westfälischen Gronau um 13 Uhr mit einer Fahraddemonstration am Bahnhof Gronau, gegen 14 Uhr beginnt dann die zentrale Kundgebung an der Urananreicherungsanlage Gronau (Röntgenstraße 4). Auch aus Enschede und Ochtrup sind Raddemos nach Gronau angekündigt. In Jülich wird es um 14 Uhr eine Mahnwache vor der Enrichment-Technology-Company (ETC) geben, welche Uranzentrifugen für den Urenco-Konzern entwickelt, der unter anderem in Gronau und Almelo (NL) Urananreicherungsanlagen betreibt.

Die beteiligten Organisationen rufen dazu auf, Solidarität mit den Opfern der Kriege, besonders aktuell in der Ukraine, zu zeigen und wollen auf die Rolle der Firma Urenco und ihrem Tochterunternehmen ETC bezüglich der möglichen Atomwaffenverbreitung und Belieferung von Atomkraftwerken in Kriegsgebieten hinweisen. Sie fordern eine umweltfreundliche, unabhängige Energieversorgung, um nicht weiter menschenfeindliche Regime finanziell zu unterstützen.

Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz kündigt an: „Als Redner ist unter anderem Vladimir Slyviak, ein russischer Umweltaktivist und Träger des alternativen Nobelpreises zu Gast. Er ist aufgrund seines Engagements direkt von den russischen Repressalien betroffen. Deswegen unterstützen wir seine Forderung, das Putin-Regime nicht länger durch Rohstoff-Einkäufe zu finanzieren.“

In mehreren ukrainischen Atomanlagen, welche bereits Ziel von militärischen Angriffen der russischen Truppen sind und zum Teil besetzt wurden, befindet sich von der Urenco in Gronau angereichertes Uran in den Brennelementen! Trotz erster Kampfhandlungen im Donbass vor einigen Jahren gingen die Exporte in die Ukraine weiter. Ebenso beliefert Urenco unter anderem auch die Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf, welche in den Jemen-Konflikt involviert sind, aber auch die belgischen Rissereaktoren Tihange und Doel.

Im Aufruf zum Ostermarsch in Gronau kritisieren die Veranstalter*innen, das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, dass die Urananreicherung ein Schlüssel zur Atombombe ist und die Bundesrepublik Deutschland sich mit dem Betrieb der Urananreicherungsanlage Gronau und der Zentrifugen-Firma ETC in Jülich den Status einer stillen Atommacht sichert. Mit der Anschaffung der neuen F35-Bomber für die in der Eifel lagernden US-Atombomben stellt sich die Bundesrepublik  gegen den UN-Atomwaffenverbotsvertrag, anstatt ihm beizutreten! Damit werden Putins Drohungen mit Atomwaffen indirekt erwidert und das Wettrüsten forciert anstatt weiter auf atomare Abrüstung zu setzen.

Marita Boslar aus Jülich fordert konkret: „Das 100-Milliarden-Euro-Sonderpaket für die Bundeswehr und die Erhöhung des Verteidigungsetats auf 70 Milliarden jährlich lehnen wir ab. Das führt nur zu neuem Wettrüsten. Diese Summe muss in den sozial-ökologischen Umbau investiert werden um von Putins Rohstoffen unabhängig zu werden.“

Die Ostermarschaktionen in Gronau und Jülich finden im Schulterschluss mit der bundesweiten Ostermarschbewegung statt. Geichzeitig gehören sie zu den Auftaktveranstaltungen der Ostermärsche in Nordrhein-Westfalen.

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Ostermarsch Gronau: https://ostermarsch-gronau.de/  

Bundesweite Ostermärsche: https://www.friedenskooperative.de

Urenco-Report mit Hintergrundinformationen: https://sofa-ms.de/wp-content/uploads/2022/03/Urenco-Report-Maerz-2022-final.pdf

Mahnwache vor dem ETC in Jülich

„Energiewende und Frieden statt Urananreicherung und Krieg“

Jülich, 07.04.2022. “Energiewende und Frieden statt Urananreicherung und Krieg “ – unter diesem Motto steht die Mahnwache des Bündnisses „Stop Westcastor“ am 15. April 2021 in Jülich.

Treffpunkt ist um 14 Uhr am Haupttor der Enrichment Technology Company (ETC) in Jülich — in unmittelbarer Nähe des Forschungszentrums. Das Aktionsbündnis verurteilt den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, der den Menschen unermessliches Leid und Tod bringt. Das Bündnis ist alarmiert: Ukrainische Atomanlagen sind auch Ziel von militärischen Angriffen der russischen Truppen. In mehreren dieser Anlagen befindet sich von Urenco angereichertes Uran in den Brennelementen. „Die Urananreicherung ist ein Schlüssel zur Herstellung von Atomwaffen“, bekräftigt das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.

Deutschland sichert sich mit dem Betrieb der Urananreicherungsanlage von Urenco im westfälischen Gronau und der Zentrifugen-Firma ETC in Jülich den Status einer „stillen Atommacht“.

Die Jülicher ETC ist eine gemeinsame Tocher von Urenco und Orano. ETC ist für die Erforschung und Entwicklung sowie den Bau der Gaszentrifugen zuständig, welche die Urananreicherung für Urenco erst möglich macht.

„Das 100-Milliarden-Euro-Sonderpaket für die Bundeswehr und die Erhöhung des Verteidigungsetats auf 70 Milliarden jährlich lehnen wir ab. Diese Summe muss in den ökologischen Umbau investiert werden statt in das klimaschädliche Militär.“ (Marita Boslar, Aktionsbündnis „Stop Westcastor“)                                            

Karfreitag, 15. April: Mahnwache in Jülich

Enrichment Technology Company (ETC)

Beginn : 14 Uhr vor ETC

Zeitgleich startet der Ostermarsch an der Urananreicherungsanlage Gronau um 13 Uhr mit einer Fahrrad-Demo am Bahnhof Gronau, um 14 Uhr beginnt dann die zentrale Kundgebung an der Uananreicherungsanlage.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine bringt den Menschen dort unermessliches Leid und Tod. Die Bilder sind schrecklich, ganze Städte werden gerade zerstört, Millionen von Menschen müssen fliehen. Wir verurteilen den völkerrechtswidrigen Einmarsch und fordern den sofortigen Rückzug der russischen Truppen! Putin muss seinen Krieg sofort beenden!

Wir sind sehr alarmiert, weil auch die ukrainischen Atomanlagen Ziel von militärischen Angriffen der russischen Truppen sind und zum Teil schon besetzt wurden. Und in mehreren dieser Atomanlagen befindet sich von der Urenco in Gronau angereichertes Uran in den Brennelementen! Das war schon vor dem Krieg unverantwortlich, aber von der alten GroKo geduldet – jetzt ist es eine nukleare Zeitbombe!

Zudem ist die Urananreicherung schon immer ein Schlüssel zur Herstellung von Atomwaffen gewesen. Deutschland sichert sich mit dem Betrieb der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau und der Zentrifugen-Firma ETC in Jülich den Status einer stillen Atommacht – das führt uns immer weiter weg von einer zukunftsfähigen Friedenspolitik und hilft den Menschen in der Ukraine in keiner Weise.

Deshalb rufen wir für Karfreitag, 15. April, zu einer Mahnwache um 14 Uhr in Jülich am ETC auf.

Zeitgleich startet der Ostermarsch an der Urananreicherungsanlage Gronau Um 13 Uhr mit einer Raddemo am Bahnhof Gronau, um 14 Uhr beginnt dann die zentrale Kundgebung an der Urananreicherungsanlage (Röntgenstraße).

Die zivile und militärische Nutzung der Urananreicherung lassen sich nicht trennen!

Neben dem Jülicher Forschungszentrum ist die Enrichment Technology Company (ETC)ansässig. Sie ist für die Erforschung und Entwicklung sowie den Bau der Gaszenrifugen zuständig, welche die Urananreicherung für Urenco in Gronau erst möglich macht.

ETC beliefert als Joint Venture von Urenco und der französichen Orano die beiden großen Atomkonzerne mit der zivil wie militärisch brisanten Zentrifugentechnologie.

Wir sagen ganz klar: Atomenergie ist weder zivil noch militärisch die Lösung, sondern verstärkt die sicherheitspolitischen Probleme enorm! Gerade die Urananreicherung schafft immer wieder neue Probleme in Krisengebieten und für nukleare Alptraum-Szenarien. Urenco beliefert zum Beispiel auch die Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf, aber auch die Rissereaktoren Tihange und Doel sowie bis 2011 den Fukushima-Betreiber Tepco. In den USA sucht man die Kooperation mit dem Pentagon.

Aufrüstung mit atomwaffenfähigen Tarnkappenbombern, Panzern unter anderem hilft der Ukraine nicht. Fossile Importe aus Russland finanzieren seit Jahren auch Putins Aufrüstung, deshalb fordern wir einen Importstopp. Wir brauchen eine dramatische Energiewende, weg von fossilen und nuklearen Energien – hin zu Erneuerbaren!

Das bedeutet auch die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlagen Gronau und Almelo sowie der Brennelementefabrik Lingen.

Urenco (Gronau) beliefert ein Drittel des Weltmarktes mit angereichertem Uran. Mit der Zentrifugentechnologie lassen sich Atombomben bauen und europäische Militärstrategen gieren nicht nur in Hinterzimmern mit einer europäischen Atomstreitmacht.

Wir fordern:

Verbot der Urananreicherung und Zentrifugenforschung! – Keine Inbetriebnahme des neuen Uranmülllagers in Gronau! – Sofortiger Stopp aller Uran- und Brennelemente-Exporte! – Vernichtung und “Entsorgung” aller Atomwaffen und Uranmunitions-Bestände! – Stopp aller Waffenexporte und Kriegsbeteiligungen! – Sofortige Stilllegung aller Uranminen und Atomanlagen weltweit!

Bild: pixabay.com

Uranlieferungen fördern keinen Atomausstieg und Waffenlieferungen keinen Frieden!

Förderung von gewaltfreien Ansätzen zur Konfliktlösung statt Wettrüsten!

… mehr Infos: https:/ostermarsch-gronau.de/

Weitere Ostermärsche auf

Scharfe Kritik an Pinkwarts AKW-Träumereien

Pressemitteilung
Bürgerinitiativen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) haben gemeinsam die jüngsten Überlegungen des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart hinsichtlich längerer AKW-Laufzeiten scharf kritisiert. Pinkwart hatte am Dienstag (15.3.2022) verkündet, dass er eine Laufzeitverlängerung der drei noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke in Baden-Württemberg (AKW Neckarwestheim 2), Bayern (AKW Isar 2) und Niedersachsen (AKW Lingen 2) bis 2029 für möglich hält.
Die Initiativen und Verbände sprechen sich mit Nachdruck gegen jegliche Überlegungen für AKW-Laufzeitverlängerungen aus. Der Betrieb der Atomkraftwerke ist mit Gefahren für die Bevölkerung, nicht nur im Nahbereich der Anlagen, verbunden und bei einer Laufzeitverlängerung würde noch mehr Atommüll anfallen, der die schon vorhandenen Atommüllprobleme noch weiter verschärfen würde.

„Die Diskussion darüber, ob es eine Laufzeitverlängerung für AKW geben sollte, lässt sich nur theoretisch führen und zeugt von wenig Kenntnis der Materie. Mit Strom aus Atomenergie lässt sich keine Heizungstherme betreiben, gerade für Heizung und Industrie wird aber Gas momentan in Deutschland verbraucht. Hinzu kommt dass alle drei restlichen AKW gerade einmal Brennstoff bis zum Jahresende haben, bei einer Laufzeitverlängerung müssten neue Brennelemente erst in Auftrag gegeben werden. Die Mehrproduktion von Strom, das haben sowohl BMWK als auch Umweltministerium bestätigt wäre minimal, die Sicherheitsrisiken aber hoch, so die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen.“

Und BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz betont: „Anstatt die Produktion noch weiteren Atommülls in anderen Bundesländern zu fordern, wäre Minister Pinkwart gut beraten, sich um den bereits vorhandenen Atommüll in NRW, zum Beispiel in Gronau und Ahaus, zu kümmern. Außerdem sollte er sein Bundesland auf den schnellstmöglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien vorbereiten. Unverzüglich ist für die Abschaffung der 1.000m Mindestabstand-Regelung für den Bau neuer Windräder zu sorgen.“
In NRW wird bisher, entgegen vieler Vorgaben der Entsorgungskommission und des Kriterienkatalogs des Bundesamtes für Strahlenschutz, das „Logistikzentrum Konrad“ auf dem Standort des früheren AKW Würgassen (NRW) geplant, zu dem sich die NRW-Landesregierung bis dato nicht geäußert hat. Das Logistikzentrum sollen 90 Prozent aller deutschen Atomabfälle durchlaufen. Beim AKW Neckarwestheim bestehen erhebliche scherwiegende Sicherheitsdefizite. 300 Risse sind bei den Rohren des Atomkraftwerks Neckarwestheim II entdeckt worden, die örtliche Bürgerinitiative hat zusammen mit der Anti-Atomkraft-Organisation.ausgestrahlt einen Eil-Antrag zur AKW-Stilllegung zur sowie so schon bestehenden Klage eingereicht.
https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/563/schneckentempo-beim-
abschaltbegehren-7949.html

IPPNW, BBU und die Initiativen weisen zusammen fassend darauf hin, dass die Nutzung der Atomenergie keine Lösung der aktuellen Energie- und Klimaprobleme darstellen kann. Die Nutzung der Atomenergie ist nicht nachhaltig, sie ist teuer, sie ist extrem risikobehaftet und der Atommüll bedeutet ein schweres Erbe für die kommenden Generationen.
Rund um den elften Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima (Japan, 11.3.2011) fanden auch in der Bundesrepublik in vielen Orten Gedenkveranstaltungen statt. Dabei wurde auch gegen die weitere Nutzung der Atomenergie demonstriert. Und anlässlich des Tschernobyl-Jahrestages (26. April 1986) werden weitere Protestaktionen stattfinden. Zudem wird für Karfreitag (15. April) in Gronau wieder ein Ostermarsch in Form einer Fahrrad-Demonstration zur Urananreicherungsanlage organisiert. Damit soll erneut gegen die so genannte zivile und gegen die militärische Nutzung der Atomenergie, sowie deren Verknüpfungen, demonstriert werden.

(Quelle: Pressemitteilung)

https://www.zeit.de/news/2022-03/16/atomkraftgegner-warnen-vor-laufzeitverlaengerung-fuer-akw

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Umweltverbaende-warnen-vor-laengeren-AKW-Laufzeiten,aktuelllueneburg7018.html

Atomkraftgegner formen großes Protest-X vor dem Zwischenlager Gorleben

(Beitragsbild: Philipp Steckel)

Pressemitteilung von .ausgestrahlt

Protest gegen Greenwashing von Atomkraft und fossilem Gas

Atommüll-Zwischenlager nur unzureichend geschützt

400 Menschen auf Trauerfeier für Atomkraftgegner Jochen Stay

Mehr als 400 Menschen haben am heutigen Samstag (12.03.2022) in Gorleben gegen den Weiterbetrieb der AKW und die unsichere Lagerung hochradioakiven Atommülls demonstriert. Auf einer Trauerfeier für den Mitte Januar verstorbenen Anti-Atom-Aktivisten und .ausgestrahlt-Sprecher Jochen Stay formten sie ein großes Protest-X vor dem Eingang des Zwischenlagers. Hierzu erklärt Armin Simon von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Vor genau 45 Jahren, am 12.03.1977, versammelten sich Atomkraftgegner*innen zur ersten Großdemonstration gegen das geplante Nukleare Entsorgungszentrum im Gorlebener Wald. Heute ist das Atommüll-Lager im Salzstock Gorleben vom Tisch. Diesen Erfolg haben hunderttausende engagierte Bürger*innen gemeinsam errungen. Die Auseinandersetzung um Atomkraft ist aber noch nicht beendet. In Gorleben und anderswo stehen weit über tausend Castoren in schlecht geschützten Zwischenlagern. Die EU-Kommission will Atomkraft und fossilem Gas ein grünes Mäntelchen umhängen. Und die Behinderer der Energiewende wollen das Atom-Risiko und die Abhängigkeit von Uranimporten immer noch verlängern. Dem stellen wir uns entschieden entgegen!

Jochen Stay hat einen bedeutenden Beitrag sowohl zum Aus für das Atommüll-Lager im Salzstock Gorleben als auch zur Abschaltung der AKW in Deutschland geleistet. Dafür sagen wir: ‚Danke, Jochen!‘

Elf Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe von Fukushima und im Angesicht des Ukraine-Krieges, der noch einmal drastisch vor Augen führt, wie verwundbar und gefährlich Atomanlagen sind, ist es höchste Zeit, alle AKW abzuschalten. Dafür werden wir Atomkraftgegner*innen und auch .ausgestrahlt weiter kämpfen.“

© Rainer Erhard

(Quelle: Pressemitteilung .ausgestrahlt)

Trinationale Resolution gegen Atomdeal

Trinationale Resolution gegen französisch-russisch Atomdeal in Lingen: 126 Organisationen fordern von Bundesregierung Stoppsignal

Brief an Bundesminister Habeck und Lemke: „Kein Einstieg von Rosatom in Brennelementefertigung“


126 Organisationen aus Deutschland, Frankreich, Russland und mehreren weiteren europäischen Ländern fordern von der Bundesregierung in einer Resolution, das geplante Joint Venture zwischen dem französischen Atomkonzern Framatome und einer Tochter des russischen Atomkonzerns Rosatom zur Brennelementeproduktion im emsländischen Lingen zu verhindern. Dazu haben sie einen Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesumweltministerin Steffi Lemke geschrieben. Über den brisanten Atomdeal muss die Bundesregierung womöglich schon in den nächsten Tagen entscheiden.

„Die Resolution ist ein dringender Appell an die Bundesregierung, den französisch-russischen Brennelemente-Deal zu untersagen. Die Pläne von Framatome und Rosatom untergraben den für Ende 2022 in Deutschland anvisierten Atomausstieg und sind ein gefährlicher Türöffner für die russische Atomindustrie. Was wir tatsächlich brauchen, ist ein verbindlicher Stilllegungsfahrplan für die Brennelementefertigung in Lingen und die Urananreicherung im nahegelegenen Gronau.“

Alexander Vent vom Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland

Kritik am geplanten Joint Venture von Framatome und Rosatom sowie an der französischen Atompolitik kommt auch von Charlotte Mijeon vom französischen Netzwerk Réseau Sortir du nucléaire: „Präsident Macron kündigte im Herbst 2021 den Bau von neuen Atomreaktoren an. Er möchte auch in der EU die Atomenergie wieder salonfähig machen. Dazu holt er ausgerechnet die russische Atomindustrie mit ins Boot. Das ist sehr gefährlich und führt in die völlig falsche Richtung. Wir setzen darauf, dass die Bundesregierung ihre ablehnende Haltung zur weiteren Nutzung der Atomenergie auch in Lingen zeigt.“

Der Träger des Alternativen Nobelpreises 2021, Vladimir Slivyak, von der russischen Umweltorganisation Ecodefense, ergänzt: „Wir lehnen die Beteiligung der russischen Atomindustrie an der Brennelementeproduktion in Deutschland strikt ab. Wir brauchen international ein Zeichen für den Ausbau erneuerbarer Energien – weg von Atom, Kohle und Gas. Das Beharren auf der Atomkraft ist ein gefährlicher Irrweg.“

Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin, erklärt zum geplanten Framatome-Rosatom-Deal in Lingen: „Der Atomausstieg ist erst dann vollendet, wenn auch die beiden Uran-Fabriken in Deutschland geschlossen werden. Durch die geplante französisch-russische Atomunion würde aber der Weiterbetrieb der Lingener Atomanlage zementiert werden. Damit würde Deutschland dazu beitragen, dass europäische Schrott-AKWs weiterlaufen können. Wir fordern die Bundesregierung auf, den Deal zu stoppen – alles andere wäre insbesondere für die Grünen ein Glaubwürdigkeitsproblem.“

Die Brennelementefabrik in Lingen beliefert derzeit international umstrittene Risikoreaktoren wie zum Beispiel Tihange und Doel in Belgien, Cattenom in Frankreich, Leibstadt in der Schweiz sowie Olkiluoto 3 in Finnland. Auch der niederländische Reaktor Borssele wird von Lingen beliefert sowie Reaktoren in Großbritannien, Schweden und Spanien.

In diesem Zusammenhang äußert Dr. Angelika Claußen, Europa-Vorsitzende der Friedensnobelpreisträgerin IPPNW, scharfe Kritik an der von der EU angestrebten Förderung von Atomkraft: „Präsident Macron will der Atomenergie ein grünes Label verschaffen, weil er dringend Milliarden für seine maroden Atomanlagen benötigt. Aber es geht ihm auch um die Modernisierung von Frankreichs Atomwaffen. Das zeigt ein Zitat aus Macrons Rede bei seinem Besuch 2020 in der Atomschmiede le Creusot: „Ohne zivile Atomenergie gibt es keine militärische Nutzung und ohne militärische Nutzung gibt es keine zivile Atomenergie.“ Im Klartext: Ohne eine Atomwirtschaft auf dem neuesten technischen Stand kann Frankreich sein Atomwaffenarsenal nicht weiter ausbauen und modernisieren. Framatome in Lingen ist Bestandteil dieser Politik – und: Auch Rosatom ist im Auftrag der russischen Regierung an militärischen Projekten beteiligt. Das ist für Lingen alarmierend.“

Dokumente:

Resolution „Keine Brennelementekooperation Framatome/Rosatom in Lingen – Brennelementeproduktion beenden – Atomausstieg voranbringen!“ (pdf):
https://www.bi-luechow-dannenberg.de/wp-content/uploads/2022/02/Kein-Joint-Venture-Framatome-Rosatom-in-Lingen.pdf

Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesumweltministerin Steffi Lemke: „Geplantes Joint Venture Framatome-Rosatom in Lingen“
https://www.bi-luechow-dannenberg.de/wp-content/uploads/2022/02/Brief-Brennelemente-Joint-Venture-Lingen-BMWK-BMUV-030222.pdf

(Quelle: Pressemitteilung „BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg“)

Jochen Stay ist tot

Ein wunderbarer Mensch und eine große Persönlichkeit der Anti-AKW-Bewegung ist von uns gegangen. Für das Aktionsbündnis unfassbar – wir trauern sehr um einen liebgewonnen Menschen mit Charaktergröße: Jochen Stay ist am vergangenen Samstag (15. Januar) verstorben. Wir werden ihn sehr vermissen.

Aktionsbündnis „Stop Westcastor“

(Beitragsbild: Bente Stachowski)

Pressemitteilung

18. Januar 2022 Pressemitteilung von .ausgestrahlt

Jochen Stay ist tot

Der langjährige Anti-Atom-Aktivist Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und Vorstandsmitglied der von .ausgestrahlt initiierten Stiftung Atomerbe, ist tot.

Stay, geboren 1965 in Mannheim, war in den 1980ern zunächst an gewaltfreien Blockaden des Pershing-Depots in Mutlangen beteiligt. Über die Auseinandersetzung um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf stieß er Mitte der 1980er-Jahre zur Anti-Atom-Bewegung. Ab Mitte der 1990er-Jahre organisierte er mit der Kampagne „X-tausendmal quer“ öffentlich angekündigte, gewaltfreie Sitzblockaden gegen Castor-Transporte, an denen sich Tausende beteiligten. 2008 gründete er mit einer Handvoll Mitstreiter*innen die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. Gemeinsam mit dieser machte er die atomkritische Haltung der Mehrheit der Bevölkerung wieder sichtbar und organisierte den Protest gegen die von der schwarz-gelben Bundesregierung betriebene Laufzeitverlängerung für AKW. Stay wurde so zum Sprachrohr von Hunderttausenden von Atomkraftgegner*innen.
 
Einer der Höhepunkte des Protests war die von Stay initiierte 120 Kilometer lange Menschenkette vom AKW Brunsbüttel bis zum AKW Krümmel. 120.000 Menschen formierten sich am 24.04.2010 entlang der Elbe zur längsten Anti-Atom-Demo in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Laufzeitverlängerung konnte das zwar zunächst nicht verhindern. Schon im Jahr darauf jedoch leitete der erneute Protest Hunderttausender nach der Atomkatastrophe von Fukushima Merkels Atomwende ein. Fast die Hälfte der damals noch 17 AKW ging sofort vom Netz. Ende dieses Jahres werden die letzten drei folgen.

Auch der Protest gegen ein Atommüll-Lager im Gorlebener Salzstock, den Stay jahrzehntelang mit prägte, führte 2020 zum Erfolg. Was das aktuell laufende Standortsuchverfahren für ein Atommüll-Lager angeht, so konnte niemand dessen Defizite präziser benennen als er.

Neben seiner Anti-Atom-Arbeit war Stay unter anderem auch bei der in Verden angesiedelten Bewegungsstiftung engagiert. Zahlreiche andere Bewegungen und Kampagnen konnten so von seiner Erfahrung und seinem meist untrüglichen Gespür für politische Gelegenheiten profitieren.

Jochen Stay, der an einer Herzerkrankung litt, ist am Samstag, den 15.01.2022, im Alter von 56 Jahren an seinem Wohnort Suerhop bei Buchholz/Nordheide plötzlich und viel zu früh gestorben. .ausgestrahlt wird die Anti-Atom-Arbeit auch in seinem Sinne weiterführen.

Einen ausführlicheren Nachruf zu Jochen Stay finden Sie auf ausgestrahlt.de/jochen

Bild: pixabay.com

Erinnerungen an Jochen

Im Sommer 2019 haben wir Jochen beim evangelischen Kirchentag in Dortmund persönlich kennengelernt. Wir wussten schon sehr viel über ihn und über seine Arbeit.

Sein großer Erfahrungsschatz, seine gut durchdachten Argumente sowie sein beeindruckendes politisches Gespür und Wissen waren beachtlich.

Am „.ausgestrahlt-Infostand“ ließ Jochen nie den Chef raushängen, sondern auch uns Gespräche mit Interessierten führen, dabei strahlte er eine Ruhe aus, die uns Sicherheit gab.

Wir vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ und alle anderen in der Bewegung verlieren einen großen Freund. Wir kämpfen weiterhin für eine Welt ohne Atomenergie.


Jochen bleibt ein großes Vorbild für alle.

Marita und Guido vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.