Dritter Castor mit gefährlichen Sicherheitslücken

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Castor mit gefährlichen Sicherungslücken:

  • Atomkraftgegner:innen gelangen auf unbewachte Autobahnbrücken
  • Kein Begleithubschrauber mehr
  • Führt Personalmangel zu Abstrichen bei Sicherung?

Beim dritten Castor-Transport von Jülich nach Ahaus ist es in der vergangenen Nacht zu schwerwiegenden Sicherungslücken gekommen: Atomkraftgegner:innen gelangten unbemerkt auf zwei unbewachte Autobahnbrücken – einmal sogar direkt zur Durchfahrt des Castor-LKWs. Das lag offensichtlich daran, dass die Polizei erheblich weniger Personal eingesetzt hat und sogar auf den normalerweise üblichen Aufklärungs-Hubschrauber vor dem Castor verzichtet hat. Ob die mobile Drohnen-Abwehr noch im Einsatz war, ist ebenfalls fraglich.

„Wir sind entsetzt, dass unsere Befürchtungen schon beim dritten Castor-Transport eintreten. Weil die NRW-Landesregierung anscheinend die hohen Kosten für die polizeiliche Castor-Begleitung möglichst stark eindämmen will, fährt sie die Sicherung der Atommüll-Transporte unverantwortlich herunter. Unbewachte Autobahnbrücken, fehlender Hubschrauber – das sind gravierende Fahrlässigkeiten, die zeigen, dass weder die Polizeiführung noch das NRW-Innenministerium die erheblichen Gefahren durch die hochradioaktiven Atommüll-Transporte wirklich ernst nehmen“, so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen in einer ersten Bewertung.

„Anmelder:innen von Demonstrationen müssen sich regelmäßig mit der Polizei vor Gericht aus `Sicherheitsgründen` um den freien Zugang zu Autobahnbrücken streiten. Doch die Polizei selbst lässt diese im Dunkeln völlig unbewacht offenstehen. Das ist absurd“, ergänzte Hanna Poddig von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.

Bei den ersten beiden Castor-Transporten waren noch 2000 beziehungsweise 2400 Beamte im Einsatz. Beide Male kam es zudem vor der Abfahrt in Jülich und nach der Ankunft in Ahaus zu Pannen: Der erste Castor konnte im Zwischenlager Ahaus eine Woche lang nicht an des externe Überwachungssystem angeschlossen werden und beim zweiten Castor verzögerte ein Problem mit der externen Stromversorgung die Abfahrt des Transport-LKW.

19. Mai: vierter Castor − neue Proteste in Jülich und Ahaus

Die Anti-Atomkraft-Initiativen gehen derzeit davon aus, dass in zwei Wochen, am Dienstag, 19. Mai, der vierte Castor von Jülich nach Ahaus rollen wird. Sie kündigen dazu neue Proteste in Jülich und Ahaus sowie entlang der 170 Kilometer langen Autobahnstrecke an.

„Der bisherige Ablauf der Castor-Transporte bekräftigt uns darin, weiterhin auf die Straße zu gehen. Polizei-Konvois auf der Autobahn sind keine Atommüll-Entsorgung. Bundes- und NRW-Landesregierung sind ganz offensichtlich dem Thema Atommüll nicht gewachsen. Wir hätten nie gedacht, dass es tatsächlich zu diesem jahrelangen Castor-Marathon auf der Autobahn kommen könnte – von einem Zwischenlager in ein anderes Zwischenlager, ohne Klärung der Endlagerfrage. Das ist völlig sinnlos und der schiere Wahnsinn. Hier offenbart sich ein massives politisches Versagen in Berlin und Düsseldorf. Die Castor-Transporte müssen dringend gestoppt werden“, erklärten Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ gemeinsam.

„In Jülich gab es gestern Abend (05.05.) einen Vorfall: Nach Beendigung der Mahnwache kamen zehn Polizisten auf unsere Demo-Gruppe zu, kesselten drei von uns ein und wollten ihre Personalien aufnehmen. Einer von ihnen wurde ziemlich heftig zum Mannschaftswagen abgeführt, weil er sich zunächst weigerte, seinen Personalausweis zu zeigen. Sie wollten ihn zu Boden drücken, um ihn zu durchsuchen. Dann zeigte er ihnen schließlich doch seinen Personalausweis. Der Vorwurf der Polizei lautete, die drei Aktivisten hätten sich auf einem Privatgelände aufgehalten. Die Aktivisten hatten sich jedoch lediglich auf einer Wiese hinter dem Forschungsgelände bewegt. Dort gab es weder ein `Betreten verboten`-Schild noch eine Absperrung.“


Heute 3. Castor – aber kein Atommüllkonzept

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Heute Abend dritter Castor Jülich-Ahaus:

  • WDR: Wieder nur Einzeltransport
  • Atommülltransporte komplizierter als erwartet?
  • Heute Abend Proteste in Jülich und Ahaus

Realsatire im Polizeipräsidium Münster: Angst vor Tennisbällen

Nach Informationen der Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland und in Jülich soll heute Abend der dritte Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll vom Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus starten. Nach Angaben des WDR soll dabei wieder nur ein einziger Castor-Behälter transportiert werden. Diese Einzeltransporte erhöhen den Aufwand für Personal, Zeit und Kosten enorm. Die Anti-Atomkraft-Initiativen gehen deshalb davon aus, dass sich die reale Umsetzung der Atommülltransporte als schwieriger erweist, als vorab angenommen. Und die Castor-Transporte werden deutlich teurer als vorab behauptet.

Bei den ersten beiden Castor-Transporten waren 2000 beziehungsweise 2400 Beamte im Einsatz. Dabei  konnte Innenminister Reul anscheinend sein Versprechen nicht einhalten, nur Beamte aus NRW einzusetzen. Beide Male kam es zudem zu Pannen: Der erste Castor konnte im Zwischenlager Ahaus eine Woche lang nicht an des externe Überwachungssystem angeschlossen werden und beim zweiten Castor war kurz vor dem Start die externe Stromversorgung für den Transport-LKW nicht gesichert.

„Während die Bundes- und die NRW-Landesregierung mit dem Kopf durch die Wand wollen, erweisen sich die Castor-Transporte offensichtlich als komplizierter als vorher gedacht. Anscheinend befinden sich alle Beteiligten noch immer in einer Art Probephase – nur, dass jetzt mit realem, hochradioaktiven Atommüll auf den Autobahnen ′geprobt‘ wird. Wir halten das für unverantwortlich – und weisen erneut eindringlich darauf hin: Atommülltransporte mit großen Polizei-Konvois auf der Autobahn sind keine Atommüllentsorgung“, erklärten Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“.

Heute Proteste in Jülich und Ahaus

Heute Abend wird es in Jülich wieder ab 18 Uhr eine Dauer-Mahnwache vor dem Forschungszentrum Jülich geben. In Ahaus startet um 18.30 Uhr eine Fahrrad-Demo vom Bahnhof durch die Innenstadt zur Castor-Strecke am Schumacher-Ring. Dort beginnt dann um 19 Uhr an der Kreuzung mit der Schorlemer-/Schöppingerstraße die zentrale Kundgebung. Im Anschluss findet an dieser zentralen Castor-Kreuzung Richtung Zwischenlager auch die Dauer-Mahnwache bis zur nächtlichen Ankunft des Castor-Konvois statt. Aus diesem Grund findet am Zwischenlager dieses Mal keine Mahnwache statt.

Polizeipräsidium Münster mit Realsatire um Tennisbälle

Unterdessen hat das Polizeipräsidium Münster als federführende Versammlungsbehörde in einem Punkt die Realität aus den Augen verloren: Beim zweiten Castor hatte eine einzige Atomkraftgegnerin in Jülich einen Tennisball dabei, um den Anwesenden und der Presse anschaulich die ungefähre Größe der Brennelementekugeln zu verdeutlichen. Das sah die Polizei vor Ort sehr kritisch und nun wurde von der Polizeiführung in Münster allen Versammlungsanmelder:innen in Jülich und Ahaus explizit und proaktiv die Nutzung von Tennisbällen auf den Versammlungen untersagt! Auf Rückfrage kam als Begründung, Tennisbälle könnten als „Wurfgeschosse“ benutzt werden, insbesondere auf Autobahnbrücken – weder das Forschungszentrum Jülich noch die Innenstadt von Ahaus liegen jedoch an einer Autobahn… Ebenfalls auf Rückfrage riet das Polizeipräsidium in vollem Ernst dazu, man könne „Brennelementekugeln“ ja auch auf Papier aufmalen oder aus Styropor basteln… 

Anscheinend verwechselt das Polizeipräsidium Münster die Anti-Atomkraft-Initiativen mit Tennisvereinen oder Bastelgruppen. Die Initiativen fordern die Polizeiführung deshalb eindringlich dazu auf, die Versammlungsanmeldungen mit mehr Ernsthaftigkeit zu behandeln und den Anmeldeprozess nicht ins Lächerliche zu ziehen. Die realen Gefahren der Castor-Transporte gehen noch immer von Drohnen, Sabotage, Terror, Unfällen, Fahrfehlern, falschen Sicherheits-Einschätzungen und natürlich der radioaktiven Strahlung aus. Darauf sollte sich die Polizei konzentrieren.

Castor-Alarm: Mahnwache am Tag X3 vor Forschungszentrum

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***Castor-Alarm***

Mahnwache am Forschungszentrum Jülich | Tag X3 | ab 18.00 Uhr

Es verdichten sich die Hinweise: Morgen Abend (5. Mai) soll der dritte Castor-Transport in Jülich starten und in der Nacht zum Mittwoch in Ahaus ankommen.

Kommt vorbei und zeigt euren Protest gegen die unsinnige Verschiebung von Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste!

Atommüll sollte nur noch einmal transportiert werden – und zwar ins Endlager.

***Versammlungsort ist auf der Stetternicher Staatsforst Straße (ETC – Enrichment Technology Company) circa 20 Meter vor der Kreuzung Wilhelm-Johnen-Straße***

Anreise zur Mahnwache

Von Autobahnabfahrt Düren in Richtung Jülich (B56):

  • An der Ampelkreuzung rechts in Richtung Selgersdorf
  • Am Ende von Selgersdorf links auf die Beschilderung achten: In Richtung Hambach … Daubenrath auf den Hambacher Weg  
  • Nach circa 500 Meter links in Richtung Daubenrath
  • Durch den Ort Daubenrath weiter bis Kasterstraße
  • Dann Kasterstraße weiter folgen bis zur Stetternicher Staatsforst Straße (geht links in den Wald hinein | „Schleichweg“)
  • Stetternicher Staatsforst Straße vorbei am ETC bis zum Versammlungsort

(Quelle: https://www.openstreetmap.org)

Die Anreise mit der Rurtalbahn bis zur Haltestelle „Forschungszentrum” ist auch diesmal nach 17.30 Uhr möglich.

Hier der Fußweg (etwa 2 km) zum Forschungszentrum. Die Mahnwache ist Ecke Wilhelm-Johnen-Straße/Stetternicher Staatsforst Straße.

Falls die Polizei euch nicht zum Versammlungsort lassen will, weist darauf hin, dass es sich um eine angemeldete Versammlung handelt und der Zugang gemäß Grundgesetz und Versammlungsgesetz möglich sein muss!

Meldet solche Vorkommnisse bitte dem Ermittlungsausschuss beziehungsweise auch über den Castor-Ticker, damit sich andere Menschen darauf einstellen können.

Das Mitführen von Alkohol und alkoholischen Getränken ist verboten. Auch das Mitführen von Behältnissen aus Glas und Blech ist nicht gestattet.

Dienstag (05.05.) dritter Castor Jülich-Ahaus

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Dienstag dritter Castor Jülich-Ahaus: Polizeigewerkschaft kritisiert hohe Belastung

Neue Proteste am Dienstag:

  • Jülich: ab 18 Uhr Dauer-Mahnwache
  • Ahaus: 18.30 Uhr Fahrrad-Demo | 19 Uhr Kundgebung | ab 20 Uhr Dauer-Mahnwache

„NRW-Polizei als Atommüll-Transporteur / politisches Versagen“

Nach Informationen der Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland und in Jülich soll bereits am jetzigen Dienstagabend, 5. Mai, der dritte Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll vom Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus starten. Schon am 19. Mai soll dann der vierte Castor-Transport folgen. Zu Recht kritisierte die Gewerkschaft der Polizei im WDR den enorm hohen Personalaufwand für die Atommülltransporte. Bei den ersten beiden Transporten waren 2000 beziehungsweise 2400 Beamte im Einsatz. Damit wird die NRW-Polizei zum eigentlichen Atommüll-Transporteur und muss die ungelöste Entsorgungsfrage jahrelang in Dutzenden Autobahn-Einsätzen ausbaden. Anti-Atomkraft-Initiativen haben für Dienstag kurzfristig in Jülich und Ahaus mehrere Protestaktionen angemeldet.

„Es ist kein Wunder, dass die Gewerkschaft der Polizei die völlig unsinnigen und gefährlichen Atommülltransporte durch NRW kritisiert. Anstatt vor Ort in Jülich für eine langfristige Lagerung des hochradioaktiven Atommülls zu sorgen, verlagern Bundes- und Landesregierung die Atommüllentsorgung auf die Autobahn. Angesichts der hohen Personalbelastung für die Polizei und der hohen Kosten für die Landeskasse fürchten wir, dass die NRW-Landesregierung nun die Polizeisicherung der Castor-Transporte spürbar runterschraubt. Das wird dann jedoch zwangsläufig zu kritischen Sicherheitslücken entlang der 170 Kilometer langen Autobahnstrecke führen – und das auf Jahre hinaus. Planbarer können Gefahrenquellen und Sicherheitsrisiken kaum sein“, so Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ in einer gemeinsamen Stellungnahme.

„Noch immer stehen 150 Castor-Behälter in Jülich – und selbst in einem beschleunigten Tempo und in Dreier-Konvois wird die Verlagerung nicht vor 2030 abgeschlossen sein, obwohl die Transportgenehmigung nur bis Mitte nächsten Jahres gültig ist. Aber auch die Lagergenehmigung im Zwischenlager Ahaus gilt nur bis 2036. Danach tut sich bis zur Errichtung eines Endlagers eine jahrzehntelange, bislang völlig genehmigungslose Lücke bei der Atommüllentsorgung in NRW auf. Die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung sind der Atommüllfrage politisch offenbar nicht gewachsen“, ergänzte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Neue Proteste am Dienstag (übermorgen) in Jülich und Ahaus

Kurzfristig wird es auch am jetzigen Dienstag, 5. Mai, in Jülich wieder ab 18 Uhr eine Dauer-Mahnwache vor dem Forschungszentrum Jülich geben. Beim letzten Transport wurde durch die Anwesenheit der Atomkraftgegner:innen die ungewöhnliche Panne bei der Abfahrt des Castor-LKWs bekannt. Die Initiativen haben dazu der NRW-Landesregierung einen bislang unbeantworteten Brief geschrieben.

In Ahaus startet ebenfalls kurzfristig am Dienstag um 18.30 Uhr eine Fahrrad-Demo vom Bahnhof durch die Innenstadt zur Castor-Strecke am Schumacher-Ring. Dort beginnt dann um 19 Uhr an der Kreuzung mit der Schorlemer-/Schöppingerstraße die zentrale Kundgebung. Im Anschluss findet an dieser zentralen Castor-Kreuzung Richtung Zwischenlager auch die Dauer-Mahnwache bis zur nächtlichen Ankunft des Castor-Konvois statt. Aus diesem Grund findet am Zwischenlager dieses Mal keine Mahnwache statt.

Für den 19. Mai werden ebenfalls Proteste vorbereitet.

Castor-Alarm für Jülich & Ahaus: X3 und X4

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Den Anti-Atom-Initiativen ist es gelungen, zwei bislang geheime Castor-Termine zu „enthüllen“ – und das auch noch kurzfristig.

Bereits nächsten Dienstag, 5. Mai, wird höchstwahrscheinlich erneut hochradioaktiver Atommüll vom Forschungszentrum Jülich auf die rund 170 Kilometer lange Autobahnstrecke nach Ahaus transportiert.

Zwei Wochen später, am Dienstag, 19. Mai, soll X4 folgen. Das bedeutet ein strammes Programm für die Polizei in Nordrhein-Westfalen.

Wir werden auch nächsten Dienstag in Jülich und Ahaus abends wieder auf der Straße sein. Die Details folgen am Wochenende, achtet auf Updates!

Atommülltourismus auf der Autobahn ist keine Entsorgung, sondern eine Show mit viel Polizei drumherum.

Deshalb beteiligt euch an den Protesten!


Brief an Reul & Neubaur: Panne und Polizeikosten

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Panne und Polizeikosten Castor-Transporte Jülich-Ahaus:

Brief an Minister Neubaur und Reul

  • Waren Pannen in Jülich und Ahaus „meldepflichtige Ereignisse“?
  • Wie hoch waren die Polizeikosten für die Einsätze?
  • Trägt NRW die Polizeikosten alleine?
  • Gab es Verletzungen der Flugverbotszone?
  • Ist Zeitrahmen bis August 2027 für Castor-Transporte zu halten?

Die Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland und in Jülich haben einen Brief an NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) geschrieben. Darin bitten sie um Auskunft über die Probleme und die Kosten der ersten beiden Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus. So hatte sich die Abfahrt des zweiten Castor-Transports in Jülich wegen einer Panne verzögert und der erste Castor konnte im Zwischenlager Ahaus eine Woche lang nicht fachgemäß an die Überwachungssysteme angeschlossen werden. Die Initiativen wollen nun unter anderem wissen, ob diese Pannen von der NRW-Atomaufsicht als „meldepflichtige Ereignisse“ eingestuft wurden. Zudem fragen die Initiativen nach dem weiteren Vorgehen der NRW-Landesregierung in Sachen Castor-Transporte, unter anderem mit Bezug auf die aus Garching angekündigten Atommüll-Transporte.

Proteste werden fortgesetzt – nächster Castor kurz vor Pfingsten?

Unterdessen kündigen die Anti-Atomkraft-Initiativen an, die Proteste zwischen Jülich und Ahaus fortzusetzen.

„Wir sehen uns in unserer Kritik bestätigt. Nur mit einem enormen Polizeiaufgebot konnten die ersten beiden von 152 Castor-Behälter nach Ahaus gebracht werden. Da ist es eine Farce, dass die Transporte vorab als günstigste Option gepriesen wurden. Und schon jetzt gab es erstaunliche Pannen. Nun fürchten wir ganz konkret, dass die NRW-Landesregierung aus Kostengründen die polizeiliche Sicherung der Castor-Transporte demnächst deutlich zurückfahren wird. Das wird sich als Knackpunkt für die noch ausstehenden Dutzende weiterer Atommülltransporte erweisen. Denn jede Nachlässigkeit der Sicherheitsbehörden kann bei Sabotage oder Terrorgefahren katastrophale Folgen haben“, erklärte Matthias Eickhoff von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.

„Der jahrelang kommunizierte Wunsch des Jülicher Forschungszentrums, einmal pro Woche zu fahren, hat sich schon jetzt als Luftblase erwiesen. Es ist immer noch nicht klar, ob die angekündigten Dreier-Konvois wirklich funktionieren – zusammen bringen sie fast 400 Tonnen auf die Waage. So werden sie manche Brücken nur einzeln queren können – ein erheblicher Belastungstest für die marode Straßen-Infrastruktur von NRW – mit ungewissem Ausgang“, ergänzte Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

„Wir sind tief enttäuscht von der Bundes- und NRW-Landesregierung. Wir kämpfen seit 16 Jahren gegen diese verantwortungslosen Atommüll-Pläne. Doch zu keinem Zeitpunkt wurde eine konstruktive Lösung gesucht, um die hochgefährlichen Atommülltransporte über die Autobahnen von NRW zu verhindern. Und im Hintergrund wartet schon Markus Söder mit seinem atomwaffenfähig hochangereichertem Atommüll aus dem Forschungsreaktor Garching. Ohne Klärung der Endlagerfrage sind Atommülltransporte nach Ahaus eine Reise ohne Ziel. Hochradioaktiver Atommüll gehört nicht auf die Autobahn und Polizei-Konvois sind keine Atommüllentsorgung, sondern reine Show. Wir werden deshalb weiterhin gegen die Castor-Transporte entschlossen und anhaltend auf die Straße gehen“, erklärten Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“ gemeinsam.

Nach bisherigem Kenntnisstand gehen die Anti-Atomkraft-Initiativen davon aus, dass wenige Tage vor Pfingsten Mitte Mai der nächste Castor-Transport von Jülich nach Ahaus fahren soll. Die Initiativen sind aber auch darauf eingestellt, kurzfristig Proteste zu organisieren.

Den Brief an die Minister Neubaur und Reul finden sie hier:

Panne bei Castor-Transport

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Panne bei Castor-Transport sorgt für Verzögerung:

  • Stromversorgung für Castor-LKW war defekt
  • Anti-Atomkraft-Initiativen fordern Aufklärung

„Polizei-Konvois auf Autobahn sind keine Atommüllentsorgung“

Mit großer Sorge reagieren die Anti-Atomkraft-Initiativen in Jülich und im Münsterland auf die technische Panne am Castor-LKW, die gestern Abend in Jülich die Abfahrt des Atommüll-Konvois um rund 90 Minuten verzögerte. Nach Angaben der federführenden Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) gegenüber dem WDR gab es ein technisches Problem mit der Stromversorgung des Castor-LKWs. Die Anti-Atomkraft-Initiativen verlangen nun von der NRW-Landesregierung Aufklärung über diesen sicherheitsrelevanten Vorfall.

„Was genau war an dem Castor-LKW defekt? Wer hat den Schaden am späten Abend tatsächlich behoben? Warum wurde nicht bis Tagesanbruch gewartet, um eine gründliche Untersuchung durchzuführen? Wer hat die nächtliche Reparatur im Freien letztlich abgenommen – der TÜV, eine Vertragswerkstatt oder einfach nur der Transporteur Orano? Was wäre passiert, wenn der Schaden auf der Autobahn erneut aufgetreten wäre – hätte der Castor-Transport dann mitten auf der Autobahn stehen bleiben müssen? Wer hat letztlich grünes Licht für die Abfahrt aus Jülich kurz vor Mitternacht gegeben – das NRW-Wirtschaftsministerium, die Polizei oder die JEN? Gab es politischen Druck von der JEN, aus Düsseldorf oder aus Berlin, dass der Castor-Transport unbedingt noch in der Nacht stattzufinden habe? Es gibt viele Fragen, für die wir aus dem für die Atomaufsicht zuständigen NRW-Wirtschaftsministerium nun klare, ausführliche und rasche Antworten erwarten“, so Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Die Initiativen erinnern daran, dass schon der Anschluss des ersten Castors an die Behälter-Überwachung im Zwischenlager Ahaus Ende März eine Woche gedauert hat, weil sich laut Betreiberin BGZ „die Abläufe noch einspielen“ müssten. Dabei hatte die BGZ immer betont, man habe mit genau diesem Castor-Typ besonders viel Erfahrung in Ahaus. Und Ende 2023 kam es bei einem Probetransport zu einer ungewöhnlichen Panne: Damals verlor der noch unbeladene Castor-LKW laut NRW-Innenministerium „den Sichtkontakt“ zur vorausfahrenden Polizeikolonne und bog deshalb im Autobahnkreuz Kaiserberg falsch ab. Danach brauchte die NRW-Landesregierung sieben Monate, um diese peinliche Panne einzugestehen. Die Initiativen erwarten nun, dass die Landesregierung wesentlich schneller für Aufklärung sorgt.

Auch beim zweiten Castor-Transport hat sich gezeigt, dass die 152 Castor-Behälter mit den knapp 300.000 hochradioaktiven Brennelementkugeln aus Jülich nur unter massivem Polizeieinsatz über die Autobahnen transportiert werden können. Es sind jeweils Tausende Polizisten im Einsatz und es verwundert deshalb nicht, dass die Kosten für die beiden bisherigen Polizeieinsätze bislang von der NRW-Landesregierung geheim gehalten werden. Doch noch immer stehen 150 Castor-Behälter in Jülich – und in diesem Tempo wird die Verlagerung selbst in Dreier-Konvois nicht vor 2030 abgeschlossen sein, obwohl die Transportgenehmigung nur bis Mitte nächsten Jahres gültig ist. Aber auch die Lagergenehmigung im Zwischenlager Ahaus gilt nur bis 2036. Danach tut sich bis zur Errichtung eines Endlagers eine jahrzehntelange, bislang völlig genehmigungslose Lücke bei der Atommüllentsorgung in NRW auf.

„Eines ist sicher: Endlose Polizei-Konvois auf der Autobahn sind keine Atommüllentsorgung. Mit massivem personellen und technischen Aufwand täuschen die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung vor, dass sich in der Atommüll-Entsorgung etwas bewegt. Doch real tut sich nichts. Und leider kümmert sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst eher um die olympischen Höhen für Rhein und Ruhr, aber nicht um die drängenden Basis-Fragen rund um die Zukunft des Atommülls in NRW. Bund und Land haben hier bislang politisch komplett versagt“, ergänzte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Am Abend und in der Nacht kam es in Jülich, Bottrop und Ahaus wieder zu mehreren Protestaktionen. In Ahaus demonstrierten 230 Menschen und formten ein menschliches „X“. Eine Mahnwache harrte vor dem Zwischenlager bis zur Ankunft des Castors gegen 3.30 Uhr aus. In Bottrop konnten Atomkraftgegner:innen letztlich gegen 2.20 Uhr gut sichtbar ihren Protest an der A2 deutlich machen. Und die Präsenz der Mahnwache vor dem Forschungszentrum Jülich hat dazu beigetragen, dass die JEN ihre Panne am Castor-LKW gegenüber der Presse eingestehen musste. Diese öffentliche „Kontrolle“ vor Ort ist enorm wichtig.

Proteste gegen Castor-Transporte werden fortgesetzt

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„Wir werden unsere Proteste fortsetzen. Denn wir sehen unsere Befürchtung bestätigt, dass die Verlagerung des hochradioaktiven Atommülls von Jülich nach Ahaus ein jahrelanges, völlig sinnfreies und gefährliches Unterfangen ist, das erhebliche Polizeikräfte in NRW auf Jahre hinaus bindet, aber keinen Sicherheitsgewinn bringt. Außerdem werden wir auch weiter konsequent gegen jede Einschränkung im Versammlungsrecht ankämpfen – es darf für die Castor-Transporte in NRW keine Sonderregelungen geben“, so Hanna Poddig von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.