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Initiativen: Atomgespräche im Wirtschaftsministerium

(Beitragsbild: pixabay.com)

Freitag, 19. Januar, Wirtschaftsministerium Düsseldorf: Anti-Atom-Initiativen eingeladen zu Atomgesprächen

Themen:

― Verhinderung Castor-Transporte Jülich-Ahaus

― Stilllegung Urananreicherungsanlage Gronau (Westf.)

Auf Anfrage des Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen hat das für die Atompolitik zuständige NRW-Wirtschaftsministerium mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände für den morgigen Freitag, 19. Januar, zu einem atompolitischen Fachgespräch ins Ministerium nach Düsseldorf eingeladen. Es ist dies das erste derartige Treffen seit mehr als sieben Jahren.

Aus Sicht der Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände wird es dabei konkret um die Verhinderung der für 2024 geplanten Castor-Atommüll-Transporte mit rund 300 000 hochradioaktiven Brennelementkugeln über die NRW-Autobahnen von Jülich nach Ahaus gehen. Dazu hatten am Sonntag in Ahaus bereits 320 Atomkraftgegner*innen mit 50 Traktoren demonstriert. Die Stadt Ahaus klagt zudem vor dem Oberverwaltungsgericht Münster.

Zweites Thema werden die Perspektiven für eine Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau (Westfalen) sein. Diese wurde vom Atomausstieg ausgenommen und soll derzeit sogar noch mit Bereichen zur Verarbeitung und Lagerung von verstrahlten Uran-Zentrifugen ausgebaut werden. Es ist dazu ein öffentliches Beteiligungsverfahren nach Atomrecht geplant. Die Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände fordern hingegen die Schließung der Uranfabrik, die allein für den Weltmarkt arbeitet und unter anderem Kunden im Kriegsgebiet der Ukraine und im Krisengebiet am Persischen Golf beliefert. Auch die sichere Entsorgung des Uranmülls, der in Gronau anfällt, ist völlig ungeklärt.

„Wir begrüßen die Einladung aus Düsseldorf. Wir sehen aber, dass sich die Atompolitik in NRW derzeit immer weiter vom Atomausstieg entfernt. Widersinnige und gefährliche Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus lösen nicht die drängende Atommüll-Problematik. Und eine Erweiterung der Urananreicherungsanlage Gronau wäre das genaue Gegenteil vom Atomausstieg – die Belieferung von hochriskanten Reaktoren weltweit mit Uranbrennstoff made in NRW ist schlichtweg unverantwortlich“,  so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Am heutigen Donnerstag, 18. Januar, nimmt ein Vertreter der Bürgerinitiative  „Kein Atommüll in Ahaus“ in Jülich um 20.05 Uhr am WDR5-Stadtgespräch zu den geplanten Castor-Transporten von Jülich nach Ahaus teil.         

Demo gegen Castor-Transporte Jülich-Ahaus

(Beitragsbild: © iStock.com/Younes Kraske)

„152 Castor-Transporte mit Atommüll aus Jülich nach Ahaus? Nicht mit uns!“

Das ist die Kernforderung einer Demonstration, die am Sonntag, 14. Januar, in Ahaus stattfinden wird. Dazu rufen außer der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ etliche andere Initiativen und Umweltverbände wie der BBU und der BUND auf. Die Auftaktkundgebung beginnt um 14 Uhr am Ahauser Rathaus. Ein Trecker-Korso von Landwirten startet am TOBIT-Kreisel und führt zur Auftaktkundgebung. Vom Rathaus ziehen dann Trecker und Fußgänger gemeinsam zur Kreuzung Schumacherring/Schöppinger Straße, wo es eine Abschlusskundgebung gibt.

Anlass der Demonstration sind die Pläne des Forschungszentrums Jülich, rund 300.000 abgebrannte Kugel-Brennelemente aus dem stillgelegten Versuchsreaktor AVR nach Ahaus zu verschieben. Dies soll in 152 Straßentransporten quer durch NRW mit 130 Tonnen schweren Transportfahrzeugen geschehen. Bürgerinitiativen und Umweltverbände fordern, dass der Müll in Jülich bleibt und dort ein neues Lager errichtet wird, das aktuellen Sicherheitsanforderungen entspricht. Dies ist auch erklärter Wille der NRW-Landesregierung. Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) ignoriert dies aber beharrlich und treibt nur die Option des Ahaus-Transports voran.

Die Demonstration in Ahaus erfährt Unterstützung aus vielen Teilen der Bevölkerung: Landwirte führen die Demo mit einem Trecker-Korso an, Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirche, der BUND NRW sowie die Ahauser Bürgermeisterin haben Redebeiträge zugesagt. Auch die Jülicher Initiative „Stop Westcastor“ unterstützt die Forderungen der Demonstranten und wird ein Grußwort sprechen.

Demo gegen Castortransporte: 14. Januar, Ahaus 

Das Atommüll-Dilemma bleibt auch 2024:

„Keine Castor-Transporte Jülich-Ahaus“

Für den jetzigen Sonntag, 14. Januar, rufen Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände um 14 Uhr zu einer neuen Demo gegen die für dieses Jahr geplanten Castortransporte von Jülich nach Ahaus auf. Die Auftaktkundgebung beginnt um 14 Uhr am Ahauser Rathaus. Ein Trecker-Korso der Landwirte startet am TOBIT-Kreisel und führt zur Auftaktkundgebung. Vom Rathaus geht es dann gemeinsam zur Kreuzung Schumacherring/Schöppinger Straße, wo es eine Abschlusskundgebung gibt.

„Das Dilemma mit den 152 Castoren in Jülich lässt sich weder durch jahrelanges Aussitzen noch durch undurchdachte und extrem gefährliche `Hau-Ruck-Castortransporte‘ über die Autobahnen von Jülich mitten durch NRW via Düsseldorf, Duisburg und Oberhausen nach Ahaus lösen. Wir sehen, dass entgegen allen anderen Beteuerungen nur an der Ahaus-Option gearbeitet wird und die sicherere Jülich-Option mit dem Neubau eines Zwischenlagers nicht weiter verfolgt wird. Deswegen werden wir unseren Protest intensivieren, ehe die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen und die Aufsichtsbehörden Fakten schaffen“, erklärt Felix Ruwe von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“.

Die Demonstration in Ahaus erfährt Unterstützung aus vielen Teilen der Bevölkerung: Landwirte führen die Demo mit einem Trecker-Korso an, Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirche, der BUND NRW sowie die Ahauser Bürgermeisterin haben Redebeiträge zugesagt und der Ahauser Salip Tarakci begleitet die Demo mit musikalischen Beiträgen.

Alle Parteien des Ahauser Stadtrates haben sich gegen die heftig umstrittenen Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus ausgesprochen. Gegen die bereits bestehende Einlagerungsgenehmigung klagen die Stadt und ein Ahauser Bürger seit Jahren vor dem OVG Münster. Die Transportgenehmigung für die Autobahn-Route quer durch NRW steht noch aus und schwebt nun wie ein Damokles-Schwert über der Stadt Ahaus.

„Wir befürchten, dass das laufende Gerichtsverfahren vor dem OVG Münster sowie neue positive Erdbebenerkenntnisse zum Jülicher Zwischenlager keine Rolle mehr spielen, ebenso wenig die immensen Kosten. Bereits ohne die Polizei-Kosten sind circa 100 Millionen Euro für die Transporte veranschlagt, die intensiven Polizeieinsätze können diese Kosten locker verdoppeln. Für das Geld ließe sich besser ein modernes Zwischenlager in Jülich bauen“, erklärt Marita Boslar vom Jülicher Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.

„Es kann aber auch grundsätzlich nicht sein, dass der Schutz der Bevölkerung einem Kostenargument gegenüber als nachrangig angesehen wird. Leider ist diese Art von verantwortungslosem Handeln der Entscheider*innen zu den Jülich-Castoren als symbolisch für den Umgang mit der Atommüll-Zwischenlagerung in ganz Deutschland anzusehen. Es gibt keine sinnvolle Planung, wie bis zu einer `Endlagerung‘ mit den strahlenden Hinterlassenschaften möglichst sicher umzugehen ist. Die aktuelle Flickschusterei rund um die bestehenden Lager darf nicht das Konzept für die noch nötige Zwischenlagerzeit bis ins nächste Jahrhundert darstellen! Auch dafür demonstrieren wir am 14. Januar in Ahaus“, ergänzt Helge Bauer von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt.

Weitere Infos: www.sofa-ms.de

Probe-Castorfahrt Jülich–Ahaus: „politisch gescheitert“

NRW-Wirtschaftsministerium muss Uhren auf Null stellen:

Räumungsanordnung in Jülich aufheben

dann Runder Tisch mit allen Verfahrensbeteiligten

neue Proteste für nächsten Probe-Castor 21.11. angekündigt

Angesichts des massiven Polizeieinsatzes auf den Autobahnen zwischen Jülich und Ahaus mit mehreren Dutzend Einsatzfahrzeugen, Polizeihundertschaften sowie Sondereinsatzeinkräften und einem Hubschrauber sehen die Anti-Atomkraft-Initiativen die Testfahrt mit einem leeren Probe-Castor vom Forschungszentrum Jülich zum Brennelemente-Zwischenlager Ahaus politisch als gescheitert.

„Was wir gestern erlebt haben, war ein riesiger Zirkus, der allein dem Zweck diente, eine sichere Atommüllentsorgung vorzutäuschen. Diese gibt es jedoch weder auf der Autobahn noch in Ahaus. Atommüll ist kein Polizeiproblem, sondern muss langfristig und verantwortungsvoll gelöst werden. Und das bedeutet: weitere Lagerung vor Ort in Jülich und Bau eines neuen Zwischenlagers dort. Atommülltransporte verschärfen nur die Probleme, wie sich schon jetzt zeigt.“

Felix Ruwe (BI „Kein Atommüll in Ahaus“)

„Die zuständige NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur muss die Uhren des Verfahrens auf Null stellen und als Erstes die 2014 erteilte Räumungsanordnung für das Jülicher Zwischenlager aufheben. Dann sollte sie alle Beteiligten zu einem Spitzengespräch am Runden Tisch ins Ministerium einladen. Dazu zählen die beteiligten Bundesministerien Umwelt, Finanzen und Forschung, das Forschungszentrum Jülich, aber auch die Städte Jülich und Ahaus. Es ist schleierhaft, warum das in den letzten 15 Jahren nicht ein einziges Mal geschehen ist. Nun wird es dringend Zeit für ein solches Spitzengespräch, bevor ohne Not in NRW ein unsinniges und gefährliches Castor-Chaos auf den Autobahnen angerichtet wird. Jetzt ist die Zeit für eine Kehrtwende und einen Neuanfang.“

Marita Boslar (Aktionsbündnis „Stop Westcastor“)

Trotz mehrerer Versuche der Polizei, eine Beobachtung des Castor-Konvois zu verhindern, gelang den Anti-Atomkraft-Initiativen eine lückenlose Dokumentation der Castor-Strecke: In Jülich ging es ab 22.06 Uhr zunächst über die B56, dann die Autobahnen 44, 46 und 57 und gegen 23.30 Uhr auf der A44 über den Rhein und durch den Düsseldorfer Flughafentunnel. Weiter ging es über die A52 und die A3 nach Duisburg, wo der Castor-Konvoi einen Schlenker zu A59 machte, bevor er zur A3 zurückkam. Gegen 0.45 Uhr erreichte der Leertransport bei Bottrop die A31 und gegen 2 Uhr das Zwischenlager in Ahaus. Dort musste noch mehr als 30 Minuten rangiert werden. Heute Nacht soll der Leer-Castor wieder zurück nach Jülich fahren.

Gestern gab es in Jülich vor dem Forschungszentrum wie schon am Montag eine Mahnwache von Atomkraftgegner:innen. Ebenfalls am Montag hatten in Ahaus Landwirte und Anti-Atomkraft-Initiativen mit einer Trecker-Demo sowie der Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß ihren Unmut deutlich gemacht. Alle Beteiligten rufen zu neuen Protesten auf. Diese sind für die nächste Probe-Castorfahrt am 21. November bereits anvisiert.

Die Anti-Atom-Initiativen weisen zudem darauf hin, dass Castor-Transporte nach Ahaus keinen Sicherheitsgewinn bringen. So gibt es in Ahaus keine Reparaturmöglichkeit für defekte Castoren. Zudem ist vor einer noch immer ungeklärten Endlagerung eine weitere Neuverpackung der rund 300 000 Brennelementkugeln notwendig, die in Ahaus nicht möglich ist. Außerdem läuft die Genehmigung für das Zwischenlager Ahaus schon in 13 Jahren aus und es ist weiterhin eine Klage der Stadt Ahaus gegen die Einlagerungsgenehmigung für die Jülicher Castoren vor dem OVG Münster anhängig.

Castor-Transporte Jülich/Ahaus:

‒ Heute, 6.11.: Mahnwachen in Ahaus und Jülich

‒ Landwirte kommen mit Traktoren

‒ Probe-Castorfahrt am 7./8.11. und am 21./22.11.

‒ „Räumungsanordnung für Jülicher Castoren-Lager zurücknehmen“

Am heutigen Montag, 6. November, protestieren Anti-Atomkraft-Initiativen in Ahaus und Jülich gegen die zwei angekündigten Probe-Castorfahrten vom Forschungszentrum Jülich zum Brennelemente-Lager in Ahaus. In Ahaus startet die Kundgebung um 17 Uhr am Kreisverkehr Legdener Straße/Schumacher Ring. Mehrere Landwirte haben sich mit Traktoren angekündigt. In Jülich beginnt die Mahnwache vor dem Haupttor des Forschungszentrums um 19 Uhr. Auch der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs plädiert für den Verbleib der 152 Castoren in Jülich.

Unterdessen wurde im Ahauser Stadtrat am letzten Donnerstag mitgeteilt, dass die erste Testfahrt mit einem Leer-Castor in der Nacht vom morgigen Dienstag, 7.11., auf Mittwoch, 8.11., stattfinden soll. Mit Beteiligung der Düsseldorfer Atomaufsicht soll dann vom 21. auf den 22. November ein weiterer Probe-Castor rollen.

Erst vor wenigen Tagen war bei einem Gespräch mit NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bekanntgeworden, dass die bisher öffentlich immer als kritisch bezeichnete Erdbebensicherheit für das jetzige Castoren-Lager in Jülich anscheinend schon seit einiger Zeit kein Verfahrenshindernis mehr ist. Die Anti-Atomkraft-Initiativen fordern deshalb, dass die zuständige Ministerin die 2014 erteilte Räumungsanordnung zurücknimmt und stattdessen die Ertüchtigung des jetzigen Lagers sowie den Neubau eines Castoren-Lagers in Jülich entschieden vorantreibt. Die Initiativen weisen darauf hin, dass es in Ahaus keine Reparaturmöglichkeit für defekte Castoren gibt und zudem vor einer noch immer ungeklärten Endlagerung eine weitere Neuverpackung der rund 300 000 Brennelementkugeln notwendig ist, die in Ahaus nicht möglich ist. Außerdem läuft die Genehmigung für das Zwischenlager Ahaus schon in 13 Jahren aus und es ist weiterhin eine Klage der Stadt Ahaus gegen die Einlagerungsgenehmigung für die Jülicher Castoren vor dem OVG Münster anhängig.

„Castor-Transporte nach Ahaus heben die gesetzlich verankerte Verantwortung des Forschungszentrums Jülich für den Atommüll bis zur Endlagerung nicht auf – im Gegenteil: Die Transporte über die Autobahnen von NRW stellen ein enormes, zusätzliches Risiko dar. Wir erwarten von der Landesregierung und der beteiligten Bundesregierung verantwortungsvolles und vorausschauendes Handeln – deshalb müssen die Transportvorbereitungen umgehend abgebrochen werden.“

Felix Ruwe BI „Kein Atommüll in Ahaus“

„Jetzt ist die Zeit für eine Kehrtwende!“

„Der Verbleib der 152 Castoren in Jülich und der Neubau einer Lagerhalle für eine verantwortungsvolle Zwischenlagerung sind die beste Option. Die Eigentümer des Jülicher Atommülls haben diese Option bislang immer hintertrieben. Jetzt ist die Zeit für eine Kehrtwende! Warum wurden insbesondere die Erkenntnisse zur Erdbebensicherheit so lange unter Verschluss gehalten?“

Marita Boslar (Aktionsbündnis „Stop Westcastor“)

Die Initiativen kündigen bereits jetzt zunehmende und entschlossene Proteste an, um die widersinnigen, jahrelangen Castor-Transporte über die Autobahnen von NRW zu verhindern.

Wende im Jülicher-Castor-Streit?

  • NRW-Atomaufsicht und BASE: Keine Erdbebengefahr mehr für Jülicher Castor-Lager!
  • Landesregierung könnte Räumungsanordnung nun aufheben
  • Montag, 6. November: Proteste in Jülich und Ahaus gegen Castor-Probetransport

Jülich/Ahaus, 02.11.2023. Bei einem Gespräch mit Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden teilte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur letzte Woche mit, dass in Bezug auf die Lagerung der 152 Castorbehälter mit 300 000 hochradioaktiven Brennelementen im Jülicher Zwischenlager der Punkt Erdbebengefahr als Verfahrenshindernis anscheinend ausgeräumt werden konnte. Das hatte zuvor auch das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) mitgeteilt. Damit entfällt der Hauptgrund, warum 2014 die unverzügliche Räumung des Jülicher Zwischenlagers angeordnet worden war. Die Anordnung durch die NRW-Atomaufsicht diente vor allem als vorrangiges Argument für den Abtransport der 152 Castoren von Jülich nach Ahaus. Diese gefährlichen Castor-Transporte quer durch NRW haben nun noch weniger als bisher eine Berechtigung. Nach Ansicht der Anti-Atomkraft-Initiativen kann die zuständige NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur nunmehr die bisherige Räumungsanordnung aufheben und sich stattdessen ganz auf den Neubau eines Castor-Lagers in Jülich konzentrieren.

„Es besteht also keine Eile, das Jülicher Zwischenlager zu räumen. Die Gutachten zeigen, dass eine kurzfristige Ertüchtigung des bestehenden Jülicher Castor-Lagers und eine langfristige Lagerung in einem möglichst sicheren Zwischenlager-Neubau möglich sind.“

Marita Boslar (Aktionsbündis „Stop Westcastor“

Unklar ist allerdings noch, wie weit der Genehmigungs-Prozess für den kurzfristigen Weiterbetrieb des Jülicher Zwischenlagers vorangeschritten ist, welche weiteren Unterlagen immer noch nicht von der Jülicher Gesellschaft für Entsorgung von Nuklearanlagen (JEN) eingereicht wurden.

„Wir sind wütend darüber, dass die JEN nur auf den widersinnigen und gefährlichen Abtransport der Castoren nach Ahaus fokussiert ist. Der Neubau eines Zwischenlagers in Jülich wird seit über zehn Jahren hintertrieben und verzögert. Die Verantwortung für die langfristige Lagerung und Vorbereitung des Atommülls für die Endlagerung muss bei den Verursachern in Jülich verbleiben! Deshalb gehen wir am kommenden Montag um 17 Uhr in Ahaus und um 19 Uhr in Jülich erneut mit Mahnwachen auf die Straße.“

Felix Ruwe (BI „Kein Atommüll in Ahaus“)

Wie das BASE der Anti-Atomkraft-Organisation .ausgestrahlt vergangene Woche auf Anfrage mitteilte, ist man bereits 2022 zu der Erkenntnis gekommen, dass die Erdbebensicherheit entgegen früherer Annahmen doch gegeben sei.

„Es ist schier unglaublich mit welcher unverantwortlichen Verschleppungstaktik die JEN seit über zehn Jahren die sichere Lagerung ihres Atommülls boykottiert. Das alles passiert unter den Augen zweier Bundesministerien und eines NRW-Landesministeriums, die Teil des dortigen Aufsichtsrates sind. Selbst nach der Mitteilung des BASE an die JEN 2022, dass die Erdbebensicherheit wohl doch gegeben ist, arbeitet die JEN nicht ausreichend daran, den genehmigungslosen Zustand des bestehenden Zwischenlagers zu beenden. Immer noch fehlen der BASE angemahnte Unterlagen von der JEN. Die NRW-Landesregierung muss dringend Verantwortung im Aufsichtsrat übernehmen, nicht zuletzt um die Aussagen ihres Koalitionsvertrages zur Verhinderung unnötiger Atommüll-Transporte zu erfüllen. Ihrer Aufsichtsrolle gerecht werden müssen auch die drei Bundesministerien, für Umwelt, für Finanzen und für Forschung, die die Option der weiteren Lagerung in Jülich bislang beharrlich ignorieren.“

Helge Bauer (.ausgestrahlt)

„Es muss hier endlich um langfristige, maximale Sicherheit für den hochbrisanten Atommüll gehen – denn auch das Ahauser Zwischenlager hat nur eine Genehmigung bis 2036 und entspricht nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik! Castortransporte nach Ahaus führen also zu einem ähnlichen Desaster wie jetzt in Jülich.“

Kerstin Ciesla (BUND Landesverband NRW)

Die Mahnwachen in Jülich und Ahaus finden am kommenden Montag, 6. November, um 19 Uhr vor dem Forschungszentrum in Jülich und um 17 Uhr am Kreisverkehr Kurt-Schumacher-Ring/Tobit in Ahaus statt. Anlass ist der ab dem 6. November angekündigte 2. Probe-Castortransport von Jülich nach Ahaus mit einem kompletten Leer-Castor.

3. November: Lecomte und Poddig in Jülich

Ein Abend mit den Aktivistinnen Cécile Lecomte und Hanna Poddig

„Atomtransporte stoppen? Weiterhin wichtig und richtig!“

Jülich, 27.10.2023. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac Inde-Rur und das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ laden zu einer Abendveranstaltung mit den Aktivistinnen und Autorinnen Cécile Lecomte und Hanna Poddig in den Jülicher Kulturbahnhof (Bahnhofstraße 13) ein. Die Veranstaltung ist am Freitag, 3. November 2023, im kleinen Saal und beginnt um 19 Uhr. „Warum wir es weiterhin richtig und wichtig finden, Atomtransporte zu stoppen“, erklären Lecomte und Poddig an diesem Abend. Des Weiteren berichten sie über die Notwendigkeit von verschiedenen Formen des Protestes gegen Atomanlagen und Atomtransporte. Der Eintritt ist frei.

Aufgrund ihres Engagements gegen Atomtransporte erhielt Lecomte 2022 den „Nuclear-free Future Award“ – den Ehrenpreis in der Kategorie „Besondere Anerkennung“.

Mit ihren spektakulären Abseilaktionen, hat sie es immer wieder geschafft, die Öffentlichkeit auf die Problematik der Atomkraft aufmerksam zu machen. In der Szene ist sie auch als „Eichhörnchen“ bekannt. Zu den geplanten Castor-Transporten von Jülich nach Ahaus sagt Lecomte:„Die Verschiebung von Atommüll ist keine Lösung. Das ist sinnlos und gefährlich. Kreativer Widerstand ist notwendig.“

Hanna Poddig hat unter anderem „Radikal mutig. Meine Anleitung zum Anderssein“, verfasst. Als Kletteraktivistin war sie für die Umwelt- und Naturschutzorganisation „Robin Wood“ an zahlreichen Aktionen beteiligt, darunter Castor-Blockaden in Gorleben (Wendland).

Weitere Infos:

http://www.eichhoernchen.ouvaton.org/ 

https://de.wikipedia.org/wiki/Hanna_Poddig https://urantransport.de/2017/05/aktivistin-im-knast-wegen-urantransportblockade-2012/

2024: Castor-Transporte Jülich-Ahaus?

Ab 2024 könnten sie rollen, die Castoren mit hochradioaktivem Atommüll vom Zwischenlager Jülich ins Zwischenlager Ahaus. Dabei sind beide Zwischenlager gleichermaßen ungeeignet. Das konzeptlose Verschieben von Atommüll muss deshalb sofort gestoppt werden.

Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus geplant

152 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll sollen ab 2024 vom Zwischenlager Jülich in das Zwischenlager Ahaus verlegt werden. Die Transportgenehmigung ist beantragt und könnte noch 2023 erteilt werden. Die Genehmigung für die Einlagerung in Ahaus liegt bereits vor, wird aber derzeit noch von der Stadt Ahaus beklagt. Die Stadt hat bereits angekündigt, auch gegen die Transportgenehmigung klagen zu wollen.

Trotzdem fanden Ende Juli 2023 erste Test-Transporte mit einem 30 Meter langen Spezialfahrzeug statt.

Zwischenlager Jülich seit 2013 ohne Genehmigung

Im Zwischenlager Jülich lagern die Brennelementkugeln aus dem Reaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR) Jülich. Dieses sorgte 2013 für Schlagzeilen, als die Genehmigung für die dortige Zwischenlagerhalle auslief. Weil die Halle die geltenden Bestimmungen zum Erdbebenschutz nicht erfüllt, wurde die Genehmigung nicht verlängert. Seitdem gilt lediglich eine Anordnung der zuständigen Atomaufsicht – des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums (MWIKE.NRW) – zur Räumung des Lagers und zur vorübergehenden Aufbewahrung der Castor-Behälter vor Ort.

Unter mehreren Ideen, wie mit der Situation umzugehen sei, favorisierte der Betreiber zunächst einen Export des Atommülls in die USA, zum militärischen Nuklearkomplex Savannah River Site (…mehr). Dieser konnte zum Glück verhindert werden. Weitere Möglichkeiten sind ein erdbebensicherer Neubau der Zwischenlagerhalle vor Ort oder der jetzt angedachte Transport in das Zwischenlager Ahaus.

Laut einem Bericht dreier Bundesministerien sollen Atomtransporte nach Ahaus nicht nur kostengünstiger, sondern auch schneller umsetzbar sein als ein Neubau in Jülich. Das jeder Transport von Atommüll eine besondere Gefahr für Umwelt und Mensch beinhaltet, scheint bei dieser eh fragwürdigen Berechnung keine Rolle gespielt zu haben. Die schwarz-grüne Landesregierung von NRW spricht sich jedoch auch weiterhin für den Neubau in Jülich aus. Ein passendes Gelände dafür ist bereits gefunden. Für diesen Fall müsse das Land die Mehrkosten tragen, stellte der Haushaltsausschuss des Bundestags mit den Stimmen der Ampel-Koalition klar. Dabei wäre mehr als genug Zeit gewesen, ein den Anforderungen genügendes Zwischenlager in Jülich zu errichten.

Zwischenlager Ahaus

In Ahaus befindet sich eines von drei zentralen Atommüll-Zwischenlagern in Deutschland. Dort lagert sowohl hochradioaktiver Atommüll als auch schwach- und mittelradioaktiver Atommüll. Die Genehmigung für das Atommüll-Lager in Ahaus läuft allerdings schon in 13 Jahren aus. Niemand weiß, was dann mit den hochradioaktiven Hinterlassenschaften passieren soll.

Darüber hinaus gibt es im Zwischenlager Ahaus keine ausreichende Möglichkeit, defekte Castoren zu reparieren.
 

Bestehende Zwischenlager sind ungeeignet

Ein tiefengeologisches Lager für den Atommüll wird erst im 22. Jahrhundert zur Verfügung stehen. Die Genehmigung für das Zwischenlager Ahaus läuft aus. Außerdem haben die Castoren selbst nur einen TÜV-Stempel für 40 Jahre. Schon jetzt weiß niemand, wie es in ihrem Inneren wirklich aussieht.

Nötig ist deshalb ein schlüssiges, mit den Betroffenen gemeinsam erarbeitetes Gesamtkonzept zur möglichst sicheren Langzeit-Zwischenlagerung von allen Atommüll-Sorten in Deutschland. Bis dahin sollte jeder Müll bleiben, wo er ist. Denn ein wahlloses Herumkarren abgebrannter Brennelemente von einem ungeeigneten Lager in ein anderes löst das Atommüll-Problem nicht.

(Quelle: .ausgestrahlt)