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Jochen Stay ist tot

Ein wunderbarer Mensch und eine große Persönlichkeit der Anti-AKW-Bewegung ist von uns gegangen. Für das Aktionsbündnis unfassbar – wir trauern sehr um einen liebgewonnen Menschen mit großer Charaktergröße: Jochen Stay ist am vergangenen Samstag (15. Januar) verstorben. Wir werden ihn sehr vermissen.

Aktionsbündnis „Stop Westcastor“

(Beitragsbild: Bente Stachowski)

Pressemitteilung

18. Januar 2022 Pressemitteilung von .ausgestrahlt

Jochen Stay ist tot

Der langjährige Anti-Atom-Aktivist Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und Vorstandsmitglied der von .ausgestrahlt initiierten Stiftung Atomerbe, ist tot.

Stay, geboren 1965 in Mannheim, war in den 1980ern zunächst an gewaltfreien Blockaden des Pershing-Depots in Mutlangen beteiligt. Über die Auseinandersetzung um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf stieß er Mitte der 1980er-Jahre zur Anti-Atom-Bewegung. Ab Mitte der 1990er-Jahre organisierte er mit der Kampagne „X-tausendmal quer“ öffentlich angekündigte, gewaltfreie Sitzblockaden gegen Castor-Transporte, an denen sich Tausende beteiligten. 2008 gründete er mit einer Handvoll Mitstreiter*innen die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. Gemeinsam mit dieser machte er die atomkritische Haltung der Mehrheit der Bevölkerung wieder sichtbar und organisierte den Protest gegen die von der schwarz-gelben Bundesregierung betriebene Laufzeitverlängerung für AKW. Stay wurde so zum Sprachrohr von Hunderttausenden von Atomkraftgegner*innen.
 
Einer der Höhepunkte des Protests war die von Stay initiierte 120 Kilometer lange Menschenkette vom AKW Brunsbüttel bis zum AKW Krümmel. 120.000 Menschen formierten sich am 24.04.2010 entlang der Elbe zur längsten Anti-Atom-Demo in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Laufzeitverlängerung konnte das zwar zunächst nicht verhindern. Schon im Jahr darauf jedoch leitete der erneute Protest Hunderttausender nach der Atomkatastrophe von Fukushima Merkels Atomwende ein. Fast die Hälfte der damals noch 17 AKW ging sofort vom Netz. Ende dieses Jahres werden die letzten drei folgen.

Auch der Protest gegen ein Atommüll-Lager im Gorlebener Salzstock, den Stay jahrzehntelang mit prägte, führte 2020 zum Erfolg. Was das aktuell laufende Standortsuchverfahren für ein Atommüll-Lager angeht, so konnte niemand dessen Defizite präziser benennen als er.

Neben seiner Anti-Atom-Arbeit war Stay unter anderem auch bei der in Verden angesiedelten Bewegungsstiftung engagiert. Zahlreiche andere Bewegungen und Kampagnen konnten so von seiner Erfahrung und seinem meist untrüglichen Gespür für politische Gelegenheiten profitieren.

Jochen Stay, der an einer Herzerkrankung litt, ist am Samstag, den 15.01.2022, im Alter von 56 Jahren an seinem Wohnort Suerhop bei Buchholz/Nordheide plötzlich und viel zu früh gestorben. .ausgestrahlt wird die Anti-Atom-Arbeit auch in seinem Sinne weiterführen.

Einen ausführlicheren Nachruf zu Jochen Stay finden Sie auf ausgestrahlt.de/jochen

Atomkraft – nein danke!

In Brüssel wird derzeit um die künftige europäische Energiepolitik gerungen: „Es muss anerkannt werden, dass der fossile Gas- und der Kernenergiesektor zur Dekarbonisierung der Wirtschaft der Union beitragen können“, heißt es in einem Brüsseler Entwurfspapier, der in der Neujahrsnacht an alle 27 EU-Staaten geschickt wurde. Welche Position Deutschland einnimmt, ob – vor allem – die Atomkraft als „nachhaltig“, also förderungswürdig angesehen wird, sieht die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg als „Realitätscheck“ für die Ampelkoalition.  

Selbst wenn die Atomkraft nur als Übergangs- und Brückentechnologie gesehen würde, würde aus Sicht der BI diese Brücke nicht tragen, denn bis neue Atomkraftwerke fertig sind, gingen viele Jahre ins Land: „Zeit, die man in der Klimakrise nicht verplempern darf.“ Verbunden damit seien immense Kostensteigerungen. Der Block 3 im finnischen Olkiluoto ist seit dem 12. August 2005 im Bau und soll nach 17 Jahren Bauzeit Anfang des Jahres mit der Stromproduktion beginnen. Errichtet wird der „Reaktor neuen Typs“, der EPR, von der französischen Firma Areva und von Siemens. Der Preis schoss von 3 Milliarden Euro auf 8,4 Milliarden in die Höhe.

Beim einzigen Reaktor, der in Frankreich in Bau ist, explodieren die Kosten ebenfalls. Ursprünglich sollte der „EPR“ in Flamanville 3,5 Milliarden Euro kosten und nach 4,5 Jahren Bauzeit den Betrieb aufnehmen. Bisher haben sich die Gesamtkosten auf 12,4 Milliarden Euro erhöht. Der französische Rechnungshof geht davon aus, dass die Gestehungskosten um weitere 6,7 Milliarden Euro auf dann circa 19,1 Milliarden steigen könnten. Die Bauzeit wird neuerdings mit 15 Jahren angegeben.

„Das Prädikat „nachhaltig“ verbietet sich schon deshalb, weil die Risiken der Atommülllagerung nicht vom Tisch gewischt werden können“, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Auch hier komme es zudem zu einer Kostenlawine: die französische Betreibergesellschaft ANDRA schätzt, die Kosten für die Endlagerung könnten sich auf 31 Milliarden Euro aufsummieren. Ehmke: „Das scheint aus der Luft gegriffen. Zum Vergleich: Bis zum Jahr 2099 könnten sich die Kosten für die nukleare Entsorgung in Deutschland auf 182 Milliarden Euro summieren, errechneten die Wirtschaftsprüfer Warth & Klein Grant Thornton – bei einem viel kleineren Reaktorpark als in Frankreich.“
Von Wirtschaftsminister Robert Habeck und seiner Amtskollegin, Umweltministerin Steffi Lemke, erwartet die BI Gegenwehr und notfalls, wie von Österreich bereits angedroht, eine Klage gegen die EU-Verordnung.  

Quelle: Pressemitteilung Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow – Dannenberg e.V. 

Vor 40 Jahren: erste Baugenehmigung für Gronauer UAA

Silvester vor 40 Jahren: Land NRW erteilte erste Baugenehmigung für Gronauer Atomfabrik

Initiativen, BBU und IPPNW fordern sofortige Stilllegung!

Pressemitteilung
(Gronau, Düsseldorf, Berlin, 30.12.2021) Zum Jahreswechsel haben Bürgerinitiativen aus mehreren Bundesländern, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) sowie die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) die sofortige Stilllegung der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau (NRW) gefordert. Aktueller Anlass der Forderung ist der 40. Jahrestag der Erteilung der ersten Baugenehmigung der bis heute umstrittenen Uranfabrik am Silvestertag 1981.
Die Initiativen und Verbände kritisieren, dass trotz beschlossenem Atomausstieg in Gronau weiterhin ohne jegliche Laufzeitbegrenzung Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken in aller Welt vorbereitet werden darf. 2022 werden weitere Proteste gegen die Gronauer Uranfabrik durchgeführt, zum Beispiel Karfreitag ein Ostermarsch.

Gegen den Bau der Urananreicherungsanlage, die vom Urenco-Konzern betrieben wird, wurden in den 1970er Jahren etwa 7000 Einsprüche bei den zuständigen Genehmigungsbehörden eingereicht. Diese wurden dann im Mai 1981 in einem Erörterungstermin behandelt, der ohne Not zeitgleich mit dem Erörterungstermin zum Bau des Atomkraftwerkes Lingen 2 durchgeführt wurde. Personen, die gegen beide Atomanlagen Einsprüche erhoben hatten, konnten nicht an beiden Erörterungen teilnehmen.

Störfälle und Atommüll: Bedenken von 1981 auch heute noch aktuell

Schon direkt nach der Erteilung der ersten Baugenehmigung am 31.12.1981 unter der Regie des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau – es folgten bis 2005 mehrere Ausbaugenehmigungen – forderte der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau von den damaligen NRW-Genehmigungsbehörden (Gesundheitsministerium NRW und Wirtschaftsministerium NRW) die Rücknahme der Genehmigung. Zur Begründung wurde betont, dass sich in der Anlage Störfälle ereignen können, dass die Anlage militärisch genutzt werden könnte und dass die Entsorgung des Atommülls nicht gesichert ist. „Die Bedenken von damals sind heute immer noch aktuell – ja, sie sind sogar noch gravierender. Es gab mehrere Störfälle in der Anlage, das Atommüllproblem ist weiterhin ungelöst und auch die Relevanz der Urananreicherung für militärische Atomprogramme lässt sich nicht leugnen“, betont der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau. Der AKU Gronau engagiert sich nach wie vor gemeinsam mit Initiativen und Verbänden aus NRW, aus dem Bundesgebiet und auch aus anderen Ländern wie Niederlande, Russland und Japan für die Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage.


Weitere Proteste geplant – Karfreitag wieder Ostermarsch zur UAA Gronau

Gegen den Bau und Betrieb der Gronauer Urananreicherungsanlage fanden und finden immer wieder unterschiedliche Protestaktionen statt. Die größte Demonstration gegen die Anlage wurde 2011, wenige Wochen nach der Atomkatastrophe in Fukushima (Japan), organisiert. Ein Ostermarsch führte rund 15.000 Menschen von der Gronauer Innenstadt zur Urananreicherungsanlage. Und seit Ende 1986 finden immer am ersten Sonntag im Monat Sonntagsspaziergänge an der Anlage statt. Traditionell werden sich wohl auch am 2.1.22 um 14 Uhr Mitglieder mehrerer Anti-Atomkraft-Initiativen an der Urananreicherungsanlage treffen. Fast genau 40 Jahre nach der Erteilung der ersten Baugenehmigung.
„Vor 40 Jahren hat wohl kaum jemand vermutet, dass der Protest gegen die Urananreicherung in Gronau so langlebig sein wird. Und es wird weiterhin konsequent von der NRW-Landesregierung, aber auch von der neuen Bundesregierung, die Stilllegung des Gronauer Uranmonsters eingefordert. Rechtsgutachten belegen, dass die Stilllegung durchgesetzt werden kann“, so der AKU Gronau.

Und der nächste größere Protesttermin steht auch bereits fest: Karfreitag soll wieder im Schulterschluss mit der Friedensbewegung ein Ostermarsch zur Gronauer Uranfabrik führen.

Unterstützende Initiativen:

  • Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich
  • Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
  • AKW-NEE-Gruppe Aachen
  • AntiAtomBonn
  • Anti-Atom-Büro Hamburg
  • Arbeitskreis gegen Atomanlagen Frankfurt am Main
  • Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
  • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) Bündnis AtomkraftgegnerInnen im Emsland (AgiEL)
  • Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“
  • Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
  • Deutsche Sektion der Internationalen Ärztinnen für die Verhütung des Atomkrieges/Ärztinnen in sozialer
  • Verantwortung (IPPNW)
  • Elternverein Restrisiko Emsland
  • Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG) SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
  • Wolfenbütteler Atom(undKohle)AusstiegsGruppe

Kontakt: Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, 02562-23125


Weitere Informationen:
https://bbu-online.de, https://www.ippnw.de, https://sofa-ms.de,
https://urantransport.de, https://www.westcastor.org, https://aabhh.noblogs.org,
https://atomstadt-lingen.de, https://www.bi-ahaus.de, https://www.bi-luechow-
dannenberg.de
, https://waagwf.wordpress.com, https://ostermarsch-gronau.de,
http://www.antiatombonn.de

Endlagersuche – ein Resümee

(Bild: pixabay.com)

Pressemitteilung: BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

Unter dem Titel „Wie verlief die Fachkonferenz Teilgebiete? Wie steht es um die Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Endlagersuche?“, möchte die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ein Resümee ziehen. Geplant war das als Präsenzveranstaltung in einem Gasthof. Die geladenen Gäste – Bettina Gäbel und Svenja Fassbinder – müssten dafür aus Bayern anreisen: Mit Blick auf die Pandemie, so wurde nun entschieden, sei das nicht vertretbar. Deshalb wird diese Veranstaltung lediglich als Zoom-Konferenz stattfinden.

Beide Frauen waren als gewählte Bürger:innen in der Vorbereitungsgruppe der Fachkonferenz vertreten und konnten so tiefe Einblicke gewinnen. Hinzu kommen Asta von Oppen aus Gartow, die vor kurzem wie auch Bettina Gäbel in einen neue Beratungs- und Vorbereitungsgruppe gewählt wurde, die die Öffentlichkeitsbeteiligung bei den Auswahlschritten der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) gewährleisten soll, und Wolfgang Ehmke. Der BI-Sprecher hatte im Rahmen der Fachkonferenz einen Antrag erarbeitet, der darauf zielte, die Öffentlichkeitsbeteiligung über die nächsten Monate und Jahre hinaus zu implementieren. Der Grund: gerade in der Phase, in der die BGE von über 50 Prozent der Landesfläche nun den Fokus auf nur wenige Standortregionen richten muss, war keine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen.  

„Wir erwarten uns von diesem Austausch mit den „Insidern“ fundierte Einblicke in die anstehende Arbeit“, so die BI.

Es bleibt bei der bisher angekündigten Zeit, Samstag den 4. Dezember 15.30 Uhr.

Allerdings ist jetzt eine Anmeldung für die Zoom-Konferenz nötig: unter buero@bi-luechow-dannenberg.de.

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow – Dannenberg e.V. 
Rosenstr. 20 
29439 Lüchow
http://www.bi-luechow-dannenberg.de
Büro: Tel: 05841- 4684 Fax: -3197 
buero@bi-luechow-dannenberg.de  

Kein grüner Anstrich für Atom und fossiles Gas

Gemeinsame Pressemitteilung von .ausgestrahlt, BUND, Bürgerbewegung Finanzwende, Umweltinstitut München und urgewald

Kein grüner Anstrich für Atom und fossiles Gas

Zivilgesellschaft fordert von Olaf Scholz sofortige Intervention bei der Europäischen Kommission

Mit einer Aktion vor der SPD-Zentrale fordern .ausgestrahlt, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), urgewald, das Umweltinstitut München, die Bürgerbewegung Finanzwende und weitere Organisationen Olaf Scholz auf, sich sofort bei der Europäischen Kommission gegen die Einstufung von Atomkraft und fossilem Gas als nachhaltige Investition stark zu machen. Das zivilgesellschaftliche Bündnis richtet einen klaren Appell an den Kanzler in spe und kommissarischen Finanzminister Olaf Scholz. Hintergrund ist die Ankündigung von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, noch in diesem Jahr die ausstehende Einstufung von Atomkraft und Gas vorlegen zu wollen. Durch die sogenannte „EU-Taxonomie“ wird definiert, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig gelten und damit durch grüne Finanzprodukte finanziert werden können.

Das zivilgesellschaftliche Bündnis fordert Olaf Scholz auf, bei Ursula von er Leyen sofort zu intervenieren. Er soll eine Vertagung der Entscheidung über die ausstehende Einstufung von Atomkraft und Gas erwirken, bis die Regierungsbildung in Deutschland abgeschlossen ist. Nur so kann Deutschland sinnvoll an der Entscheidung mitwirken.

Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin: „Atomkraft und fossiles Gas sind keine Zukunftstechnologien und dürfen nicht als grüne Investitionen eingestuft werden. Dies wäre nicht nur für die deutsche, sondern auch für eine europäische Energiewende eine fatale Weichenstellung. Olaf Scholz ist designierter Kanzler und muss deutliche Signale nach Brüssel senden. Das Vorgehen der EU-Kommission ist Greenwashing und gefährdet die Glaubwürdigkeit des Green Deals.“

Jochen Stay, Pressesprecher von .ausgestrahlt: „Atomkraft ist eine Hochrisikotechnik und ist genau wie klimaschädliches fossiles Gas alles andere als nachhaltig. Mit einem Ökolabel für Atom und Gas wären Taxonomie und Europäischer Green Deal gescheitert. Ein Kuhhandel zwischen Frankreich und Deutschland würde viel Schaden anrichten.“

Daniel Mittler, Geschäftsführer der Bürgerbewegung Finanzwende: „Atomkraft würde jegliche Glaubwürdigkeit eines Ökolabels für Finanzprodukte zerstören. Für deutsche Anlegerinnen und Anleger wäre der europäische Standard wertlos. Mit einem grünen Persilschein für Atomkraft würde die EU-Kommission hinter etablierten öffentlichen und privaten Standards zurückbleiben.“

Dr. Hauke Doerk, Referent für Radioaktivität des Umweltinstituts München e.V.: „Die von der EU-Kommission eigens eingesetzte technische Expertengruppe hat auf wissenschaftlicher Basis Atomenergie aus der Taxonomie ausgeschlossen. Es ist absurd, die Kriterien für nachhaltige Finanzen aufzuweichen, nur weil Lobbyisten einfallen oder manche Länder ihre Investitionen in Atomkraft oder fossiles Gas grün anstreichen wollen.“

urgewald-Campaignerin Regine Richter: „Die EU-Kommission darf dem Druck von Atom- und Gaslobby und nationalen Einzelinteressen nicht nachgeben. Europa braucht eine ambitionierte Taxonomie, damit der Finanzmarkt vom Problem zu einem Teil der Lösung wird.“

Hintergrund:

Am 22. Oktober hat EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen über Twitter angekündigt, schon bald die ausstehenden delegierten Rechtsakte zur Einstufung von Atomkraft und Gas im Rahmen der EU-Taxonomie vorlegen zu wollen. Die Taxonomie definiert, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig gelten und damit durch grüne Finanzprodukte finanziert werden können. Derzeit drängt Frankreich stark auf eine Einstufung von Atomkraft als „nachhaltig“. Deutschland soll sich Berichten zufolge für fossiles Gas einsetzen.
Damit würde die EU-Kommission das derzeit in Deutschland herrschende Machtvakuum ausnutzen und die künftige Bundesregierung von einer folgenschweren Entscheidung ausschließen – gegen den erklärten Willen der Koalitionäre in spe, die sich in aktuellen Texten explizit gegen die Aufnahme von Atom und Gas in die Taxonomie aussprechen. Ist der delegierte Rechtsakt einmal vorgelegt, könnte nur eine qualifizierte Mehrheit im EU-Parlament oder im Rat ihn ablehnen. Dies gilt aber als unwahrscheinlich.

Eine Einstufung von Atom als „nachhaltig“ würde der Glaubwürdigkeit der Taxonomie in Deutschland enorm schaden. Schließlich sagen 82 Prozent der Bevölkerung laut einer repräsentativen Umfrage, dass Atomkraft für sie in keine nachhaltige Geldanlage gehört.


Unterstützende Organisationen
350.org Deutschland
Anti-Atom-Berlin
IPPNW
GLOBAL 2000/Friends of the Earth Austria
Initiative Klimascheinlösungen
EWS Schönau

Demo gegen Atomkriegsmanöver

Friedensbewegung demonstriert am 9. Oktober in Nörvenich

Jedes Jahr Mitte Oktober übt die Bundeswehr mit dem Manöver „Steadfast Noon“ den Atomkrieg. Das Manöver wird als NATO-Übung unter Beteiligung der USA und der europäischen Staaten der nuklearen Teilhabe durchgeführt. Bundeswehrsoldaten trainieren, die US-Atombomben an ihre Trägerflugzeuge zu montieren und die Bomben in die Zielgebiete zu werfen. Die Übung unterliegt strenger Geheimhaltung, so dass sie immer erst nach ihrem Beginn öffentlich bekannt wird.

Erstmals gibt es in diesem Jahr am 9. Oktober vor Manöverbeginn eine Demonstration in Nörvenich mit dem Motto „Atomkriegsmanöver 2021 absagen!“ Nach einer Kundgebung mit Rede- und Kulturbeiträgen am Schloss um 12 Uhr werden die Demonstrierenden anschließend bis zum Fliegerhorst „Oswald Boelcke“ zu einer Abschlussaktion gehen. Hier soll auch die Umbenennung der Oswald-Boelcke-Allee thematisiert werden. Bei der Kundgebung werden unter anderem Pfarrerin Susanne Rössler aus Düren, Angelika Claußen vom IPPNW-Vorstand sowie Ludo De Brabander von der belgischen Friedensbewegung sprechen.

Die veranstaltenden Gruppen, unter anderem die FriedensGruppe Düren, das Antikriegsbündnis Aachen, die DFG-VK NRW und die Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“, fordern den Stopp des Manövers, den Abzug aller Atomwaffen aus Büchel, die Beendigung der „Nuklearen Teilhabe“ und den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag. Über 30 Friedensgruppen und über 50 Einzelpersonen unterstützen den Aufruf.

Obwohl die der deutschen nuklearen Teilhabe zugeteilten US-Atombomben in Büchel lagern, war Nörvenich schon letztes Jahr in das Atomkriegsmanöver involviert. Da der Fliegerhorst Büchel im Zeitraum von 2019 bis 2026 für knapp 260 Millionen Euro modernisiert wird, unter anderem um für die neuen zielgenaueren B61-12 Atombomben gerüstet zu sein, gilt Nörvenich als Ausweichstandort für die Tornado-Atombomber.

„Die Bundeswehr darf sich an dem Atomkriegsmanöver nicht beteiligen, weil es deutschen Soldaten völkerrechtlich verboten ist, Atomwaffen einzusetzen“, so Martin Singe für die Veranstalter-Gruppen. Er betont: „Die Bundesregierung widersetzt sich vorsätzlich und wissentlich dem verbindlich geltenden humanitären Völkerrecht. Rechtswidrige Befehle dürfen weder erteilt noch befolgt werden.“

Die Bürgerinnen und Bürger der gesamten Region – sie wären die ersten Opfer im Falle einer kriegerischen Auseinanderserzung – sind eingeladen, sich an der Demonstration zu beteiligen. Ein Shuttleservice ist eingerichtet. Um 11.30 Uhr fährt vom Bahnhof Düren ein Sonderbus zum Kundgebungsort in Nörvenich (Schloss), nach dem Aktionsabschluss am Fliegerhorst fährt der Bus zurück über Nörvenich nach Düren.

(Quelle: Pressemitteilung „Friedensgruppe Düren„)

Mahnwache vor dem ETC in Jülich

Torpediert das Unternehmen den angeblichen Atomausstieg?

Jülich, 14.09.2021. “Der Atomausstieg ist beschlossen, aber …“ – unter diesem Motto steht die Aktion des Bündnisses „Stop Westcastor“ am 18. September 2021 in Jülich.

Treffpunkt ist um 12 Uhr an der Bahnhaltestelle „Forschungszentrum Jülich“. Von dort gehen die Aktivisten zur Enrichment Technology Company (ETC) mit einem Zwischenstopp vor dem Forschungszentrum und anschließender Mahnwache vor dem ETC.

Mit dieser Aktion wollen sie kurz vor der Bundestagswahl ein deutliches Zeichen setzen.

In ihrem Aufruf fordern die Aktivisten des Aktionsbündnisses unter anderem die Forschung zu neuen Reaktoren und zu neuem AKW-Brennstoff einzustellen. Marita Boslar („Stop Westcastor“): „Es fließen noch immer Gelder in die Forschung und Entwicklung gefährlicher Atom- und Reaktortechnologien. Die Finanzierung  mit öffentlichen Mitteln jeglicher Atomforschung muss umgehend gestoppt werden.“ Des Weiteren fordern die Aktivisten die Vorbereitungen für einen Transport von Atommüll aus Jülich und Ahaus in die USA zu stoppen. „Der Export der 152 Jülicher und aller 457 Castoren mit Kugelbrennelementen stellt eine sehr teure Verlagerung des Atommüll-Problems dar. Zudem ist die Aufarbeitung der Brennelemente in den USA sicherheitstechnisch sehr problematisch.“ (Marita Boslar)

Die Aktion endet mit einer Mahnwache vor dem ETC. Das Tochterunternehmen des Urenco-Konzerns und des französischen Atomkonzerns Orano erforscht und entwickelt Zentrifugen für Urananreicherungsanlagen. Urenco betreibt unter anderem auch die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Dort wird das Uran für den Betrieb in AKWs angereichert.

Marita Boslar: „Da die Anlage eine unbefristete Betriebsgenehmigung hat, torpediert das in Jülich ansässige Unternehmen den angeblichen Atomausstieg.“

„Der Atomausstieg ist beschlossen, aber…“

…unter diesem Motto steht unsere Aktion am 18. September 2021 in Jülich zur anstehenden Bundestagswahl.

Treffpunkt: Bahnhaltestelle „Forschungszentrum Jülich“ gegen 12 Uhr von dort gehen wir zum Enrichment Technology Company (ETC)

Zwischenstopp vor dem Forschungszentrum und anschließende Mahnwache vor dem ETC

Mit dieser Aktion wollen wir kurz vor der Bundestagswahl ein deutliches Zeichen setzen.

Gefordert wird:

Alle noch laufenden AKWs müssen sofort abgeschaltet werden – nicht erst 2022!

Die noch laufenden 6 AKWs stellen – auch für einige hundert Tage – ein nicht hinnehmbares Risiko dar. Mit zunehmendem Alter werden die Alt-Reaktoren störanfälliger. Neckarwestheim-2, der jüngste unter den Reaktoren, hat schon 30 Jahre auf dem Buckel!

Die Atomfabriken in Gronau und in Lingen stilllegen – damit der Atomausstieg vollständig ist!

Beide verfügen über unbefristete Betriebsgenehmigungen: Die Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW) und die Brennelementefabrik in Lingen (Niedersachsen). Sie versorgen AKWs  weltweit mit Uranbrennstoff.

Forschung zu neuen Reaktoren und zu neuem AKW-Brennstoff einstellen!

Es fließen noch immer Gelder in die Forschung und Entwicklung gefährlicher und umweltschädlicher Atom- und Reaktortechnologien.

Keine unnötigen Atomtransporte!

Bis es ein Endlager gibt, muss jeglicher Atommüll (schwach- mittel- und hochradioaktiv) am Standort der Atomanlage zwischengelagert werden. Die Konditionierung und Bearbeitung der Materialien muss beim Rückbau der Atomanlage am jeweiligen Standort geschehen.

Kein Export von Atommüll!

Die Vorbereitungen und Planungen von Atommüll aus Jülich und Ahaus in die USA müssen gestoppt werden! Der Export der 152 Jülicher und aller 457 Castoren mit Kugelbrennelementen stellt eine sehr teure Verlagerung des Atommüll-Problems dar. Zudem ist die Aufarbeitung der Brennelemente in den USA sicherheitstechnisch sehr problematisch.

In Jülich ist die Enrichment Technology Company (ETC) ansässig, ein Tochterunternehmen des Urenco-Konzerns und des französischen Atomkonzerns Orano. Die ETC erforscht und entwickelt Zentrifugen für Urananreicherungsanlagen. Urenco betreibt unter anderem auch die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau.

Dort wird das Uran für den Betrieb in AKWs angereichert, gleichzeitig gilt diese Technologie als Schlüssel zur Atombombenherstellung. Damit konterkariert das in Jülich ansässige Unternehmen nicht nur den angeblichen Atomausstieg, sondern steigert durch technische Entwicklungen die Gefahr der Verbreitung von Atomwaffen am Weltmarkt.

Aktion am Samstag, 18. September 2021

Treffpunkt: 12 Uhr Bahn-Haltestelle Forschungszentrum (Waldstraße / Wilhelm-Johnen-Straße)

 Von dort zum Haupttor des Forschungszentrums und dann zum ETC.

Aufgrund der Corona-Pandemie gilt für die  Versammlung eine durchgängige Masken- und Abstandspflicht.

 … weitere Infos: https://aapk.infoladen.de/

Nach Gorleben auch Schacht KONRAD aufgeben!

Mobile Atomaufsicht am Schacht KONRAD
Freitag, 13. August 16.00 Uhr

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg und die Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD laden gemeinsam zur Mobilen Atomaufsicht am Freitag, den 13. August am Schacht KONRAD ein.

Nach dem Aus für das Endlagerprojekt am Standort Gorleben machen Umwelt- und Anti-Atom-Initiativen Druck: Das ausgediente Erzbergwerk dürfe aus Sicherheitsgründen nicht zu einem Atommülllager werden. Dort sollen rund 300.000 Kubikmeter schwach- und mittelaktive Abfälle gelagert werden.

Der Schacht KONRAD war ebenso wenig wie der Salzstock Gorleben-Rambow ein Ergebnis eines seriösen vergleichen Suchverfahrens. Im Juni haben die Umweltverbände BUND und Nabu beim niedersächsischen Umweltministerium einen Antrag auf Widerruf des Planfeststellungsbeschlusses zum Schacht KONRAD eingereicht. Mit einer Unterschriftenkampagne sollen die Forderungen untermauert werden.  

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, der bereits 1982 bei der ersten KONRAD-Schachtbesetzung mit dabei war: „Niemand würde heute ein ausgedientes Bergwerk für die Atommülllagerung nutzen. Es liegt auf der Hand, jetzt einen endgültigen Schlussstrich unter die Atommüllpolitik der 1970er Jahre zu ziehen. Der lange Atem der Widerständler/innen im Wendland und im Braunschweiger Land macht es möglich, die überfällige Kurskorrektur zu vollziehen und auch den Schacht KONRAD endlich aufzugeben.“

Beginn der Aktion ist um 16.00 Uhr direkt am Schacht KONRAD

Quelle: Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg