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Urenco erweitert Urananreicherung

(Beitragsbild: Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)

Deutschland & Vereinigtes Königreich: Urenco erweitert Urananreicherung

Bündnis warnt vor Plänen des Unternehmens

Bündnis-Pressemitteilung vom 24. Januar 2024

Wirtschaftsministerium Düsseldorf zu Urananreicherungsanlage Gronau:

neuer Genehmigungsantrag mit kontaminierten Uran-Zentrifugen

― „nuklearen Inbetriebnahmeverfahren“ für Uranoxid –

Zwischenlager

Britische Regierung:

― höherer Urananreicherungsgrad bei Urenco UK geplant   – militärische Interessen?

― Urenco-Technologie-Töchter in Gronau und Jülich (ETC)  involviert?

Das für die Atomaufsicht zuständige NRW-Wirtschaftsministerium gab bei einem Treffen mit Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden bekannt, dass der in Gronau ansässige Urananreicherer Urenco zu Jahresbeginn offiziell den Bau einer Lagerhalle für radioaktiv kontaminierte Uran-Zentrifugen beantragt hat. Die Halle soll auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage Gronau entstehen. Die Düsseldorfer Atomaufsicht prüfe nun unter anderem, ob es eine Öffentlichkeitsbeteiligung mit Einspruchsmöglichkeiten geben wird. Zudem teilte das Ministerium mit, dass derzeit das „Aufsichtsverfahren zur nuklearen Inbetriebnahme“ der bereits 2014 fertig gestellten Lagerhalle für knapp 60 000 Tonnen Uranoxid laufe. Das würde die Lagerkapazitäten für die Uranabfälle aus der Urananreicherung in Gronau mehr als verdoppeln. Bislang gibt es in Gronau eine Freilagerfläche für fast 40 000 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid. Die Initiativen und Verbände fordern hingegen die Stilllegung der Urananreicherungsanlage im Rahmen des Atomausstiegs.

Interessanterweise hat Urenco den im letzten Jahr bereits angekündigten Bau eines zusätzlichen „Reststoffbearbeitungszentrums“ für die radioaktiv kontaminierten Uran-Zentrifugen noch nicht in Düsseldorf beantragt. Gründe dafür wurden nicht genannt.

Alarmiert sind die Initiativen und Verbände zudem über eine aktuelle Meldung der britischen Regierung: Diese will am Urenco-Standort Capenhurst bei Liverpool Kapazitäten für deutlich höher angereichertes Uran, sogenanntes HALEU, aufbauen. HALEU liegt mit einem Anreicherungsgrad von 19,75 Prozent Uran 235 hauchdünn unter der Grenze zum hochangereicherten Uran. Unter anderem Atom-U-Boote und andere Militäreinheiten können zukünftig mit diesem HALEU für Modulreaktoren versorgt werden. Zivile Atomkraftwerke benötigen nur einen Anreicherungsgrad von 3 bis 5 Prozent Uran 235.

Für die Entwicklung von neuen Kernbrennstoffen und Uran-Zentrifugen, diefür die HALEU-Produktion notwendig sind, ist bei Urenco die Tochter UTD (Urenco Technology & Development) in Gronau sowie die ETC (Enrichment Technology Company) in Jülich zuständig. Bei dem Treffen in Düsseldorf wurde den Anti-Atomkraft-Organisationen mitgeteilt, dass die Atomaufsicht für diesen Teil der Urenco-Tätigkeiten nicht zuständig sei. Dazu ist nun eine Anfrage an das Bundesumweltministerium in Vorbereitung.

„Die atomaren Pläne von Urenco sind beunruhigend. Wir wollen keinen Ausbau der Urananreicherungsanlage, sondern deren Stilllegung. Und wir sind extrem beunruhigt, dass die Urenco-Töchter in Gronau und Jülich in Pläne verwickelt werden könnten, sich auch an militärischen Uran-Projekten zu beteiligen. Wir fordern hier von der NRW-Landesregierung, aber natürlich auch von der Bundesregierung klare Auskünfte und ein Veto“, so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau und Vorstandsmitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

„Weitgehend unbeachtet von der deutschen Öffentlichkeit treiben Atommächte wie Großbritannien, aber auch Frankreich und die USA ihre Pläne voran, höher angereicherte, kompaktere Kernbrennstoffe herzustellen, die dann auch militärisch genutzt werden können. Die Bundesregierung muss verhindern, dass sich auch Urenco-Töchter in NRW insgeheim an solchen Vorhaben beteiligen. Denn dann wäre Urenco kein ziviles Unternehmen mehr. Die alarmierenden Pläne zeigen zudem, wie wichtig es ist, den Atomausstieg zu vollenden und auch die Urananreicherung komplett aufzugeben“, so Dr. Angelika Claussen, Europa-Vorsitzende der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW.

Zum Hintergrund:  

Urenco ist ein trinationales Unternehmen. Jeweils ein Drittel gehören dem britischen und niederländischen Staat. Das deutsche Drittel teilen sich RWE und E.ON. Im Rahmen des Staatsvertrags von Almelo üben die britische, die niederländische und die deutsche Regierung gemeinsam die politische Aufsicht über Urenco aus, weil die für die Urananreicherung verwendete Zentrifugentechnologie als ein Schlüssel zum Bau von Atombomben gilt. Alle Anteilseigner und jede der drei Regierungen – also auch die Bundesregierung – besitzen ein Vetorecht, um politisch unerwünschte Entscheidungen zu verhindern.

Urananreicherung wird mit dem Stoff Uranhexafluorid (UF6) betrieben. Angereichertes UF6 dient als Grundlage zur Brennelementeproduktion, abgereichertes UF6 wird weltweit primär einfach nur als „Reststoff“ gelagert. In Gronau findet dies ungeschützt unter offenem Himmel statt. Zur langfristigen Lagerung hat die NRW-Landesregierung eine Umwandlung in den chemisch stabileren Stoff Uranoxid (U3O8) vorgeschrieben. Dies hat Urenco bislang jedoch weitgehend vermieden, weil Uranoxid mit großer Sicherheit als Uranmüll eines Tages sicher endgelagert werden muss. Eine solche Endlagerstätte gibt es bislang bekanntlich nicht.

Die Dekonversionsanlagen zur Umwandlung von Uranhexafluorid in Uranoxid befinden sich in Frankreich und Großbritannien. Ob und in welchem Maße Urenco dort schon abgereichertes UF6 aus Gronau in Uranoxid hat umwandeln lassen, wollte das Ministerium bei dem jetzigen Treffen nicht mitteilen. Bis 2020 verfolgte Urenco den Export von abgereichertem UF6 nach Russland als kostengünstige Möglichkeit, sich der atomaren Abfälle in Gronau zu entledigen. Dagegen hatte es jahrelang immer wieder Proteste in Deutschland, den Niederlanden und in Russland gegeben.

Verwendete Quellen:

https://www.gov.uk/government/news/uk-invests-in-high-tech-nuclear-fuel-to-push-putin-out-of-global-energy-market

https://www.gov.uk/government/publications/nuclear-fuel-fund-nff-projects-awarded-funding/nuclear-fuel-fund-successful-projects

https://world-nuclear-news.org/Articles/UK-to-launch-HALEU-production-programme


Das Bündnis:
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen | Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau | Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich | IPPNW | Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)

Pressespiegel: WDR5 Stadtgespräch

„Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus? – Wohin mit unserem Atommüll?

© WDR

WDR war vor Ort und sendete live aus dem Technologiezentrum Jülich

Aachener Zeitung / Ausgabe Düren & Jülich

https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region-dueren/juelich/polizei-castorentransporte-nicht-vor-oktober-moeglich/7388056.html

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Lokalzeit Aachen (18.01.2024) ab 6:02 bis 9:38

https://www.ardmediathek.de/video/lokalzeit-aus-aachen/lokalzeit-aus-aachen-oder-18-01-2024/wdr-aachen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNTAyZjFlYzMtMTc4OC00MmQzLWE0YTMtYWYxMmQ5ZmQwODkx

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Stadtgespräch auch als Podcast  (Download)

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/stadtgespraech/castor-behaelter-atommuell-100.html

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-stadtgespraech/audio-stadtgespraech-aus-juelich-wohin-mit-unserem-atommuell-100.html

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Presse zu PM / Ministerium Düsseldorf

https://www.radiorur.de/artikel/diskussion-um-castor-transport-1879051.html

Initiativen: Atomgespräche im Wirtschaftsministerium

(Beitragsbild: pixabay.com)

Freitag, 19. Januar, Wirtschaftsministerium Düsseldorf: Anti-Atom-Initiativen eingeladen zu Atomgesprächen

Themen:

― Verhinderung Castor-Transporte Jülich-Ahaus

― Stilllegung Urananreicherungsanlage Gronau (Westf.)

Auf Anfrage des Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen hat das für die Atompolitik zuständige NRW-Wirtschaftsministerium mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände für den morgigen Freitag, 19. Januar, zu einem atompolitischen Fachgespräch ins Ministerium nach Düsseldorf eingeladen. Es ist dies das erste derartige Treffen seit mehr als sieben Jahren.

Aus Sicht der Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände wird es dabei konkret um die Verhinderung der für 2024 geplanten Castor-Atommüll-Transporte mit rund 300 000 hochradioaktiven Brennelementkugeln über die NRW-Autobahnen von Jülich nach Ahaus gehen. Dazu hatten am Sonntag in Ahaus bereits 320 Atomkraftgegner*innen mit 50 Traktoren demonstriert. Die Stadt Ahaus klagt zudem vor dem Oberverwaltungsgericht Münster.

Zweites Thema werden die Perspektiven für eine Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau (Westfalen) sein. Diese wurde vom Atomausstieg ausgenommen und soll derzeit sogar noch mit Bereichen zur Verarbeitung und Lagerung von verstrahlten Uran-Zentrifugen ausgebaut werden. Es ist dazu ein öffentliches Beteiligungsverfahren nach Atomrecht geplant. Die Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände fordern hingegen die Schließung der Uranfabrik, die allein für den Weltmarkt arbeitet und unter anderem Kunden im Kriegsgebiet der Ukraine und im Krisengebiet am Persischen Golf beliefert. Auch die sichere Entsorgung des Uranmülls, der in Gronau anfällt, ist völlig ungeklärt.

„Wir begrüßen die Einladung aus Düsseldorf. Wir sehen aber, dass sich die Atompolitik in NRW derzeit immer weiter vom Atomausstieg entfernt. Widersinnige und gefährliche Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus lösen nicht die drängende Atommüll-Problematik. Und eine Erweiterung der Urananreicherungsanlage Gronau wäre das genaue Gegenteil vom Atomausstieg – die Belieferung von hochriskanten Reaktoren weltweit mit Uranbrennstoff made in NRW ist schlichtweg unverantwortlich“,  so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Am heutigen Donnerstag, 18. Januar, nimmt ein Vertreter der Bürgerinitiative  „Kein Atommüll in Ahaus“ in Jülich um 20.05 Uhr am WDR5-Stadtgespräch zu den geplanten Castor-Transporten von Jülich nach Ahaus teil.         

Ausbau der Brennelemente-Fabrik Lingen

Atomkraftgegner*innen fordern Abbruch des Genehmigungsverfahrens

  • Ausgelegte Unterlagen verschweigen brisante Rolle Russlands
  • Bundesregierung hält Prüfergebnisse unter Verschluss
  • Zugriff des Kreml auf nukleare Infrastruktur verhindern

Anti-Atomkraft-Organisationen fordern einen Abbruch des Genehmigungsverfahrens für den Ausbau der Brennelementefabrik Lingen. Der Atomkonzern Framatome will in Lingen in Lizenz und unter Mitwirkung des russischen Staatskonzerns Rosatom künftig auch Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart produzieren. Framatome hat dazu mit der Rosatom-Tochter TVEL ein Joint Venture in Frankreich gegründet. Die seit Anfang Januar vom niedersächsischen Umweltministerium ausgelegten Antragsunterlagen verschweigen allerdings die brisante Rolle des russischen Staatskonzerns bei dem Vorhaben.

Rosatom ist direkt dem Kreml unterstellt und unter anderem im besetzten AKW Saporischschja aktiv am russischen Krieg gegen die Ukraine beteiligt. Zu den gravierenden Sicherheitsproblemen, die aus dem Einstieg Russlands in Lingen resultieren, verlieren die ausgelegten Unterlagen kein Wort. Nicht berücksichtigt werden auch Erkenntnisse der Bundesregierung, die in der Zusammenarbeit mit Rosatom eine Gefährdung der Sicherheitsinteressen Deutschlands sieht. Schon 2022 hatte die Bundesregierung die Genehmigung eines in Deutschland geplanten Gemeinschafts­unternehmens mit Rosatom verweigert, hält die Gründe dafür aber bis heute geheim. Für ein sachgerechtes Verfahren müssen die Ergebnisse der 2022 durchgeführten Investitionsprüfung offengelegt und zwingend in das atomrechtliche Genehmigungsverfahren einbezogen werden.

Hierzu erklärt Alexander Vent vom Bündnis AgiEL – Atomkraftgegner*innen im Emsland: „Ein Einstieg Russlands in die Brennelemente-Produktion in Lingen ist absolut inakzeptabel. Mitar­beiter*innen von Rosatom sollen sogar in Lingen selbst tätig werden. Es droht Spionage und Sabotage, und das in einer Atomfabrik. In den ausgelegten Unterlagen fehlt jede Information, um diese Gefahren für die Öffentlichkeit und die Sicherheit Deutschlands zu bewerten. Unter diesen Bedingungen muss das Genehmigungsverfahren abgebrochen werden. Auch deshalb veranstalten wir an diesem Samstag, 20. Januar, eine Kundgebung vor der Brennelementefabrik in Lingen.“

Julian Bothe von der bundesweiten Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt ergänzt: „Der russische Staatskonzern Rosatom ist der Elefant im Raum, über den keiner spricht. Nur wenn alle sicherheits­relevanten Informationen für alle zugänglich auf dem Tisch liegen, ist eine ernsthafte Diskussion dieses Vorhabens möglich. Die Bundesregierung selbst hat bereits festgestellt, dass eine Beteiligung Russlands an der Brennelemente-Fertigung in Lingen die Sicherheitsinteressen Deutschlands und seiner Verbündeten gefährdet. Sie darf diese Erkenntnisse nicht länger unter Verschluss halten.“

„Rosatom ist die rechte Hand des Kreml und versucht mit jeder Handlung, den Einfluss Putins zu vergrößern. Die Bundesregierung darf nicht zulassen, dass ein solcher Konzern Zugang zu einer Atomfabrik bekommt. Sie muss vielmehr alles dafür tun, dass jegliche Zusammenarbeit mit Rosatom unverzüglich unterbunden wird.“

Vladimir Slivyak, Ko-Vorsitzender der russischen Umweltorganisation Ecodefense! und Träger des Alternativen Nobelpreises 2021

Für Samstag, 20. Januar, rufen die Organisationen gemeinsam zu einer Kundgebung um 13 Uhr vor der Brennelementefabrik Lingen auf.

(Gemeinsame Pressemitteilung: Bündnis AgiEL – Atomkraftgegner*innen im Emsland, .ausgestrahlt, Ecodefense!, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)

Weitere Informationen:

Demo gegen Castor-Transporte Jülich-Ahaus

(Beitragsbild: © iStock.com/Younes Kraske)

„152 Castor-Transporte mit Atommüll aus Jülich nach Ahaus? Nicht mit uns!“

Das ist die Kernforderung einer Demonstration, die am Sonntag, 14. Januar, in Ahaus stattfinden wird. Dazu rufen außer der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ etliche andere Initiativen und Umweltverbände wie der BBU und der BUND auf. Die Auftaktkundgebung beginnt um 14 Uhr am Ahauser Rathaus. Ein Trecker-Korso von Landwirten startet am TOBIT-Kreisel und führt zur Auftaktkundgebung. Vom Rathaus ziehen dann Trecker und Fußgänger gemeinsam zur Kreuzung Schumacherring/Schöppinger Straße, wo es eine Abschlusskundgebung gibt.

Anlass der Demonstration sind die Pläne des Forschungszentrums Jülich, rund 300.000 abgebrannte Kugel-Brennelemente aus dem stillgelegten Versuchsreaktor AVR nach Ahaus zu verschieben. Dies soll in 152 Straßentransporten quer durch NRW mit 130 Tonnen schweren Transportfahrzeugen geschehen. Bürgerinitiativen und Umweltverbände fordern, dass der Müll in Jülich bleibt und dort ein neues Lager errichtet wird, das aktuellen Sicherheitsanforderungen entspricht. Dies ist auch erklärter Wille der NRW-Landesregierung. Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) ignoriert dies aber beharrlich und treibt nur die Option des Ahaus-Transports voran.

Die Demonstration in Ahaus erfährt Unterstützung aus vielen Teilen der Bevölkerung: Landwirte führen die Demo mit einem Trecker-Korso an, Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirche, der BUND NRW sowie die Ahauser Bürgermeisterin haben Redebeiträge zugesagt. Auch die Jülicher Initiative „Stop Westcastor“ unterstützt die Forderungen der Demonstranten und wird ein Grußwort sprechen.

Demo gegen Castortransporte: 14. Januar, Ahaus 

Das Atommüll-Dilemma bleibt auch 2024:

„Keine Castor-Transporte Jülich-Ahaus“

Für den jetzigen Sonntag, 14. Januar, rufen Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände um 14 Uhr zu einer neuen Demo gegen die für dieses Jahr geplanten Castortransporte von Jülich nach Ahaus auf. Die Auftaktkundgebung beginnt um 14 Uhr am Ahauser Rathaus. Ein Trecker-Korso der Landwirte startet am TOBIT-Kreisel und führt zur Auftaktkundgebung. Vom Rathaus geht es dann gemeinsam zur Kreuzung Schumacherring/Schöppinger Straße, wo es eine Abschlusskundgebung gibt.

„Das Dilemma mit den 152 Castoren in Jülich lässt sich weder durch jahrelanges Aussitzen noch durch undurchdachte und extrem gefährliche `Hau-Ruck-Castortransporte‘ über die Autobahnen von Jülich mitten durch NRW via Düsseldorf, Duisburg und Oberhausen nach Ahaus lösen. Wir sehen, dass entgegen allen anderen Beteuerungen nur an der Ahaus-Option gearbeitet wird und die sicherere Jülich-Option mit dem Neubau eines Zwischenlagers nicht weiter verfolgt wird. Deswegen werden wir unseren Protest intensivieren, ehe die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen und die Aufsichtsbehörden Fakten schaffen“, erklärt Felix Ruwe von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“.

Die Demonstration in Ahaus erfährt Unterstützung aus vielen Teilen der Bevölkerung: Landwirte führen die Demo mit einem Trecker-Korso an, Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirche, der BUND NRW sowie die Ahauser Bürgermeisterin haben Redebeiträge zugesagt und der Ahauser Salip Tarakci begleitet die Demo mit musikalischen Beiträgen.

Alle Parteien des Ahauser Stadtrates haben sich gegen die heftig umstrittenen Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus ausgesprochen. Gegen die bereits bestehende Einlagerungsgenehmigung klagen die Stadt und ein Ahauser Bürger seit Jahren vor dem OVG Münster. Die Transportgenehmigung für die Autobahn-Route quer durch NRW steht noch aus und schwebt nun wie ein Damokles-Schwert über der Stadt Ahaus.

„Wir befürchten, dass das laufende Gerichtsverfahren vor dem OVG Münster sowie neue positive Erdbebenerkenntnisse zum Jülicher Zwischenlager keine Rolle mehr spielen, ebenso wenig die immensen Kosten. Bereits ohne die Polizei-Kosten sind circa 100 Millionen Euro für die Transporte veranschlagt, die intensiven Polizeieinsätze können diese Kosten locker verdoppeln. Für das Geld ließe sich besser ein modernes Zwischenlager in Jülich bauen“, erklärt Marita Boslar vom Jülicher Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.

„Es kann aber auch grundsätzlich nicht sein, dass der Schutz der Bevölkerung einem Kostenargument gegenüber als nachrangig angesehen wird. Leider ist diese Art von verantwortungslosem Handeln der Entscheider*innen zu den Jülich-Castoren als symbolisch für den Umgang mit der Atommüll-Zwischenlagerung in ganz Deutschland anzusehen. Es gibt keine sinnvolle Planung, wie bis zu einer `Endlagerung‘ mit den strahlenden Hinterlassenschaften möglichst sicher umzugehen ist. Die aktuelle Flickschusterei rund um die bestehenden Lager darf nicht das Konzept für die noch nötige Zwischenlagerzeit bis ins nächste Jahrhundert darstellen! Auch dafür demonstrieren wir am 14. Januar in Ahaus“, ergänzt Helge Bauer von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt.

Weitere Infos: www.sofa-ms.de

Aufruf zur Demo: 14. Januar in Ahaus

152 Castor-Transporte mit Atommüll aus Jülich nach Ahaus?

Nicht mit uns!

Aufruf zur Demonstration am 14. Januar 2024

Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) und seine nukleare Entsorgungsgesellschaft (JEN) wollen ihren Atommüll nach Ahaus abschieben. Es geht um circa 300 000 abgebrannte Kugelbrennelemente (Kugel-BE) aus dem stillgelegten Versuchsreaktor AVR. Diese befinden sich in 152 Castor-Behältern in einem veralteten Zwischenlager auf dem AVR-Gelände. Seit 2013 ist dieses Lager ohne Genehmigung, seitdem haben die Verantwortlichen aber keine ernsthaften Schritte für einen Zwischenlager-Neubau am Ort unternommen.

Ab 2024 sollen deshalb 152 Straßen-Transporte von Jülich nach Ahaus erfolgen. Drei Testfahrten ohne Atommüll  haben bereits im November 2023 stattgefunden: mit einem 130 Tonnen schweren Transportfahrzeug quer durch NRW, durch Duisburger Stadtgebiet und mit Problemen zum Beispiel im Autobahnkreuz Kaiserberg, das alles begleitet von riesigen Polizeiaufgeboten.Nun erwarten FZJ und JEN die Transportgenehmigung und wollen dann schnellstmöglich mit dem Abtransport ihres Atommülls nach Ahaus beginnen,

obwohl

  • zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar ist, ob die Kugel-BE aus Jülich endlagerfähig sind, sondern ziemlich sichervorher abgereichert und konditioniert werden müssen,
  • das Verfahren dafür erst noch entwickelt werden muss, wofür JEN und FZJ allein verantwortlich sind,
  • weder Entwicklung noch Durchführung dieses Verfahrens in Ahaus möglich sind, aus technischen wie auch rechtlichen Gründen,
  • demzufolge irgendwann erneut 152 Transporte zurück nach Jülich oder an einen anderen Ort nötig wären,
  • die NRW-Landesregierung laut Koalitionsvertrag gegen den Transport nach Ahaus und für einen Lagerneubau in Jülich ist,
  • die Landesregierung für den Erwerb eines Grundstücks in Jülich die finanziellen Mittel im Landeshaushalt 2023 zur Verfügung gestellt hat,
  • Jülich auch bei einem Abtransport der Kugel-BE keinesfalls „atommüllfrei“, sondern weiterhin mit anderem Atommüllaus dem stillgelegten AVR  belastet sein würde,
  • die Stadt Ahaus laut einstimmigen Ratsbeschluss gegen die Verbringung des Jülicher Atommülls nach Ahaus ist,
  • Klagen der Stadt Ahaus und eines Bürgers gegen die Einlagerung des Jülicher Atommülls in Ahaus eingereicht und  noch nicht entschieden sind,
  • sogar der Bürgermeister von Jülich dafür ist, dass in Jülich ein neues Zwischenlager gebaut wird!

Atommüll-Verschiebung löst keine Probleme!

Wir stellen uns quer

  • Keine Castor-Transporte durch NRW!
  • Neubau einer Lagerhalle in Jülich, die aktuellen Sicherheitsanforderungen entspricht!

Wir rufen auf zur Demonstration am Sonntag, den 14. Januar 2024, in Ahaus:

  • 14 Uhr: Auftaktkundgebung am Rathaus mit Redebeiträgen und Musik
  • Zeitgleich: Trecker-Demo der Landwirte vom TOBIT-Kreisel zum Rathaus
  • Anschließend Demonstrationszug hinter den Treckern vom Rathaus zur Kreuzung Schorlemerstr./Schumacherring,
  • dort Abschlusskundgebung, wieder mit Redebeiträgen und Musik

Zur Teilnahme rufen auf:

Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG), Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Landeskonferenz (LaKo) der NRW-Anti-Atom-Initiativen, AtomkraftgegnerInnen im Emsland(AgiEL), Ationsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), BUND- Landesverband NRW

Würgassen-Entscheidung als Vorbild

(Beitragsbild: pixabay.com)

Nun auch bei Westcastoren endlich die Reißlinie ziehen!

Castortransporte Jülich-Ahaus kosten 100 Millionen Euro

Weitere Probleme und Kosten in Ahaus absehbar

Nächste Demo am 14. Januar 2024 in Ahaus

Die Anti-Atomkraft-Initiativen von Ahaus bis Jülich begrüßen die Entscheidung der Bundesumweltministerin Steffi Lemke, die Planungen für das Bereitstellungslager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll in Würgassen aufzugeben.

Kerstin Ciesla vom BUND NRW erklärt dazu: „Es ist ein großer Erfolg, dass die Fehlplanung endlich beendet wird und viele potentielle Atommülltransporte an einen ungeeigneten Standort entfallen. Nun sollte Steffi Lemke auch endlich bei den unsinnigen Castortransporten von Jülich nach Ahaus und beim ungeeigneten Schacht Konrad die Reißleine ziehen!“

Auch wenn in der Begründung der Bundesumweltministerin in Würgassen die Kosten im Vordergrund standen, wurde deutlich, dass auch Fragen bezüglich Sicherheit, Recht und Verkehr und somit die kritischen Einwände und Hinweise der örtlichen und regionalen Anti-Atomkraft-Initiativen eine Rolle gespielt haben.

„Hier sind deutliche Parallelen zu den anvisierten Castortransporten von Jülich nach Ahaus zu sehen. Die Castortransporte nach Ahaus sind keine langfristige Lösung! Bereits 2032 haben die ersten Castorbehälter die genehmigten 40 Jahre Lagerdauer erreicht und 2036 läuft die Genehmigung des Ahauser Zwischenlagers aus. Damit gehen langwierige Planungen von vorne los. Auch die Sicherheit des Ahauser Zwischenlagers ist zweifelhaft, dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht die 1990 fertig gestellte Halle nach Ansicht nicht mehr“,  kritisiert Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

100 Millionen Euro von Jülich nach Ahaus – und in einigen Jahren das Ganze nochmal?

Bis 2025 rechnet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) mit Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro für die Ahaus-Option, allein die reinen Transportkosten für die 152 Castorbehälter belaufen sich auf 40 Millionen Euro. Die Kosten für die Sicherung durch die Polizeieinsätze sind darin laut BMUV noch nicht enthalten. Allein die circa 120 Tonnen schwere Panzerung der LKW zeigt das Gefahrenpotenzial der Transporte.

„In Ahaus gibt es keine Möglichkeiten, die Castoren zu reparieren, die Genehmigung des Lagers läuft in etwa 10 Jahren aus und vor einer Endlagerung muss der Jülicher Atommüll höchstwahrscheinlich nochmal konditioniert werden. Die Expertise dafür ist nach wie vor im Forschungszentrum Jülich angesiedelt ‒ wir rechnen mit Rücktransporten und damit noch einmal mit Kosten in der Größenordnung von 100 Millionen Euro“, so Marita Boslar vom Jülicher Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.

Die Anti-Atomkraft-Initiativen sind sich bewusst, dass ein neues Zwischenlager in Jülich vermutlich mehr kosten würde als die Castortransporte nach Ahaus ohne Rücktransporte, aber das Geld wäre langfristiger und sicherheitstechnisch besser angelegt. „Wir fordern von Mona Neubaur als NRW-Atomaufsicht und Steffi Lemke als Bundesumweltministerin die Planungen für die Castortransporte sofort zu stoppen. Dies würde auch den Krisenhaushalt 2024 entlasten, da die Planungen für ein neues Zwischenlager mit dem ohnehin vorhandenen Personal der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) durchgeführt werden könnten. Erst dann kämen tatsächliche Baukosten auf Land und Bund zu. Mit der kurzsichtigen Ahaus-Option darf jetzt kein weiteres Geld verschwendet werden – wir brauchen eine langfristig sichere und finanziell solide Lösung“, so Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Um diese Forderungen zu untermauern, laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste Demonstration am 14. Januar in Ahaus.